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Die wütenden Vögel fliegen wieder

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"Angry Birds 2"
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Mächtiger Adler (hinten), Leonard (2. Reihe, l-r) und Bombe, sowie Courtney (vorn, l-r), Silver, Red und Chuck in einer Szene des Films "Angry Birds 2". Foto: Sony Pictures Entertainment/Rovio Entertainment/CPM/ Foto: dpa

Quirlige Vögel mit einem Katapult auf fiese Schweine zu schießen - das war über Jahre ein großer Smartphone-Spielspaß. Auch im Kino funktionierte das Konzept sehr gut. Doch die große »Angry Birds«-Zeit scheint vorbei. Kommt der zweite Kinofilm zu spät?


Berlin (dpa) - Bunte Vögel gegen grüne Schweine. Der Kampf tobt weiter in der Welt von »Angry Birds«. Die Kanonaden zwischen beiden verfeindeten Inselvölkern sind zum Ritual geworden. Dabei wäre es mal so langsam an der Zeit, zusammenzuarbeiten. Ein mächtiger Feind bedroht die Vogel- und die Schweine-Insel.

Doch will »Angry Birds«-Superstar Red - der rote Vogel mit dem Wutproblem - das überhaupt? Eine Kooperation zwischen Schweinen und Vögeln: Wie würde das denn aussehen für ihn? Würde er als Held noch gebraucht, noch geliebt? Genau darum geht es nun in der Fortsetzung des erfolgreichen »Angry Birds«-Films.

Denn die »Angry Birds« sind nach großen Erfolgen als Handy-Spiel dem kleinen Smartphone-Bildschirm längst entflogen. Mittlerweile haben andere Spiele wie »Candy Crush« den wütenden Vögeln den Rang abgelaufen. Dann brachte die finnische Spieleschmiede Rovio vor drei Jahren die Katapultvögel auf die Leinwand - mit großem Erfolg: Der erste »Angry Birds«-Film spielte weltweit mehr als 300 Millionen Euro ein. Und da das Geschäft für Rovio derzeit auch nicht gerade übermäßig gut läuft, kommt der zweite Teil gerade richtig. »Angry Birds 2 - Der Film« soll die Kassen wieder füllen. Ob das gelingen kann?

Für einen Erfolg spricht: Das Ganze ist recht lustig erzählt. Während anfangs vor allem die Kinder im Kinosaal über quatschige Szenen lachen (während die Erwachsenen eher etwas gequält lächeln), entwickelt der Trickfilm einen eigenen Witz, der auch Kinoprofis zwischendurch laut loslachen lässt.

Die Figuren sind liebevoll gestaltet, mit genügend Hintersinn für erwachsene Zuschauer und hochkarätigen deutschen Sprechern: Silver (Anke Engelke) ist ein superschlaues Vogelmädchen, was Red (Christoph Maria Herbst) überhaupt nicht vertragen kann; ausgerechnet Mächtiger Adler (Smudo) wirkt hasenfüßiger als ein Kanarienvogel; und die lila Adlerin Zeta (Christiane Paul) gäbe mit ihrer wahnwitzigen Boshaftigkeit und ihren dumm-muskulösen Adler-Leibwachen eine gute Bond-Gegenspielerin ab.

Das Argument gegen den großen Erfolg: der Zeitpunkt. Vor drei Jahren waren die »Angry Birds« noch ein Merchandising-Hit. Heutzutage sind sie weitgehend verschwunden von Schulranzen und T-Shirts; nur wenige Grundschüler dürften noch in »Angry Birds«-Bettwäsche schlafen; und auf den Smartphones der jüngsten Zielgruppe dominieren andere Spiele. Der Film kann also an weit weniger Fan-Begeisterung anknüpfen als der Vorgänger 2016.

Dennoch eignet sich »Angry Birds 2« für einen Familien-Kino-Besuch selbst mit den Kleinsten (der Film hat die FSK-Freigabe ab null Jahren). Man muss die Charaktere und Vorgeschichte nicht kennen, um sich zu amüsieren. Außerdem enthält der Film einige positive Botschaften zu Kameradschaft, Mut und Teamwork, auch wenn diese mitunter etwas dick aufgetragen wirken.

Die Chefetage des Spieleunternehmens Rovio dürfte sich von ihrem Werk deutlich mehr versprechen als einen vergnüglichen Kino-Nachmittag. Die Rovio-Aktie dümpelt derzeit bei unter 5,50 Euro an der Börse - und das ist weniger als die Hälfte des Wertes von 11,50 Euro, den sie beim Börsengang im Herbst 2017 hatte.

Angry Birds 2