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»Die inszenierte Provokation«

Die Fotografien von Heide Stolz wurden bislang vielfach im Kontext zum malerischen Werk ihres Mannes Uwe Lausen gesehen, der als Pop Art-Genie der 60er Jahre erst kürzlich in retrospektiven Ausstellungen in Frankfurt, München und Hamburg gewürdigt worden ist. Die Fotografin Heide Stolz (1939-1985) und der Maler Uwe Lausen (1941-1970) lernten sich 1961 in München im Umfeld der Künstlergruppe SPUR kennen. Vor dem Hintergrund der kulturellen und gesellschaftspolitischen Umbrüche der 60er Jahre lohnt sich der Blick auf das rebellische Künstlerpaar, das symptomatisch für seine Zeit steht und mit seinen Inszenierungen dabei doch weit über sie hinausweist. Die Nähe der Ausstellung von 100 originalen Hand-Abzügen der Fotografin in der Städtischen Galerie Traunstein zum malerischen Werk von Uwe Lausen in Traunreut ist eine besondere Gelegenheit, die trotz ihrer unterschiedlichen Medien so symbiotische Nähe in vielen Werken spürbar werden zu lassen.

Heide Stolz: Frau Pferd Waffe.

Die Ausstellung »Die inszenierte Provokation« mit Schwarzweiß-Fotografien von Heide Stolz widmet – in diesem Umfang erstmalig – ihrem fotografischen Werk eine große Einzelpräsentation und offenbart die überragende Qualität einer zu entdeckenden Künstlerin. Neben sensiblen Porträts und fotografischen Experimenten umfasst der künstlerische Nachlass bei den Originalabzügen einen beeindruckenden Fundus an Aufnahmen, die als Motivserien entstanden sind. Das Spannungsverhältnis von Mensch und Gesellschaft steht dabei ebenso im Mittelpunkt wie der Wunsch nach Aufbruch und Veränderung.

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Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Traunstein, die in Kooperation mit dem Traunreuter Museum DASMAXIMUM entstanden ist, bringt die Kraft eines Werkes in Erinnerung, das die Energie und Aufbruchsstimmung einer aufbegehrenden Generation mit der Perfektion von Inszenierung und Aufnahme verbindet und im Gleichgewicht von spielerischem Experiment und professionellem Können seine Intensität entfaltet. Ihre überragende ästhetische Qualität und ihre Medienkritik heben die Fotografien von Heide Stolz über den Status von Zeitdokumenten hinaus und verleihen ihnen den Rang eines hochaktuellen künstlerischen Werkes. Die Fotografin Heide Stolz ist eine Entdeckung.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 27. Juni, um 19 Uhr mit einem Grußwort von Oberbürgermeister Manfred Kösterke eröffnet. Sie dauert bis zum 28. Juli und ist Mittwoch bis Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Während der Oberbayerischen Kulturtage vom 13. Juli bis zum 20. Juli bietet die Städtische Galerie verlängerte Öffnungszeiten an, täglich von 10 bis 18 Uhr. Außerdem findet während dieser Woche ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Ausstellungsrundgang, Vortrag und Konzert statt.

So findet am Dienstag, 16. Juli, um 10 Uhr ein Ausstellungsrundgang mit Dr. Birgit Löffler vom Museum DASMAXIMUM und Judith Bader, der Leiterin der Städt. Galerie Traunstein, statt. Am Mittwoch, 17. Juli, um 20 Uhr spricht Selima Niggl, Kunsthistorikerin und 2010 Kuratorin der großen Uwe-Lausen-Ausstellungen in München, Frankfurt und Hamburg, über das Thema »Heide Stolz und Uwe Lausen. Ein Künstlerpaar der 60er Jahre zwischen Symbiose und Zerstörung«. Am Freitag, 19. Juli, um 20 Uhr findet im Kunstraum Klosterkirche unter dem Motto »Der Atem der Reinheit« ein Konzert für Violine, Oud und Elektronik mit Frank Stadler und Hossam Mahmoud statt. Die Ausstellung endet am Sonntag, 28. Juli um 15 Uhr mit einem Ausstellungsrundgang mit Judith Bader.

Für Schulklassen ist die Ausstellung, die Jugendliche besonders ansprechen dürfte, auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten in geführten Ausstellungsrundgängen zu besichtigen.