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Die Klänge der Zither in faszinierender Vielfalt

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Die Boarische Almmusi mit dem Ehepaar Albert und Simone Lahner vom Hochberg bei Siegsdorf und Manfred Wörnle (links), aus dessen Feder die typische »almerische Musi« stammte. (Foto: Giesen)

Zu Recht war das große Eröffnungskonzert der Zither-Musiktage in Traunstein mit »Faszination Zither« überschrieben. Der große Rathaussaal war voll besetzt mit einem begeisterten Publikum, das sich von der großen stilistischen Bandbreite dieses Instruments in seinen Bann ziehen ließ. Wie eindrucksvoll demonstriert, ist die Zither keineswegs nur für die Volksmusik geeignet, sondern auch für klassische Musik, Pop und andere moderne Strömungen sowie als Begleitinstrument.


Der Zithervirtuose Willi Huber aus München, auch Präsident und musikalischer Leiter des Landesverbands Zither in Bayern, führte durch das Programm und gab einen Einblick in die Geschichte des Instruments, das »mit Bayern mindestens so eng verbunden ist wie das Bier und die Blasmusik«. Sie stehe allerdings nicht für das grobschlächtige Bayern, sondern das feine Bayern zum Beispiel des Rokoko, des Nymphenburger Porzellans oder den Kunstsinn der Wittelsbacher, aus deren Familie ja der große Zitherspieler, Herzog Max in Bayern, »der Zithermaxl«, hervorging. Ihm sei vor allem die Verbreitung der Zither in Bayern zu verdanken, so Willi Huber.

Dabei zählten der Chiemgau und Traunstein zum Herzstück der bayerischen Zithertradition, denn hier wurde 1885 ein Zitherorchester gegründet, der Verein Chiemgauklänge. Auch der größte Zithervirtuose, Rudi Knabl (1912 bis 2001), habe hier seinen ersten Un-terricht erhalten, erinnerte Huber. Für das Zustandekommen der Zither-Musiktage in Traunstein ehrte Huber vor allem Peter Graspeuntner für seine unermüdliche Organisationsarbeit. Zusammen gaben sie das feine irische Stück »Londonderry Air« auf zwei Zithern zum Besten. Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel wies besonders auf die außerordentlich sehenswerte Zitherausstellung im Heimathaus hin.

Den Anfang des Konzerts machten dann die Siegsdorfer Sänger mit Sepp Berthold, Hans Mader, Hans Ramstötter und Sigi Brandl, einfühlsam auf der Zither begleitet von Peter Graspeuntner. Mit wunderschön harmonisch zusammenklingenden Stimmen gaben sie echte Volksmusik zum Besten.

Große Begeisterung erntete auch das Further Trio aus Furth im Wald mit einem schwungvollen Konzertlandler oder der Gretchen-Polka in fein aufeinander abgestimmtem Zusammenspiel. Der Gründer des Ensembles, Herbert Wirrer mit Konzertgitarre, Christoph Schwarzer an der Zither und der exzellente Geiger Jaroslav Lucak spielten mitreißend auf ihren Instrumenten. Das Ensemble, auch bekannt durch Rundfunk und Fernsehen, gehört zu den beliebtesten Volksmusikgruppen.

Die vertraute »almerische Musi«, vertrat die Boarische Almmusi mit Manfred Wörnle (Zither), Albert Lahner (Konzertgitarre) und seiner Frau Simone (Zither). Technisch versiert mit großem Können und Hingabe an die Musik spielten sie zur Freude des Publikums zum Beispiel das »Myrthenkranzl« oder »Fürs Herz« aus der Feder von Manfred Wörnle.

Eine ganz andere Musikrichtung, nämlich eigene Interpretationen von Rock- und Popliedern, gab Bettina Obermeier mit ihrem vollen warmen Mezzosopran, wobei sie sich selbst an der Zither begleitete. Ein selbst geschriebenes, bayerisches Liebeslied war ebenso zu hören wie ein gefühlvoll lyrisch interpretiertes Lied der österreichischen Gruppe Seer.

Dass sich die Zither aber auch als Instrument für anspruchsvolle, sogenannte klassische Musik eignet, stellte Willi Wimmer eindrucksvoll mit einigen Solostücken an der Zither unter Beweis, so dem Lied »An den Abendstern« aus Richard Wagners Oper »Tannhäuser« oder dem von Huber selbst komponierten Stück »Valse capricieuse«. Nach dem langen Applaus spielte das Further Trio noch ein Stück aus dem Böhmerwald. Wenn das Publikum auch gerne noch mehr Zugaben gehört hätte, konnte es sich mit der Aussicht auf die fast täglichen Zitherkonzerte in dieser Woche bis zum 7. Oktober in Traunstein trösten. Christiane Giesen