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Die Jagd nach Bombus-wurfleinii-mark

Ramsau - Von Weitem sieht es aus, als ob ein roter Farbtupfer über die wunderschön blühende Almwiese auf der Bindalm im Nationalpark Berchtesgaden tanzt. Beim Näherkommen wird aus dem roten Farbtupfer eine fleißig arbeitende junge Frau, die mit ihrem Fangnetz bewaffnet auf Jagd geht. Die Masterstudentin Johanna Sieger fängt Hummeln als Teil des von Prof. Dr. Ingolf Steffan-Dewenter (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) koordinierten und von der Bayerischen Staatsregierung finanzierten »Forkast-Projekts«.

Zeitaufwendig und anstrengend ist die Arbeit, die sie und ihre Kollegin - die Doktorandin Katharina Kallnik - hier auf der Bindalm und auf weiteren Standorten ausführen: »Das ist der beste Arbeitsplatz, den man sich wünschen kann«, so Kallnik. Es macht ihr und Johanna Sieger sichtlich Freude, im Netz diese in einigen Gegenden Deutschlands rar gewordenen Insekten zu fangen. Untersuchungen in den Jahren 2009 bis 2012 wiesen 19 Hummelarten im Raum Berchtesgaden nach, darunter vier ausschließlich alpin vorkommende Arten. In ganz Deutschland gibt es 42 Arten der Gattung Bombus, wie die Hummeln in der Fachsprache heißen.

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Die Wichtigkeit dieser dicht behaarten Insekten zeigt sich besonders beim Bestäuben. »Die Hummeln fliegen schon bei niedrigeren Temperaturen und schlechten Witterungsbedingungen. Sie sind viel widerstandsfähiger als Honigbienen. Wertvoll und unverzichtbar sind sie im Kreislauf der Natur«, schwärmt Johanna Sieger über »ihre Hummeln«. Ewiesenermaßen bestäuben die Hummeln allein 35 kommerziell genutzte Pflanzen wie Kleearten, Obstbäume und Beerensträucher. Leider sind die Hummeln - wie auch viele andere Bestäuber - vor allem durch den Menschen gefährdet. Intensive Landwirtschaft, Versiegelung wichtiger Flächen und die Isolation der Hauptlebensräume lassen den Bestand zurückgehen. Mit seinen extensiv genutzten Weiden und der vielfältigen Landschaft des Nationalparks Berchtesgadener Land finden viele Hummelarten hier ein wichtiges Refugium.

»Mit kleinen Plättchen markieren wir die Tiere an verschiedenen Standorten und erfassen damit im Rahmen des »Forkast-Projekts« (kombinierte Effekte von Klimawandel, Extremereignissen und Habitatfragmentierung auf Bestäuber) Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die Hummeln im Nationalpark«, erklärt Johanna Sieger und fährt fort: »Dazu gehören Untersuchungen unter anderem zu den Parasiten der Hummeln, den Flugzeiten der Königinnen, der Verteilung der Arten und der von den Hummeln zurückgelegten Strecken.«

Danken wollen die »Hummelfängerinnen« zu allererst dem Nationalpark, aber auch den vielen Flächennutzern, die sie auf ihren Flächen Hummeln fangen lassen. »Insbesondere den Besitzern der Talflächen, die ihre Flächen freiwillig zur Verfügung stellen, wollen wir an dieser Stelle herzlich danken.« Katharina Kallnik und Johanna Sieger werden noch bis Ende September mit dem Fang der sympathischen Insekten beschäftigt sein. Danach erfolgt die aufwendige Auswertung der Daten in Würzburg. roha