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Die Ersten werden die Letzten sein – Aktion »Night of Life« in Berchtesgaden

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Berchtesgaden: Insolvenzgefahr für Veranstaltungsbranche – Aktion »Night of Life«
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Die Veranstaltungstechniker Hans-Peter Esterle (l.) und Florian Scherer (r.) wollen im Rahmen der »Night of Life« den AlpenCongress rot beleuchten. Kongresshausleiter Josef Wenig (Mitte) unterstützt diese Aktion. (Foto: Patrick Vietze)

Berchtesgaden – Die Veranstaltungswirtschaft stehe kurz vor dem Abgrund, so Tom Koperek, Vorstand der LK-AG Essen. Deshalb initiierte er für diesen Montag von 22 bis 1 Uhr die deutschlandweite Aktion »Night of Life«. Dabei sollen Gemeinden und Städte rot leuchten, um der Öffentlichkeit die prekäre Lage zu signalisieren.


Fünf rote Licht-Monumente sollen Berchtesgaden zum Strahlen bringen. Für diese Aktion haben sich die hiesigen Veranstaltungstechniker Florian Scherer und Hans-Peter Esterle zusammengeschlossen.

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»Die Vorbereitungen laufen bei uns auf Hochtouren«, sagt Hans-Peter Esterle. Gemeinsam mit dem selbstständigen Veranstaltungstechniker Florian Scherer will er fünf Gebäude im Talkessel beleuchten. Dabei sollen das Hofbrauhaus, das Rote Kreuz, das Feuerwehrhaus, der AlpenCongress sowie das Hotel »Kempinski« in Rot glänzen. Scherer und Esterle installieren LED-Lampen vor den Einrichtungen. Die Farbe Rot hat man absichtlich gewählt, denn sie soll die Öffentlichkeit alarmieren.

»Rot dient als letzter Hilfeschrei. Wir richten einen flammenden Appell an die Politik«, so Esterle. Die Veranstaltungswirtschaft befinde sich auf der »Roten Liste« der aussterbenden Branchen. In diesem Zusammenhang geht der 37-Jährige auf das »First in – Last out«-Prinzip ein. Die Veranstaltungswirtschaft sei der erste Zweig gewesen, der von der Corona-Krise getroffen wurde.

Am 10. März verhängte die Regierung ein Veranstaltungsverbot. Binnen weniger Tage haben Veranstalter alle Aufträge verloren. Aus diesem Grund konnten sie keine Umsätze mehr generieren.

Laut Pressemitteilung der LK-AG Essen, Initiator der Aktion, gibt es mindestens die nächsten acht Monate einen Umsatzausfall von 80 bis 100 Prozent. Daraus resultiert eine akute Insolvenzgefahr für die gesamte Branche. Mit »Night of Life« will man darauf aufmerksam machen, dass die derzeitigen Hilfeleistungen durch den Staat nicht ausreichen. »Wir gerieten als Erste in die Krise und werden als Letzte diese überwinden«, fasst Esterle zusammen.

Das Veranstaltungsverbot hat den Berchtesgadener hart getroffen. Seit Mitte März sind ihm 15 Events weggefallen. Die wirtschaftlichen Einbußen machen sich für den Veranstaltungstechniker bemerkbar. Viel mehr geht es ihm aber um die Leidenschaft für seine Tätigkeit. »Mir geht eine Berufung ab«, beklagt der 37-Jährige.

Ähnlich geht es Florian Scherer. Der 20-Jährige organisiert Abiturfeste, das Rock am Rathaus sowie diverse Feiern, die nun abgesagt wurden. »Mir fehlt es, die Technik für verschiedene Veranstaltungen zu organisieren. Ohne konkrete Aufträge kann ich meiner Kreativität bei den Events keinen freien Lauf lassen«, sagt Scherer.

Derzeit muss der 20-Jährige auf geplante Ausgaben verzichten. Ohne Aufträge könne Scherer keinen Umsatz machen, den er für neue Technik benötigt. »Momentan fallen mir neue Investitionen schwer«, beklagt er.

Doch nicht nur die Techniker leiden unter der Krise, sondern auch der AlpenCongress. »Wir sind massiv von der Corona-Krise betroffen«, sagt Kongresshausleiter Josef Wenig, der dieses Projekt unterstützt. Er spricht sogar von einer Kettenreaktion. »Fallen Veranstaltungen weg, so wirkt sich dies negativ auf den Markt aus. Caterer, Zulieferer und Dienstleister jeder Art sind davon betroffen«, sagt er.

Wenig findet die Aktion »Night of Life« super, weshalb er auch gerne das Kongresshaus zur Verfügung stellt. Über die Aufgeschlossenheit freuen sich die Veranstaltungstechniker. »Ohne zu zögern, haben die Leiter der jeweiligen Einrichtungen uns unterstützt«, betont Esterle.

Die Techniker dürfen sogar einen Text über die Aktion auf die LED-Tafel vor dem AlpenCongress projizieren – natürlich in Rot. Patrick Vietze