weather-image
13°

Die Berge nützen und gleichzeitig schützen

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Gesprächspartner der Presse am Rande der Welttourismuskonferenz (v.l.): Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, UNWTO-Generalsekretär Zurab Pololikashvili, Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger, Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeswirtschaftsminister und Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, Prinz Luitpold von Bayern, Landrat Georg Grabner, Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Bundestagsabgeordneter Dr. Peter Ramsauer. (Fotos: Kastner)
Bildtext einblenden
Teilnehmer aus allen 160 UNWTO-Ländern sind bei der Tagung im Berchtesgadener Land vertreten, darunter auch Eva Stravs Podlogar (vorne/l.), Staatssekreätärin des slowenischen Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Technologie, und Maksat Damit uulu (vorne/r.), stellvertretender Minister und Direktor der Abteilung für Tourismus des Ministeriums für Kultur, Information und Tourismus Kirgisistans.

Berchtesgaden – Das Berchtesgadener Land will bei der euro-asiatischen Bergtourismus-Konferenz der Welttourismus-Organisation UNWTO einerseits als gutes Beispiel für nachhaltigen Tourismus auftreten. Andererseits wollen die heimischen Tourismusmacher auch von den Erfahrungen der Branche im europäischen und asiatischen Raum lernen. Bei der Eröffnung der Tagung mit rund 300 Touristikern und Politikern aus den 160 UNWTO-Mitgliedsländern heute im AlpenCongress unterstrichen alle Ehrengäste, unter ihnen auch Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger, die Bedeutung eines naturschonenden Tourismus.


Überschattet wurde die Tagung vom Tod des nepalesischen Tourismusminister Rabindra Adhikari. Der Politiker, der sich auch für die Tagung im Berchtesgadener Land angemeldet hatte, ist am Mittwoch zusammen mit fünf weiteren Passagieren bei einem Hubschrauberabsturz im Osten Nepals ums Leben gekommen. Ihm widmeten die Konferenzteilnehmer bei der Eröffnungszeremonie im Großen Saal eine Schweigeminute.

Anzeige

Im Großen Saal trafen sich zur Eröffnung der Konferenz viele Vertreter von europäischen und asiatischen Regierungen, von Tourismusorganisationen sowie Naturschutz- und Bergsteigerverbänden. Auch das Berchtesgadener Land selbst war mit Hotelchefs, Touristinfo-Mitarbeitern sowie Verantwortlichen von Ausflugsbetrieben gut vertreten. Sie alle hörten während der Eröffnungsansprachen, was sich UNWTO-Generalsekretär Zurab Pololikashvili, der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Bareiß aus dem Bundeswirtschaftsministerium und Landrat Georg Grabner von der Tagung erwarten. Gekommen sind auch die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Bundestagsabgeordneter Dr. Peter Ramsauer.

Von Berchtesgaden nach Berlin

»Berchtesgaden ist einer der schönsten Orte der Welt«, sagte Generalsekretär Zurab Pololikashvili. Hier könne man bestens darüber diskutieren, wie sich der Bergtourismus in nachhaltiger Weise managen lässt. Man werde über Probleme wie Klimawandel und Massentourismus reden und die UNWTO-Mitgliedsländer bei der Problemlösung unterstützen. Besonders freute sich der Generalsekretär über die Terminwahl für die Konferenz. Denn viele der Teilnehmer fahren nach Ende der Tagung am heutigen Montag gleich nach Berlin weiter, wo am Aschermittwoch der Startschuss für die Internationale Tourismusbörse (ITB) fällt.

Als Bilderbuchlandschaft, die für Bayern stehe, bezeichnete Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger das Berchtesgadener Land. Hier wisse man, wie man die Landschaft nutze, sie aber nicht gefährde. Dennoch müsse man unter der Überschrift »Nachhaltigkeit« weiterhin darüber diskutieren, wie auch in Zukunft Tourismus vertretbar und klimapolitisch korrekt sein kann. Niemals dürften die Ortsansässigen Opfer des Tourismuserfolgs werden. Aiwanger versicherte, dass auch der Freistaat Bayern den Tourismus noch stärker unterstützen werde. Immerhin stellten die jährlich knapp 100 Millionen Übernachtungen einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar. Es gehe darum, Konzepte zu entwickeln, die in Bayern den Tourismus als Einnahmequelle weiter stärken.

Umweltschutz und Barrierefreiheit

Dass der Tourismus in der Bundesrepublik Deutschland eine Bruttowertschöpfung von 105 Milliarden Euro erziele, betonte Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeswirtschaftsminister und Tourismusbeauftragter der Bundesregierung. Herausforderungen seien dabei die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Barrierefreiheit. Letztere forciere die Bundesregierung mit dem Gütesiegel »Reisen für alle«. Bareiß anerkannte, dass das Berchtesgadener Land in Punkto Umweltschutz eine Vorreiterrolle einnehme. Es verfüge seit über 100 Jahren über eine Bahnlinie und über Elektroboote auf dem Königssee, über die höchste Bushaltestelle Deutschlands auf dem Roßfeld und über einen Nationalpark.

»Wir setzen auf Klasse statt auf Masse«, beschrieb die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zunächst die bayerische Strategie in Sachen Landwirtschaft. »Das wollen wir künftig aber auch im Tourismus noch stärker forcieren«, so die Ministerin. Ohnehin hätten die Leute Sehnsucht nach Ruhe, die sie im Wald und auf dem Berg am ehesten finden würden. Und für die Einheimischen gebe es viele Möglichkeiten, eine gute Wertschöpfung zu erzielen. So sah es auch Prinz Luitpold von Bayern. Der betonte, dass die kleinen Landwirte in den letzten Jahrzehnten die Landschaft so bewahrt hätten wie sie ist. Es sei nun die Aufgabe aller, das Land trotz aller Wertschöpfung nicht zu zerstören.

Ein Lob richtete Landrat Georg Grabner an die BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel und Dr. Brigitte Schlögl, deren Engagement es maßgeblich zu verdanken war, dass die Tagung schließlich ins Berchtesgadener Land vergeben wurde. »Wir sind ein idealer Ort, um über nachhaltige Tourismus-Strategien zu diskutieren«, sagte Graber. Hier sei man bereits auf einem guten Weg, erwarte sich aber von der Tagung gleichzeitig neue Impulse.

Begrüßungsabend des Bürgermeisters

Bereits am Samstagabend hatte Marktbürgermeister Franz Rasp zu einem Begrüßungsabend mit Musik in den Gasthof »Neuhaus« eingeladen. Besonders gut gefallen haben soll es auch dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der den Abend lange genoss und auch das Tanzbein schwang. Und die Schäffler begeisterten im Kurgarten mit einem engagierten Auftritt, den TSV-Vorsitzender Werner Böhnlein sogar in englischer Sprache begleitete.

Die Konferenz geht am heutigen Montag mit weiteren Expertenvorträgen und umfangreichem Rahmenprogramm zuende. Ulli Kastner