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Die »BILD« und das Nummernschild

Berchtesgaden - In tiefer Sorge sind derzeit die Autofahrer im Berchtesgadener Land. Vor allem diejenigen, die jetzt in den Urlaub starten wollen. Grund dafür ist eine Pressemitteilung des Landratsamtes Berchtesgadener Land, das der »Berchtesgadener Anzeiger« in seiner Donnerstagsausgabe in bewusst ironisch verfremdeter Form gebracht hat. Darin ging es um Polizeibehörden bestimmter Länder, die horrende Strafen verlangen würden, wenn in deutschen Zulassungsbescheinigungen zwischen Ortskürzel (Beispiel: BGL) und Buchstabenfolge (Beispiel: AA) ein Bindestrich steht (Beispiel: BGL - AA 123). Das Landratsamt hat deshalb angeboten, die entsprechenden Dokumente für eine Gebühr von 10,20 Euro zu ändern.

Doch was als beruhigende Vorsorgemaßnahme gedacht war, sorgte bei zahlreichen »Anzeiger«-Lesern für Kopfschütteln und sogar Panik. In der Redaktion standen die Telefone nicht mehr still. Die immer wieder gestellte Frage: Warum druckt die Kfz-Zulassungsstelle Bindestriche in die Zulassungsbescheinigungen, wenn man dafür im Ausland abkassiert wird?

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Die Wahrheit ist: Es gibt keinen einzigen bekannten Fall, der belegt, dass ein Autofahrer jemals im Ausland dafür bestraft wurde, dass er einen Bindestrich in seinen Kfz-Papieren hat. Die Geschichte ist wohl eine reine Erfindung der Bildzeitung. Ein Gag, um das Sommerloch zu füllen. Weil aber viele andere, teils seriöse Medien, diese Story übernommen hatten, musste das Landratsamt reagieren.

Das weiß der Sprecher des Landratsamtes, Stefan Neiber, der die »Anzeiger«-Leser beruhigen möchte. »Die deutschen Behörden wissen trotz intensiver Recherche von keinem einzigen Fall.« Inzwischen hätten auch die italienischen und österreichischen Behörden, denen die Bildzeitung die fragwürdige Vorgehensweise vorgeworfen hatte, eine solche »Abzocke« dementiert. Was verständlich ist. Denn der Bindestrich ist gesetzlich neben der Variante ohne Bindestrich erlaubt. cfs