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Die Geschichte zweier Brüder

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In einer Doppelrolle ist Franz-Josef Fuchs in dem Stück »Farinelli« zu sehen. (Foto: M. Heel)

Es liegt schon einige Zeit zurück, da stieß der Traunsteiner Schauspieler, Autor und Regisseur Franz-Josef Fuchs auf die Lebensgeschichte eines Mannes, die ihn derart faszinierte, dass er daraus ein Theaterstück machte. Es handelte sich dabei um den Italiener Carlo Broschi (1705 bis 1782), genannt Farinelli, zu seiner Zeit der berühmteste Kastratensänger, der nach einer rauschenden, europaweiten Karriere über zwanzig Jahre am spanischen Königshof verbrachte.


Im Vordergrund stand für Franz-Josef Fuchs dabei aber nicht eine Art von Geschichtsunterricht, sondern die dramaturgische Aufbereitung einer fantastischen Story. Ein recht erfolgreiches Unterfangen, wie sich herausstellen sollte, verstand Fuchs es doch glänzend, dieser schillernden Figur anhand eines packenden Ein-Personen-Stücks auf die Spur zu kommen. Zu diesem Zweck schlüpfte er in die Rolle von Riccardo, Carlos älterem Bruder, der sich, geplagt von Angst, Verzweiflung und Eifersucht, in einer einsamen Nacht an Carlo erinnert. An ihre Kindheit als musikalisch begabte Söhne eines verarmten, alleinerziehenden Landadligen, während der er den Beschützer seines kleinen Bruders zu spielen hatte: »Die Brüder Broschi gibt es nicht alleine«. Oder an den Reitunfall Carlos, der dazu führte, dass sein Bruder in die Hände des skrupellosen Großgrundbesitzers Farina geriet. Ein Umstand, der letztendlich alles in die Wege leitete, Carlos brillante Karriere als Kastratensänger, aber auch seine seelische Vernichtung während einer wüsten Orgie im Hause Farina. Nach einer längeren Pause hat Franz-Josef Fuchs das Stück nun im Traunsteiner Studio 16 wieder aufgeführt, und sein Publikum damit erneut tief beeindruckt. Dicht, intensiv und mit großer physischer Präsenz ließ er Riccardos Erinnerungen und Gefühle lebendig werden, etwa in der schockierenden Szene, in der Riccardo hilflos dabei zusehen muss, wie Carlo nach seinem ersten großen Auftritt von seinem Gönner Farina vergewaltigt wird. Nur konsequent also, dass sein Riccardo wie ein Getriebener wirkte, dem die ganze Welt zum Gegenspieler wird und der vergeblich versucht, die Dämonen der Vergangenheit zu bändigen.

Weitere Vorstellungen im Traunsteiner Studio 16 sind am morgigen Samstag und an diesem Sonntag sowie am kommenden Mittwoch und Donnerstag. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Wolfgang Schweiger