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Bad Reichenhaller Einrichtung plant Kooperationen auch über Europa hinaus

Die Kunstakademie stellt sich international auf

»Die Kunst war eigentlich ein Vorreiter der Globalisierung«, erklärt Dr. Brigitte Hausmann. Die Sprache der Bilder wird weltweit verstanden. Was liegt näher, als dass auch die von ihr geleitete Kunstakademie Bad Reichenhall internationaler wird. Die Direktorin plant für die nächsten Jahre europäische und internationale Kooperationen und möchte die Akademie auch im Ausland stärker bewerben.

Der langjährige Akademiedozent, der Salzburger Maler Rupert Gredler, demonstriert im Portraitzeichenkurs die Vorgehensweise beim Selbstportrait. (Foto: Mergenthal)

»Nach der schwierigen Übergangsphase nach dem Weggang von Rupert Fegg hat sich die Kunstakademie auch wirtschaftlich konsolidiert: Das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben ist aktuell ausgeglichen«, berichtete Hausmann bei der Vorstellung des Jahresprogramms 2017 zusammen mit Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Kulturreferentin Monika Tauber-Spring.

Jetzt gehe es darum, zu expandieren. Seit Gründung der Akademie vor 20 Jahren seien immer mehr nichtstaatliche Akademien und Malschulen und Deutschland gegründet worden, so die Direktorin. Die Kuchenstücke für die einzelnen Einrichtungen würden daher immer kleiner. Im Ausland gebe es noch nicht diese Akademien-Dichte. Daher hat sich Hausmann zum Ziel gesetzt, künftig verstärkt ausländische Studenten anzuwerben. Dazu werden derzeit auch Informationsmaterialien in englischer Sprache entwickelt.

Geplant ist die Vernetzung mit Akademien im Ausland, zum Beispiel durch den Austausch von Dozenten oder Gastausstellungen. Das Angebot von mehrsprachig gehaltenen Kursen in Bad Reichenhall soll außerdem ausgebaut werden.

Um sich von anderen deutschen Malschulen abzusetzen, setzt Hausmann außerdem auf Qualität. »Ich wähle neue Dozenten sehr gut aus. Mir ist wichtig, dass alle Dozenten Studien an staatlichen Kunsthochschulen vorweisen und dass sie selber gute Künstler, nicht nur gute Pädagogen sind«, betont die Leiterin. Ihr ehrgeiziges Ziel ist das »höchste Level« unter den nichtstaatlichen Kunstakademien. Dies sei man auch den vielen fortgeschrittenen Kursteilnehmern in Bad Reichenhall schuldig, von deren Erfahrung Anfänger profitieren könnten.

In etwa 135 Kursen unterrichten 2017 rund 100 namhafte Künstler in Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Plastik, Mixed Media, Fotokunst, Buchkunst, Papierkunst, Land Art und Performance. Neu beginnen zwei Studiengänge mit Prof. Heribert C. Ottersbach und Rosa Loy. Im laufenden Studiengang von Prof. Leiko Ikemura entstehen fünf zusätzliche Plätze, für die man sich bis 8. Juni bewerben kann. Darüber hinaus bieten Ottersbach und Jo Bukowski Meisterklassen an.

Mit Nils-Udo und Nezaket Ekici lehren 2017 zwei weltweit agierende Künstler der seit den 1960er Jahren wichtigen Segmente Land Art und Performance an der Akademie. Für Nils-Udos Workshop, der in 40 Ländern Land Art schuf, stellen die Bayerischen Staatsforsten ein idyllisches 10 000 Quadratmeter umfassendes Waldareal mit See und Hütte zur Verfügung. Die Künstlerin Ekici präsentierte mehr als 120 Performances in über 30 Ländern und lädt dazu ein, in Dialog mit Kunstwerken künstlerisch unter Einbeziehung des eigenen Körpers an die Grenzen zu gehen.

Folgende neue Dozenten erweitern das Spektrum: Im Bereich Malerei führen die japanische Künstlerin Miwa Ogasawara an das Bildlicht heran und Siggi Hofer an das Wortbild. Stefanie Pech setzt auf den Zufall, Heiko Hermann auf eine »Schule des Sehens«. Christopher Eymann unterstützt die innere Muse bei der Bildfindung, während Eva Wagner, die derzeit in der Salzburger Galerie Welz ausstellt, persönliche Bildwelten umsetzt. Bei Martin Praska geht es um »Malerei ohne Grenzen« und bei Isa Schmidlehner um Bildschöpfung aus dem Chaos. Jörg Mandernach verbindet Enkaustik, eine Technik mit in Wachs gebundenen Farbpigmenten, mit Collage.

Eva Häberle, geschätzt für ihre Bildreportagen für Stern, Die Zeit, Brigitte und National Geographic, gibt ihr Wissen in der Fotoreportage weiter. Dorothee Golz, international renommiert seit ihrer Teilnahme an der Dokumenta X, erstellt »Digitale Gemälde« nach Alten Meistern.

Im Bereich der Theorie kooperiert die Akademie mit zwei erfahrenen Expertinnen, der Kunstwissenschaftlerin Dr. Margit Zuckriegl und der Kulturjournalistin Christa Sigg.

»Der neue Katalog ist wirklich großartig und unterstreicht die Qualität der Kunstakademie«, zeigte sich Dr. Lackner erfreut. Die Kooperationen mit Philharmonie (siehe Infokasten) und Staatsforsten seien »im Sinne der regionalen Vernetzung eine gute Projektarbeit«. Tauber-Spring findet die Beteiligung asiatischer Künstlerinnen und Künstler spannend. Die ganze Stadt profitiere von den Kursteilnehmern und ihren Begleitern. vm