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Die besten Popsongs aller Zeiten

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Martin Schmid und Stefan Leonhardsberger brillierten in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Heel)

Der erste Mensch im Weltall war ein Austronaut! Ja, Sie haben richtig gelesen: ein Österreicher. So wie der aus dem Mühlviertel stammende Musiker und Schauspieler Stefan Leonhardsberger, der dieses Geheimnis bei seinem Auftritt in der fast ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS enthüllte, frei nach David Bowies »Space Oddity«.


Womit auch schon das Rezept (und der Erfolg) des Bühnenduos Stefan Leonhardsberger & Martin Schmid erklärt ist: Gemeinsam mit ihrem Co-Autor Paul Klambauer verwandeln sie »die besten Popsongs aller Zeiten« in perfekt inszenierte komödiantische Einakter mit Austria-Slang. Als dramaturgischer Rahmen dient ihnen dabei das Rätsel um die Vaterschaft des Michael Jackson entlehnten Billie Jean, denn der »is ned mei Bua«, wie Stefan Leonhardsberger überzeugend beteuert.

Aber wer dann? Sein Freund Tonic etwa, »der Player und Schwarm aller Frauen«? Die Geschichte endet emotional tragisch: Billie Jean verliebt sich in seine Lehrerin, und findet sie am Frühstückstisch seines Vaters Tonic wieder. Da zieht er aus und verschwindet in der großen, weiten Welt. Dazwischen mutiert der »Candy Shop« des amerikanischen Rappers 50 Cent zum »Würstlstand«, verkehren sie das STS-Lied »Und irgendwann bleib i dann dort« ins krasse Gegenteil, und gerät Sinéad O’Connors »Nothing Compares To You« zu »Nia wos so schee, seitst auf mi gschissn host.«

Von Martin Schmid (aus Augsburg) kongenial an der Gitarre begleitet, brilliert Stefan Leonhardsberger dabei nicht nur als ungemein vielseitiger Sänger und Erzähler, sondern auch als begnadeter Schauspieler und Tänzer, der ebenso aufgedreht und zappelig über die Bühne wirbelt wie einst Michael Jackson oder Tina Turner. Den ruhigen Gegenpol bildet Martin Schmid, der mit gekonnter Mimik so manch verbale Spitze seines Partners abwehrt und nebenbei auch für das Merchandising zuständig ist. Da aus rechtlichen Gründen keine CD aufgenommen werden kann, präsentiert er stattdessen eine Stofftasche, die man nicht nur zum Einkaufen, sondern auch als knappe Schürze verwenden kann.

Dass bei all dem Spaß auch nachdenkliche Momente nicht fehlen, macht aus der guten Show eine großartige. So besingen sie in bester Folkrock-Manier den Oim-, also den Almsommer, frei nach Bruce Springsteens »The River«, und bringen als vorletzten Titel eine maximal berührende, dem Original(Text) absolut gerecht werdende Version von U2’s »One« auf die Bühne. Das Beste kommt jedoch zum Schluss: Da schwingt sich Stefan Leonhardsberger als »Private Dancer« zum »bsoffnen Tänzer« auf, einer umwerfenden Hymne auf all die schüchternen Männer, die sich am Rand der Tanzfläche Mut antrinken. Wolfgang Schweiger