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Die »Feuertaufe« auf dem Eis

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Konzentriert: Daan Rottier, der in Inzell erstmals bei einer WM als verantwortlicher Trainer aktiv war. (Foto: Hohler)

Für ihn war es eine Art »Feuertaufe« auf dem Eis: Erstmals war Daan Rottier als verantwortlicher Trainer im deutschen Eisschnelllauf bei der Einzelstrecken-WM in der Inzeller Max-Aicher-Arena dabei. Der 32-Jährige hoffte natürlich auf ein erfolgreiches Abschneiden der deutschen Athleten, auch wenn ihm bewusst war, dass derzeit die Medaillenchancen für das deutsche Team nicht allzu hoch sind.


Doch im Laufe der Saison hatten sich die deutschen Athleten gesteigert. In Inzell gab es nach dem guten Auftakt am Donnerstag noch einige weitere vordere Platzierungen – und das Pech von Patrick Beckert, der über 10 000 Meter sogar nur um die Winzigkeit von zwei Tausendstelsekunden (umgerechnet 2,7 Zentimeter) eine Medaille verpasst hatte.

Am ersten Wettkampftag hatten die deutschen Männer im Teamsprint nach einer guten Leistung ebenfalls nur knapp eine Medaille verfehlt, auch Patrick Beckert hatte als Sechster über 5000 Meter überzeugt.

Für Rottier selbst ist Inzell auch kein »Neuland«: Als Aktiver »habe ich es zwar nicht in den Weltcup geschafft, sondern 'nur' in eine Regionalauswahl. Aber dadurch war ich von 2008 bis 2010 im Privatteam von Gianni Romme auch als Sparringspartner für Anni Friesinger dabei«, erinnert er sich.

Nach seiner aktiven Zeit betreute Rottier in den Niederlanden mehrere Jahre lang A- und B-Junioren. Als ihn vor drei Jahren der damalige Bundestrainer Jan van Veen fragte, ob er die Junioren in Berlin betreuen wolle, sagte Rottier zu.

Als dann Erik Bouwman als Bundestrainer für den Perspektiv- und Nachwuchskader eingestellt worden war, fragte er Rottier, ob dieser nicht das Weltcup-Team betreuen wolle. Der 32-Jährige sagte zu. »Erik ist mein Mentor und Ansprechpartner. Wir stimmen uns immer wieder ab.«

Eine gute Abstimmung mit allen Beteiligten – Athleten, Heimtrainern etc. – ist Rottier ohnehin wichtig. So sei es das Ziel, die Trainingspläne gemeinsam mit den Aktiven zu erstellen. »Schließlich sollen die Sportler auch wissen, was sie wofür machen sollen«, betont der Trainer. »Das ist ganz wichtig, vor allem aber muss die Vorbereitung individuell zum einzelnen Sportler passen.«

Neben der athletischen Komponente setzt Rottier auch sehr stark auf die Lauftechnik. »Die Technik muss auch im Vordergrund stehen. Denn es geht darum, die Qualitäten der Sportler auch richtig aufs Eis zu bringen.«

Rottier stammt aus Oosterhout aus der Nähe von Breda. Aus der gleichen Region stammen auch Gianni Romme und Ireen Wüst. In Breda gibt es auch eine Eislaufbahn. Rottiers Vorbilder, um intensiv mit dem Eisschnelllauf zu beginnen, waren Rintje Ritsma und Falko Zandstra, später kam auch Gianni Romme hinzu.

Solche Vorbilder würde sich der 32-Jährige auch für den deutschen Eisschnelllauf wünschen, »denn leider ist der Sport hier ja nicht so populär wie in den Niederlanden.« Erfolge helfen natürlich, und die Heim-WM in Inzell könnte allein schon wegen des öffentlichen Interesses »einen Schub bringen. Das ist auf jeden Fall positiv. Die Athleten und die Trainer sind ohnehin sehr gerne da«, lobt er den WM-Ort und fügt hinzu: »Ich hätte am liebsten jedes Jahr einen Weltcup oder eine WM in Deutschland.«

Dass er sich in Inzell wohlfühlt, hat übrigens wohl auch etwas mit seiner Herkunft zu tun. Breda (und Oosterhout) gehören nämlich zur Provinz Brabant, »und man sagt, dass das das Bayern der Niederlande ist«, lacht er. Vor allem die Lebensfreude in beiden Regionen sei vergleichbar. Noch größer dürfte die Lebensfreude natürlich dank der weiteren guten Ergebnisse der deutschen Aktiven in Inzell geworden sein ... Walter Hohler