weather-image

Die Bettpfanne wollte keiner

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Frage, ob Romy Schneider einst selbst an diese Gegenstände Hand angelegt hatte, stellte sich für die Versteigerungs-Fans offensichtlich gar nicht. Der Preis ebenfalls nicht. Wenigstens manchmal. (Fotos: Meister)
Bildtext einblenden
Das zierliche Beistelltischchen, möglicherweise von Romy Schneider benutzt, kaufte letztlich eine junge Dame, die trotz des Preises zufrieden und glücklich schien.

Landshut/Schönau a.K. – Es war ein ganz besonderer Tag für Romy Schneider Fans – und auch für das alteingesessene Landshuter Kunst & Auktionshaus Ruef. Am Samstag zwischen 10 und 18 Uhr wurden wie schon viele Male zuvor besondere Stücke versteigert und an Frau und Mann gebracht. Das wäre normalerweise keine Nachricht wert. Aber diesmal wurden Teile aus dem Nachlass der Schauspielerin Romy Schneider angeboten, Stücke, die im Haus Mariengrund in Schönau am Königssee Kindheit und Jugend der als »Sissy« wohl den meisten bekannt gewordenen und in Erinnerung gebliebenen Film-Darstellerin begleitet haben sollen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« war bei der Versteigerung dabei.


Das Auktionshaus Ruef, das auch in der Vergangenheit immer wieder einmal Erinnerungsstücke berühmter Menschen, wie beispielsweise Hans Albers oder Walter Sedlmayr, unter den Hammer brachte, erlebte wieder einmal ungewöhnlichen Zuspruch. Feilgeboten wurden die Gegenstände aus dem Haus Mariengrund, in dem Romy Schneider »unzählige Jahre ihres Lebens« verbrachte, wie der Katalog etwas übertreibend behauptete. Wohl auch, weil im Vorfeld von eigentlich vergessenen Personen im Leben der Schauspielerin Zweifel angemeldet worden waren an der Echtheit der Stücke. Die Erben aber hatten die Echtheit per eidesstattlicher Erklärung bekräftigt.

Romys Ex-Gatte erhebt Einspruch

Mit einem »Wahnsinnszuspruch« rechne er, wurde Auktionator Andreas Ruef in der Samstagsausgabe der »Landshuter Zeitung« zitiert. Die geplante Auktion, die im begleitenden Katalog als Nummer 557 genannt wurde, wäre vermutlich in aller Stille abgelaufen, hätte es sich nicht um Dinge gehandelt, die das Leben der »Jahrhundertschauspielerin« Romy Schneider ein Stück begleitet hatten. Und weiter im Konjunktiv: hätte nicht Romys Ex-Gatte Daniel Biasini bereitwillig durch »Bild« verkünden lassen, dass es sich bei den Schneider-Stücken keineswegs um Dinge handele, die im Leben des Stars eine Rolle gespielt hätten. Woher der von 1975 bis 1981 mit der Schauspielerin Verehelichte seine intimen Kenntnisse hatte, stand im besagten Artikel leider nicht. Aber nun hat er wieder einmal die Öffentlichkeit gehabt, hat seine ebenfalls empörte Tochter Sarah mit ins Spiel gebracht, die wie er die Aktion und die Auktion im Vorfeld schon als »unanständig« klassifiziert hatte.

Auktionator Ruef hat dies ohnehin im Interview ad absurdum gestellt und auf eidesstattliche Erklärungen der Erben verwiesen, die sich wohl gefreut haben über den regen Zulauf des biete-willigen Publikums. Der Veranstaltungsort jedenfalls reichte nicht aus, um allen einen Platz im ersten Stock anbieten zu können, deshalb konnten Spätkommende das Treiben auf großen Bildschirmen im Foyer live verfolgen. Die Auktion selbst, die von vielen Pressevertretern begleitet wurde, verlief indes unspektakulär. Drei Damen waren behilflich, die einzelnen Stücke, die per Bildschirm angezeigt wurden, auch im Original vorzustellen. Manches wurde anschließend auch wieder in den Fundus zurückgetragen, weil es momentan kein Kaufinteresse gab.

Die »Madonna mit Jesuskind« aus Lindenholz, die im Schönauer Haus Mariengrund das Wohnzimmer geziert hatte, wie Fotos belegen, stand am Anfang der Auktion. Aber niemand war bereit, das Anfangsgebot von 6 500 Euro zu zahlen, also zurück. Der Kommode aus Nussbaum erging es besser: Aus den angesetzten 2 800 Euro wurden in schnellen Stufen 4 000 und der neue Besitzer reicher, zumindest von der ideellen Seite betrachtet. Für die Poudreuse, ein Schminktischchen, waren mindestens eineinhalb tausend Euro gefordert, am Ende ging es für knapp den doppelten Preis weg.

Romys Halstüchlein

Ein Höhepunkt war gegen Ende der Run um ein baumwollenes Halstüchlein von 62 mal 65 Zentimetern Größe. Das soll nicht nur, wie der neue Eigner oder die neue Eignerin glauben will, den schönen Romy-Hals geziert und ein wenig warm gehalten haben, sondern auch noch vom berühmten Modegiganten Yves Saint Laurent stammen. Das Tuch erzielte, ausgehend vom Mindestgebot, letztlich weit mehr als das Dreifache der ohnehin schon kühnen Forderung. Ein Stück Stoff für mehr als 2 000 Euro, da muss man schon ein großer Fan sein und das nötige Kleingeld übrig haben.

Andere Tücher, auch wenn sie dem Hals der schönen Romy genauso nah gewesen sein könnten, gab es billiger, mussten jedoch teilweise zurück ins Magazin. Und nicht alle Handtaschen der einstigen Diva fanden neue Trägerinnen. Wer weiß denn auch, dass ein fast rustikales Täschchen eine so ruhmreiche Vergangenheit hat und einst von der großen Romy Schneider durch Paris getragen worden war? Also, zurück.

So mancher Ladenhüter

Das Beistelltischchen fand eine neue Besitzerin zu einem Preis, der dem IKEA-Kunden Schwindel bereitet hätte. Gläser und Römer, wie sie wohl fast in jedem von älteren Menschen bestrittenen Haushalt zu finden sind, fanden neue Nutzer oder wurden zurückgetragen. Silberkännchen und Kerzenleuchtern erging es ähnlich. Auch die »antike« Bettpfanne vom Mariengrund, die möglicherweise Romys Bettchen vor dem Schlafengehen vorwärmte, blieb bei Ruef. Und die Silberlöffel wurden zwar nicht gestohlen, wie es manchmal so schön heißt, wurden aber wie auch das fünfteilige Obstbesteck zu Ladenhütern.

Bücher, die Romy Schneider irgendwann mit Widmung vermacht worden waren, Fotoalben, und ganz am Ende ein unscheinbares Abendtäschchen mit Perlstickarbeit und Golddraht, für das ein halber Tausender gefordert wurde, bildeten den Schluss einer gut 70 Nummern umfassenden Angebotsliste. Alle drängten nach draußen, die neuen Besitzer einer besonderen Erinnerung langsamer, mit manchmal zufriedenem Gesicht. Im Foyer warteten sie auf das weitere Prozedere, gemeinsam mit den Bieternummern-Bewerbern für die anschließende Auktion, bei der es Uhren, Bücher, Skulpturen und vieles mehr zu erwerben galt. Übrigens eine wesentlich kleinere Interessentengruppe, als bei der Aktion zuvor. Normal eben. Dieter Meister