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»Der Verdi Sepp war scho a Hund«

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Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg (v. l.) lasen die »Opern auf Bayrisch« auf überaus amüsante Art und Weise. (Foto: mix)

Wer sagt eigentlich, dass eine Oper stundenlang dauern, tragischen Inhalt haben und von schwerer Musik geprägt sein muss? Es geht auch anders: Bei »Opern auf Bayrisch« standen im Traunreuter k1 an einem einzigen Abend gleich vier Opern auf dem Programm, die alle kurz und prägnant waren, abwechslungsreich und witzig, und gleichzeitig in herrlichem bayerischen Dialekt vorgetragen wurden. Die Schauspieler Conny Glogger, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg wurden dabei musikalisch unterstützt von Dirigent Rolf Wilhelm mit seinem Ensemble und dem Schlagwerker Werner Hofmeister, der mit seinen außergewöhnlichen »Instrumenten« einen besonderen Akzent setzte.


Drei Opern standen also auf dem Programm, als Zugabe war sogar noch eine vierte drin. Der Inhalt jeder Oper kurz und prägnant ohne viel überflüssiges Drumherum. Los ging es mit »Aida oder das Liebesdrama am Nil«. Darin wurde eindringlich das Schicksal der jungen Aida erzählt, die sich in den Feldherrn verliebte, der ihren Vater gefangen nahm. So tragisch das Ganze klingt und so dramatisch es auch endet, der Vortrag der Oper auf Bayrisch bescherte den Zuhörern allergrößten Spaß, und sie teilten vielleicht Gerd Anthoffs Meinung: »Der Verdi Sepp war scho a Hund«.

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Als zweites standen »Die Meistersinger von Miesbach« auf dem Programm und anschließend »Der Lohengrin von Wolfratshausen«. Paul Schallweg, der Autor der Opern auf Bayrisch, hat die Geschehnisse kurzerhand in bayerische Gemeinden verlagert und erzählt sie mit viel Charme, Humor und Gespür für das bayerische Lokalkolorit. Da ging es ums Fensterln, ums Busseln und die üblichen Ränkespiele im Dorf. Als Zugabe kam am Ende noch »Madam Butterflei – oder wia a herzloser Ami a liabs kloans Japaner-Madl sitzen hat lassen«, eine besonders knapp erzählte Version der Geschichte, die aber im Grunde alle wichtigen Informationen enthielt.

Die teils deftigen bayerischen Ausdrücke und vor allem die Art des Vorlesens und der Akzentuierung durch die hervorragenden Schauspieler brachten den Zuhörern großen Spaß. Dazu passte auch das außergewöhnliche musikalische Arrangement von Friedrich Meyer. Keine ewig langen Arien, sondern kurze Musikeinlagen, in denen mehrere Musikstile und bekannte Melodien einfach vermischt wurden, waren prägend für den Abend. Der aufmerksame Zuhörer konnte aus der Vielzahl der eingebauten Stücke zwar sehr wohl den Triumphmarsch aus »Aida« heraushören. Daneben waren aber auch der Hochzeitsmarsch, die Bayernhymne, »Fein sein beinander bleiben« und sogar »Ja mir san mitm Radl da« zu hören. Eine überaus bunte Mischung! Neben den Musikern hatte der Schlagwerker Werner Hofmeister eine tragende Rolle, der den unterschiedlichsten Gegenständen die tollsten Töne entlockte und damit die Musik bereicherte. Sein »Schlagwerk« bestand aus leeren Flaschen, Blecheimer, Fahrradklingel, Trillerpfeife, Kuhglocke, Nachttopf und anderen Kuriositäten.

Das Ensemble zusammen mit den vortragenden Schauspielern zeigte an diesem Abend, dass man mit Opern einen sehr vergnüglichen, amüsanten, abwechslungsreichen Abend verbringen kann.

Der Autor der »Opern auf Bayrisch«, Paul Schallweg (1914-1998), schrieb in erster Linie Werke in bayerischer Mundart. Den größten Erfolg erzielte er mit seinen insgesamt 25 »Opern auf Bayrisch«, die fester Bestandteil des Spielplanes am Münchner Gärtnerplatztheater sind. Wer die Aufführung im Traunreuter k1 verpasst hat, kann sich auf nächsten Herbst freuen. Dann kommen die »Opern auf Bayrisch« wieder und dann steht laut Ansage der gesamte »Ring der Nibelungen« von Richard Wagner auf dem Programm. Paul Schallweg hat sicher auch aus diesem Monumentalwerk seine eigene hörenswerte Version verfasst. mix

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