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Die Sieben Stufen der Versenkung

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Die Kantorei der Evangelischen Auferstehungskirche führte »Membra Jesu Nostri« von Dietrich Buxtehude auf. (Foto: Heigl)

Was macht eine Mutter, wenn sie ihr weinendes Kind trösten möchte? Sie nimmt es in den Arm, wiegt es ein wenig hin und her, und spricht beruhigend auf es ein. Genauso fühlte sich das Kantaten-Konzert »Membra Jesu Nostri« von Dietrich Buxtehude (1637 bis 1707) in der Evangelischen Auferstehungskirche in Traunstein an, das unter der Leitung von Kantorin Ulrike Ruf zu Gehör gebracht wurde. Getröstet werden ist etwas Wunderbares. Und Musik ist eine große Trösterin, wenn sie so gespielt wird wie in diesem Konzert; da ist dann die Freude nicht weit.


Die sieben Stufen der Versenkung, bei der im Kantaten-Text die Gliedmaßen Jesu betrachtet und angebetet werden – beginnend mit den Füßen, bis zum Zentrum des Erkennens, dem Herzen, endend bei seinem Angesicht – sind von Schmerz, Demut, Angst, Reflexion und Hoffnung durchwirkt. Vor allem im Chor transzendierten sich diese Gefühle, wenn die Töne der verschiedenen Stimmen eng beieinander lagen, das Klangbild magisch flirrte und wie eine musikalische Trance in den Kirchenraum emporstieg.

Ulrike Ruf, die an der Truhenorgel spielte und gleichzeitig dirigierte, gab ihre Einsätze im steten Fluss der Musik präzise und geschmeidig, und die Sänger schienen sich selbst schwierigste Passagen mit Genuss einzuverleiben.

Auch aus der Reihe der Solisten kam verinnerlichte Sangeskunst. Die beiden weiblichen Solisten des Konzerts, Diana Plasse, Sopran, und Isabel Ruhland, zweiter Sopran, hätten unterschiedlicher nicht sein können, optisch und stimmlich. Diana Plasse ist eine erfahrene Sängerin mit feiner Eleganz im Klang und auch in der Erscheinung. Ganz anders ihre Kollegin; mit ihren hochgesteckten Rastazöpfen, die das jugendliche Gesicht umrahmten, war sie schon mal optisch sicher eine Überraschung für die Zuhörer. Isabel Ruhland verfügt über eine klare, knabenhafte, schon recht gut geführte Sopranstimme, und es stellte sich heraus, dass die beiden Stimmen der Sängerinnen im Duett miteinander sehr gut harmonierten.

Der Tenorpart war mit Christian Giglmayr stimmlich schlank und sehr engagiert besetzt, und mit dem immer wieder gern gehört und gesehenen Bassisten Thomas Hamberger erlebten die Zuhörer eine in allen Lagen ausgeglichene Stimme, die in der Tiefe so schwarz sein kann, dass man sie fast schon sieht. Die Altistin Barbara Ullrich sang mit natürlicher Farbgebung, ungekünstelt und weich, und im Trio mit den beiden Herren mischte sich ihre Stimme formidabel hinzu.

Das kleine, aber feine BarockOrchester Salzburg, zwei Geigen, ein Kontrabass, ein Cello und eine Gambe, schien diesmal besonders spielfreudig aufgelegt, es glänzte vor allem bei den instrumentalen Brückenstücken zwischen den Kantaten.

Dass auch die Konzertbesucher gut bei Stimme sind, konnte man hören, als zu Beginn des Konzerts »O Haupt voll Blut und Wunden« angestimmt wurde, begleitet von Ulrike Ruf an der Orgel. Barbara Heigl