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Die Muse des Mörders

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Die Muse des Mörders
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Die Schriftstellerin Madeleine Montana (Christiane Hörbiger) und ihr Sohn Oliver Sandberg (Florian Teichtmeister) können es nicht fassen, dass aus Fiktion Wirklichkeit wird. Foto: Petro Domenigg/ZDF Foto: dpa

Eine raffinierte Geschichte mit viel schwarzem Humor ist der Krimi «Die Muse des Mörders». Die Hauptrolle spielt Christiane Hörbiger, die in wenigen Tagen ihren 80. Geburtstag feiert. Für die Regie zeichnet ihr Sohn Sascha Bigler verantwortlich.


Berlin (dpa) – Früher war sie ein Star. Fesselte als Krimi-Bestsellerautorin ein großes Publikum. Und wurde hofiert von ihrem Verleger, der ihr zu viel Geld verhalf – und umgekehrt.

Heute lebt die ältere Dame mit dem Künstlernamen Madeleine Montana verarmt in ihrem Bungalow, liest höchstens einmal vor einer Handvoll Rentner in einem trostlosen Wiener Café. Doch dann kommt es in der österreichischen Hauptstadt zu spektakulären Morden exakt nach Mustern aus ihren Romanen. Was die Autorin, die sich Mado nennt, zwar entsetzt - ihr aber auch erlaubt, sich höchst durchtrieben wieder als glamouröser Mittelpunkt des Geschehens zu inszenieren.

Die Frau, die diese bissige Exzentrikerin im TV-Krimi «Die Muse des Mörders» spielt, ist alles andere als ein vergessener Star: Christiane Hörbiger, gefeiert bereits als Gräfin in der ZDF-Serie «Das Erbe der Guldenburgs» (1987-1990), gehört nach wie vor zu den Größten ihrer Branche. Das ZDF zeigt ihn am Montag (8. Oktober) um 20.15 Uhr als «Fernsehfilm der Woche».

Am Sonnabend, 13. Oktober, begeht die elegante Österreicherin ihren 80. Geburtstag – und das Zweite ehrt sie mit der Hauptrolle nach dem Roman von Nadine d’Arachart und Sarah Wedler sowie dem Drehbuch von Axel Götz. Im Ersten ist Hörbiger dann auch am Freitag (12. Oktober, 20.15 Uhr) in der Familienkomödie «Einmal Sohn, immer Sohn» zu erleben, in der Sebastian Bezzel ihren Sohn verkörpert.

Bei «Die Muse des Mörders» führt ihr einziges Kind Sascha Bigler (50, «Kommissar Pascha») Regie. «Für mich ist er als Regisseur ganz wunderbar, weil er eine besonders humorvolle und liebenswürdige Art mit allen Schauspielern hat», sagte Hörbiger der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei lasse der zur Hälfte des Jahres in Los Angeles (USA) lebende Bigler viel Raum für Ideen, die das Team am Set einbringe. Zugleich betonte die Künstlerin, die den Sohn nach dem frühen Tod ihres Ehemannes 1978 allein großgezogen hat, dass das familiäre Verhältnis ihre Zusammenarbeit keinesfalls beeinflusse: «Wir sind beide Profis.» Beim Dreh nennt er sie auch nicht «Mutter», sondern «Christiane».

In blassgrauen Farben malt Bigler das Bild der Stadt Wien, deren Bewohner hier oft in aus der Zeit gefallenen Räumen hausen. Blutrünstig inszeniert er die Morde, die den Fall nur bedingt zur Familienunterhaltung machen. So liegt eingangs die Leiche einer bestialisch abgeschlachteten Prostituierten in der Liliputbahn im Prater.

Später entdeckt die Kamera ein Auge unter dem Abflussgitter einer blutbeschmierten Badeanstalt – zu den Klängen des Popsongs «Love Letters Straight From Your Heart». Überhaupt kennzeichnen Brüche die Machart dieses raffinierten Krimis, in dem die Verbrechen sowie massive Probleme im zwischenmenschlichen Bereich von den Beteiligten mit Sarkasmus, aber amüsant augenzwinkernd in Worte gefasst werden.

Hauptattraktion des Films ist natürlich die Hörbiger, die von sich sagt, sie lese Krimis privat «nur im äußersten Notfall, wenn ich nicht schlafen kann». Wie in ihren letzten Produktionen, etwa «Die letzte Reise» (2017), scheut sie sich in einer Szene nicht, ihr ungeschminktes, faltiges Gesicht auszustellen. «Auch noch da», lautet lakonisch dazu ihr Kommentar beim morgendlichen Blick in den Spiegel. Doch auch das hervorragende Ensemble um Hörbiger sorgt mit mehrschichtigen Rollenfiguren für Farbe und Spannung: etwa Florian Teichtmeister («Die Toten von Salzburg») als ihr Sohn, ein versponnen wirkender Antiquar, und Robert Lohr als schnieker Buchverleger.

Nicht zuletzt zieht der Ermittler von der Mordkommission, Major Rupert Bäumer (Fritz Karl, «Falk»), den Zuschauer in seinen Bann - ein abgeklärter Mann mit der Ausstrahlung eines einsamen Wolfs. Noch Luft nach oben in puncto abgebrühter Polizeiarbeit scheint es dagegen bei seiner jungen Kollegin Flo (Cornelia Ivancan) zu geben: Denn die übergibt sich schon mal beim Anblick von Leichenteilen.

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