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Die vergessene Musikwelt Polens

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Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner beglückwünschte Imke von Keisenberg zum guten Gelingen der Sommerkonzerte. (Foto: Aumiller)
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Mit dem Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135 von Ludwig van Beethoven überzeugte das »Szymanowski Quartett« bei den Traunsteiner Sommerkonzerten die Zuhörer, wohingegen das zu Beginn gespielte Streichquartett C-Dur KV 465 von Wolfgang Amadeus Mozart ein wenig blass blieb. Die Lebendigkeit im Musizieren war auch zu hören, als die vier Musiker das Streichquartett Nr. 1 C-Dur ihres Namensgebers Karol Szymanowski spielten. Als Zugabe gab es das einzig existierende Quartett von Maximilian d’Osten »Berceuse«, ein zartes, poetisches musikalisches Gespinst. (Foto: Heigl)

Das Wanderdasein hat der Qualität der Traunsteiner Sommerkonzerte keinen Abbruch getan – der Ort, ob Landratsamt oder Aula des Annette-Kolb-Gymnasiums, mag sich zwar ändern, aber der Anspruch bleibt stets derselbe: Erstklassige Künstler, ein ausgewogenes Programm, das weder vor Bachs Kammermusik noch vor Neutönern des 21. Jahrhunderts zurückschreckt, ein unaufdringlicher Rahmen sowie aufgeschlossene und treue Gäste, die weniger wegen des gesellschaftlichen Events als vielmehr wegen der Kunst den Weg zu den Konzerten finden.


In diesem Jahr war das Thema Musik aus Polen. Nach Tschechien, der Türkei und Dänemark auch dies keine Nation, der man spontan eine besondere Bedeutung in Sachen Klassische Musik zugestehen würde – wer kennt schon Musik aus Polen? Nun, acht Konzertabende später, wissen die Konzertbesucher es besser. Es ist beeindruckend, welcher Reichtum sich in der Musikwelt des wenig beachteten Nachbarn verbirgt.

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Da ist natürlich Frédéric Chopin, der Wahlpariser, ihn kennen und lieben alle. Vor allem im Klavierabend mit der aufstrebenden Pianistin Sophie Pacini wurde den Besuchern die zeitlose Schönheit seiner Musik vor Augen geführt. Aber wie steht es mit Penderecki, Weinberg, Tansman, Szymanowski, Górecki, Laks, Lutoslawski, Bacewicz? Bis auf die beiden erstgenannten handelt es sich hierzulande um kaum bis gar nicht gespielte Komponisten. An der Qualität liegt es nicht, das haben die sorgfältig ausgewählten Kostproben aus ihrem Oeuvre jetzt deutlich gemacht.

Ob Alexandre Tansmans einnehmender Stil »zwischen der polnischen Empfindsamkeit und der 'Clarté der Franzosen'«, Grazyna Bacewiczs ausgeprägter Sinn für Klangfarben oder Laks' harmonische, elegante Tonsprache – es waren überaus lohnenswerte Entdeckungen, die das Publikum präsentiert bekam. Dass sich außerhalb Polens niemand für diese Musik interessiert, kann so nicht mehr stehen bleiben: Jetzt gibt es in Traunstein ein Publikum, das die Vielfalt und den Wert dieser in der Versenkung der Geschichte verschwundenen Musik kennt.

Den Traunsteiner Sommerkonzerten gebührt das Verdienst, in diesem wie auch in den früheren Jahren, vergessenes Repertoire auf die Bühne gebracht und den Werken und ihren Urhebern zumindest für kurze Zeit die Aufmerksamkeit verschafft zu haben, die ihnen zusteht.

Die hervorragenden jungen Musiker kommen gerne nach Traunstein, sie schätzen die Offenheit und Neugierde von Veranstaltern und Publikum sowie die Professionalität in der künstlerischen Gestaltung und Organisation. Alle Interpreten wurden vom Publikum begeistert aufgenommen: das französische »Quatuor Hermès«, der Pianist Nicholas Rimmer, die Sopranistin Anna Lucia Richter, der polnische Klarinettist Blaz Sparovec, der Cellist Gabriel Schwabe, die Pianistinnen Sophie Pacini und Lauma Skride, das »Trio con Brio Copenhagen«, die Violinistin Franziska Hölscher, das polnische »Szymanowski Quartett« sowie das »Notos Quartett«.

Dank der großzügigen Unterstützung durch die Stadt Traunstein, zahlreichen Sponsoren und der unermüdlichen Arbeit zahlreicher engagierter Helferinnen und Helfer können Besucher und Veranstalter auf eine sehr erfolgreiche Konzertwoche zurückblicken. Und die Wartezeit auf die nächsten Sommerkonzerte 2019 hat schon begonnen – in gewohntem Umfeld in der Klosterkirche und mit gewohnt hohem Anspruch wird das Publikum dazu eingeladen, die gegenwärtigen und vergangenen musikalischen Schätze einer weiteren Nation kennenzulernen. Dr. Johanna Steiner

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