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»Dialekt g'hört pflegt und g'redt«

»Kulturelle Zusammenarbeit gehört zu den wichtigen Themen der EuRegio Salzburg und Berchtesgadener Land-Traunstein«, sagte Präsident Dr. Emmerich Riesner auf der Veranstaltung »Bald hinum – bald herum« auf der Raffner Alm. Die Trennung von Bayern und Österreich bestehe erst seit 200 Jahren. Nach Meinung der Sprachforscher werde aber heute echtes Salzburgerisch mehr in Bayern gesprochen als im Land Salzburg selbst. Was könnte also zur Gemeinsamkeit mehr beitragen als volksmusikalisch umrahmte Mundartveranstaltungen.

Dr. Sepp Haßlberger (Horn und Posaune) und Alban Hütter (Bass) umrahmten mit der Taubensee-Tanzlmusi die Veranstaltung musikalisch. (Foto: Reichenbach)

Die Facharbeitsgruppe Kultur lädt als Initiator seit 1999 zum 13. Mal jeweils abwechselnd auf österreichischer und bayerischer Seite zu musikalisch begleiteten Lesungen baierisch-österreichischer Mundart ein. »Viele Facetten der Mundart sollen zum Tragen kommen,« betonte Siegi Götze, für die Organisation und Moderation seit Beginn der Veranstaltungsreihe verantwortlich.

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»Dialekt g’hört pflegt und g’redt,« ergänzte Schirmherr Bürgermeister Claus Pichler, Ruhpolding, den die Veranstaltung 2012 im Kalchofengut (Unken) zu der Einladung zur Raffner Alm angeregt hatte. Die bairische Sprache soll der beliebteste Dialekt Deutschlands sein, die Initiative der EuRegio halte sie aufrecht, meinte der Stellvertretende Landrat Josef Konhäuser. Seit Beginn ist Gabriele Pursch aus der EuRegio-Geschäftsstelle auf allen Veranstaltungen »Bald hinum - bald herum« vertreten und wichtige Unterstützerin, so Götze. Aus dem Berchtesgadener Land war der Stellvertretende Landrat Lutz Feiler sowie der Bürgermeister aus Unken, Huber Lohfeyer, neben weiteren Bürgermeistern unter den Gästen.

Über ein volles Haus mit Mundart- und Musikfreunden freute sich Siegi Götze, der zunächst die beiden Pinzgauer Mundartdichter Max Faistauer aus St. Martin bei Lofer und Gerlinde Allmayer aus Niedernsill vorstellte. Max Faistauer, »Tobi Reiser«-Preisträger im Jahr 2000 und langjähriger Organisator der »Loferer Passion« von Cesar Bresgen in der Wallfahrtskirche Maria Kirchenthal, war bis vor drei Jahren Salzburger Vertreter in der EuRegio - Facharbeitsgruppe Kultur. Diese Aufgabe übernahm inzwischen Gerlinde Allmayer.

Von bayerischer Seite lasen Gustl Lex aus Grabenstätt, unter anderem Leiter der »Boarischen Schreibstubn«, Konrad Mayer aus Siegsdorf, besser bekannt als »Bichia Kone«, Anni Utz aus Piding, die schon viele Mundartabende daheim veranstaltete, und Robert Xaver Gapp, pensionierter Lehrer aus Bergen und »jüngster« Mundart-Schreiberling«, wie er selbst meinte. Für die feinen musikalischen Zwischenstücke sorgte die »Taubensee Tanzlmusi« aus Ruhpolding.

Gerlinde Allmayer schrieb 1997 ihre erste Mundartgeschichte. Mit der Aufmunterung bei kleineren Unglücken der Jugend »bis zum Heiraten wird alles wieder gut« und der Vermutung, danach wird’s anscheinend wieder schlechter, hatte sie gleich die Lacher auf ihrer Seite. »Der Dialekt ist fähig, etwas anderes zu absorbieren,« meinte sie am Beispiel »Geh’ma Mountain biken oder Para gliden«. Später gab sie zum Thema »A Mensch ist austauschbar«, die logische Antwort »deshalb sind so viele Menschen auf der Welt, zum Austauschen!«.

Faistauer gab mit dem »Kehlkopfkratzen« einen wunderbaren Eindruck von den Rachenlauten des Pinzgauer Dialektes. Dass die Weltnachrichten bei den Unwägbarkeiten beim »Grabengraben« mit der Schaufel »wurscht« sind, leuchtete jedem ein. Er zeigte außerdem, wie präzise der Dialekt und wie schlampig oft die Schriftsprache ist.

Anni Utz startete mit »Dahoam« und Chorbetrachtungen. »Hast heut scho g’lacht? Glei geht’s dir besser«, empfahl sie. »Wia kimm i hoam« – etwas Wichtiges aus dem Wirtshausleben – und »Oaner redt boarisch« vom Boarischen Türk in der Münchner Trambahn trug Robert Gapp vor. Gustl Lex stellte seinen »Cheamsee« vor und las die tröstliche Geschichte vom »Alten Schürzl« seiner Mutter.

Der »Bichia Kone« berichtete von seinen Erfahrungen mit Hobbys und beim Einkauf eines Jogginganzugs als Sonderangebot im Großmarkt. Viele weitere heitere und besinnliche Runden der Mundartdichter mit Zwischenmusik folgten. Die Raffner Alm habe schon viele denkwürdige Ereignisse erlebt, meinte Bürgermeister Pichler und forderte als Zugabe vom Kone die glaubhafte Geschichte vom Altersruhestand für den »Unruheständler« Siegi Götze.

»Die Wichtigkeit von Dialekt steht schon der Bibel,« sagte Götze bei seinem »Vergelt’s Gott« an die Mundartautoren, Musikanten und Gäste, die viel Applaus spendeten und bis zum Schluss nicht müde des Zuhörens wurden. »Mundart ist der einzige Ausweis der keine Beglaubigung braucht,« ließ Götze den Abend ausklingen und zitierte aus der Chronik des Gauverbandes I den Satz: »Ein Volk, das seine eigene Sprach verlernt, gibt sein Stimmrecht in der Menschheit auf und ist zur stummen Rolle auf der Völkerbühne verwiesen.« bre