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DFB findet Chef-Kandidaten: Mit Keller aus der Krise

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Fritz Keller
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Soll neuer DFB-Präsident werden: Fritz Keller. Foto: Henning Kaiser Foto: dpa

Wein & Fußball! Diese Leidenschaften erbte Fritz Keller von seinem Vater. Der preisgekrönte Gastronom soll nun die badische Provinz verlassen und den von einer Krise in die nächste stolpernden DFB anführen. Der Bogen spannt sich damit zurück bis zum Wunder von Bern.


Frankfurt/Main (dpa) - Ein Patenkind von 54er-Legende Fritz Walter und preisgekrönter Winzer soll den Deutschen Fußball-Bund aus der großen Krise führen.

Fritz Keller, Chef des Bundesligisten SC Freiburg, ist von der sechsköpfigen Findungskommission zum Kandidaten für den seit über vier Monaten vakanten DFB-Präsidentschaftsposten auserkoren worden. Am Donnerstag machte der DFB die mit Spannung erwartete Personalie publik, noch bevor sich Keller wie geplant am kommenden Mittwoch den Delegierten der Amateurverbände und den Vertretern der Profi-Vereine bei der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Berlin vorstellen wird.

Am 27. September werden diese Funktionäre als Wahlmänner den 62-Jährigen zum 13. DFB-Präsidenten und Nachfolger des über seine diversen Führungsfehler gestürzten Reinhard Grindel wählen - daran besteht kein Zweifel. »Es hat in den vergangenen Wochen sehr gute Gespräche mit der Findungskommission gegeben«, zitierte der SC Freiburg Keller in einer Mitteilung. Erst nach der Vorstellung bei den DFB-Delegierten wolle er ausführlicher zu seiner neuen Aufgabe öffentlich Stellung nehmen.

Im Fußball spielte Keller bislang hauptsächlich im Freiburger Umfeld eine bedeutende Rolle. Zudem gehört er dem DFL-Aufsichtsrat und dem DFB-Vorstand an. Weit über Baden hinaus bekannt ist er als Gastronom. Der Gault&Millau Weinguide zeichnete ihn zusammen mit seinem Sohn Friedrich als »Winzer des Jahres« aus. Das von ihm betriebene Restaurant »Schwarzer Adler in Vogtsburg-Obergergen am Kaiserstuhl hat seit 50 Jahren einen Michelin-Stern.

»Wir sind davon überzeugt, dass Fritz Keller der richtige Mann für die Zukunft des Deutschen Fußball-Bundes ist: Er kann Menschen zusammenbringen, das gesamte Spektrum des deutschen Fußballs repräsentieren und insbesondere gleichermaßen für die Interessen des Profi- und des Amateurfußballs eintreten«, sagte DFB-Interimschef Rainer Koch.

Auch Reinhard Rauball, der gemeinsam mit Koch den Verband seit dem Grindel-Aus leitet, sieht den mehrfach prämierten Gastronomen als perfekten Kandidaten. »Ausgestattet mit einem klaren Wertekanon und großer Bodenständigkeit, hat er sich sowohl in seinem Club als auch beispielsweise im Rahmen der DFL Stiftung immer zur gesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs bekannt«, wurde der scheidende Ligapräsident in einer DFB-Mitteilung zitiert.

In Keller kommt künftig neben Bundestrainer Joachim Löw dann auch der Verbandschef aus Freiburg. Der designierte DFB-Boss entstammt einer Gastronomenfamilie in Baden-Württemberg. Seit fast drei Jahrzehnten führt er in dritter Generation das Weingut Franz Keller.

Der Vater des künftigen DFB-Chefs war ein Fußball-Narr - hatte, so erzählte Fritz Keller vor mehreren Jahren »fudder.de«, dem Online-Portal der »Badischen Zeitung«, enge Kontakte zu den Helden von Bern. 54-Weltmeister-Kapitän Fritz Walter wurde Patenonkel von Friedrich Walter Keller - kurz Fritz Keller.

Das eigene Talent reichte nicht zu einer prominenten aktiven Karriere auf dem Platz. Beim SC Freiburg trat Keller 2010 aber den Führungsposten als Nachfolger des jahrzehntelangen Clubchefs Achim Stocker an, der 2009 gestorben war. Unter seiner Führung wurde Christian Streich Trainer, die auf Kontinuität mit bescheidenen Mitteln ausgerichtete Club-Maxime der Breisgauer fortgesetzt.

Keller gilt als meinungsstarke Führungskraft. Für das operative Geschäft ist er beim SCF allerdings nicht mehr zuständig. Ähnlich dürfte Kellers Rolle als 13. Chef des DFB künftig eher präsidial denn operativ ausgerichtet sein. Mit einer Strukturreform und der komplett ausgelagerten GmbH will sich der kriselnde Verband neu aufstellen. Auch Grindels Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach waren wegen ihrer umstrittenen Führung oder moralischer Verfehlungen früher als geplant aus dem Amt geschieden.

»Der DFB braucht nach unruhigen Zeiten vor allem Kontinuität und Stabilität an der Spitze. Fritz Keller ist ohne jede Frage eine hoch integre Persönlichkeit, die Glaubwürdigkeit und Identifikation vermittelt. Er kann mit seiner großen Leidenschaft für den Fußball, seiner bemerkenswerten Vita als Unternehmer und seiner ausgleichenden persönlichen Art nicht nur die Kolleginnen und Kollegen im Haus, sondern auch die vielen für den Fußball engagierten Menschen in den Vereinen zusammenbringen«, sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius.

Die Suche nach einem Führungskandidaten, für die auch die Beratungsagentur Egon Zehnder eingeschaltet worden war, hatte sich länger hingezogen als ursprünglich geplant. Absagen bekam der DFB dem Vernehmen nach unter anderem vom ehemaligen Adidas-Chef und möglichem Hoeneß-Nachfolger beim FC Bayern, Herbert Hainer. Auch der ehemalige Aufsichtsratschef der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, soll abgewunken haben. Für Müller hätte zudem die Altersgrenze von 70 Jahren wieder abgeschafft werden müssen.

In der ersten Aufregung nach dem Grindel-Rücktritt waren vor allem ehemalige Fußballspieler als Kandidaten gehandelt worden, darunter Christoph Metzelder, Philipp Lahm, Rudi Völler oder Matthias Sammer. Der DFB richtete allerdings schnell sein Augenmerk auf einen älteren Kandidaten mit ausreichend Expertise in der Wirtschaftswelt.

Offen ist noch, ob Keller auch Kandidat für die Posten im UEFA-Exekutivkomitee und im FIFA-Council werden soll, die im kommenden Jahr von den internationalen Verbänden nach dem Grindel-Rücktritt neu besetzt werden. Zuletzt hieß es vom DFB, dass man einer Ämterteilung erwäge, damit sich der DFB-Chef ganz auf seine nationalen Aufgaben konzentrieren könne.

Pressemitteilung des DFB

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