weather-image
12°

»Die Hände voll Baatz«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Diese Gruppe von Steinzeug-Skulpturen in Badekleidern von Pia Keul empfängt die Besucher in der Alten Wache in Traunstein.

Spaziert man in dieser Woche in die »Alte Wache« im Traunsteiner Rathaus, wird man sogleich freudig begrüßt von einer kleinen Gruppe in Badekleidern – die ansonsten aber still und in Ton gebrannt geduldig auf hohen Stelen verweilt. Diese Steinzeug-Skulpturen von Pia Keul sind Teil der Gemeinschaftsausstellung einer 2014 gegründeten Gruppe, bestehend aus 16 professionell arbeitenden Chiemgauer Keramikern.


Zehn dieser Künstler haben sich für diese Ausstellung, die bis einschließlich Sonntag in Traunstein zu sehen sind, zusammengetan und sorgen für eine ungeheuere Vielfalt an Ideen und deren Ausarbeitungen. Das macht gerade den Reiz: Jedem der Kunsthandwerker steht das gleiche Ausgangsmaterial zur Verfügung, doch die Ergebnisse der Arbeiten überraschen hier gerade auch im Vergleich der einzelnen Werke miteinander.

So beeindruckt Thomas Heimbucher aus Chieming mit seinen plastischen Figuren, die er überdimensioniert in die Länge gezogen hat, sodass sie sich in ihrer sportlichen Betätigung sozusagen eilig »verdünnisieren«. In bemerkenswerter Leichtigkeit zeigen sich die fast transparenten Schalen von Manuela Zückert, leicht farbig und hauchdünn aus Porzellan gedreht. Ebenso zart sind die pastellfarbenen, filigranen »Seifenblasen« von Magdalena Kink aus Frasdorf, die diese Wirkung mit Hilfe von, in Porzellan getauchten, Mullbinden erzeugt.

Mela Ise kanntet ihre hier dargestellten Objekte ab. Damit sind sie nicht mehr nur Vasen, sondern wirken auch wie Plastiken. Sie stellt schlichtes Steingutzeug, in hellen Farben aufeinander abgestimmt, her. Iris Stoff von der Keramikwerkstatt im Bootshaus auf der Fraueninsel wartet mit großen Vasen auf. Der besondere weiße Glanz der Glasur betont deren ausgewogene Form. Etwas ganz Besonderes aber sind ihre filigranen Zeichnungen von Frauenkörpern mit feinen Linien, die sich auf dem weißen Untergrund und der runden Form der Vasen fast plastisch hervorheben.

Keramikermeister Manfred Scholl aus Tittmoning zeigt Einzelstücke seiner Gefäßkeramik aus Feinstein-Steinzeug. Das Besondere bei ihm: Seine Glasuren stellt er selbst her, wobei er oft Rohstoffe benutzt, die er eigenhändig aufbereitet. An der Stirnseite des Ausstellungsraums haben Martin und Kathrin Ernst eine überdimensional große Schale an der Wand angebracht, die wie eine schwarze Sonne wirkt; auf dem Tisch eine gleiche Schale, diese aber in Weiß. Dazwischen stehen, eng aneinander geschmiegt, schmale Gefäße, alle unterschiedlich hoch, aber im Ganzen eine Einheit.

Die beiden Keramikerinnen Karin Rauchalles (Siegsdorf) und Dorothe Hahn (Pittenhart) stellen Gefäße für den täglichen Gebrauch oder einen besonderen Anlass her. »Aus dieser Tasse möchte ich morgens meinen Kaffee trinken, aus jener nachmittags meinen Tee, den Becher nehme ich bei guter Laune – das ist ein hervorragendes Mittel gegen die DIN-Norm«, bemerkte schmunzelnd Manfred Scholl bei seiner Vorstellung der Kunsthandwerker.

Wolfgang Irmer aus Seeon bringt schließlich den Aspekt der Baukeramik ins Bild. Er stellt ihn anhand von drei Waschbecken, die er angefertigt hat, dar. »Die Hände voll Baatz! Zwischen den Fingern den Ton. Tonschlicker an der Hose und vielleicht im Gesicht, in den Haaren. Und die Idee im Kopf. Es gibt fast nichts Schöneres für mich, als an einer großen Form zu arbeiten, zu formen, mit bloßen Händen.« So begeistert zeigt sich der Kunsthandwerker von seiner Arbeit, aber auch von den Stücken seiner Kollegen: »Wow, so unterschiedlich, so kraftvoll.«

Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag täglich von 11 bis 18 Uhr in der Alten Wache im Rathaus, Stadtplatz 39, Traunstein, zu sehen. fb