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Der Täter lässt bitten

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Inspektor Craddock befragt Philippa, während sich Miss Marple eifrig Notizen macht. Unser Bild zeigt (von links) Miss Marple (Elisabeth Rass), Letty (Constanze Baruschke-Herwegh), Philippa (Karin Seebauer), Patrick (Matthias Guggenberger) und Inspektor Craddock (Erol Sander). (Foto: Heel)

Ob es der Popularität von Agatha Christie geschuldet war, oder der Popularität des Schauspielers Erol Sander, dass die Aufführung des Theaterstücks »Ein Fall für Miss Marple: Ein Mord wird angekündigt« auf Schloss Triebenbach vor vollem »Haus« stattfand, sei mal dahingestellt. Tatsache ist, dass der überwiegende Teil des Publikums weiblich war, und Erol Sander auch auf der Bühne eine gute Figur machte. Nur das Stück bzw. die Inszenierung von Jörg Herwegh, die zeigte bisweilen leichte Schwächen.


Das Stück beginnt damit, dass Letty (Constanze Baruschke-Herwegh) und Dora (Kirsten Lossin), zwei ältere Damen, die eine eher resolut, die andere leicht trottelig, durch eine Zeitungsanzeige erfahren, dass in ihrem Haus ein Mord stattfinden soll. Am Freitag, den 13. Oktober, um 18.30 Uhr, so steht es im »Kurier«. »Freunde und Bekannte sind herzlichst eingeladen, daran teilzunehmen.« Natürlich wollen weder die beiden Damen noch Lettys Nichte Julia (Sarella Vargas) und Neffe Patrick (Matthias Guggenberger), die gerade zu Besuch weilen, daran glauben und halten das Ganze für einen schlechten Scherz. Trotzdem werden alle Beteiligten immer nervöser, je näher der Zeitpunkt rückt. Zu besagter Stunde befinden sich jedoch alle im Salon, darunter auch Lettys Untermieterin Philippa (Karin Seebauer) und deren schleimiger Verehrer Edmund (Peter Fritsch). Nur Köchin Mitzi (Kathrin Gerlsbeck) ist in der Küche.

Die Uhr schlägt, und alle halten erwartungsvoll inne. Dann geht plötzlich das Licht aus, Schüsse fallen, Geschrei und Gepolter. Als das Licht wieder angeht, liegt ein fremder Mann am Boden. Augenscheinlich ein Einbrecher und … erschossen. Doch wer ist der Täter? Das ist nun die Frage, die Inspektor Craddock (Erol Sander) und sein Assistent, Constable Berkley (Steps Lossin) klären müssen. Wobei sie rasch herausfinden, dass alle Zeugen der Tat recht undurchsichtige Gestalten sind, die so manches zu verbergen haben. Unterstützung erhalten sie dabei von Miss Marple (Elisabeth Rass), die jedoch, obwohl sie die eigentliche Hauptfigur des Stückes ist, öfter mal dem Inspektor den Vortritt lassen muss.

»Ein Mord wird angekündigt« erschien 1950 als Agatha Christies 40. Kriminalroman und als vierter von insgesamt zwölf Fällen ihrer scharfsinnigen Amateurdetektivin Miss Marple. Nach Christies Tod wurde der Stoff für die Bühne adaptiert und feierte 1977 am Londoner Vaudeville Theatre Premiere. Auch für das Fernsehen wurde das Buch insgesamt dreimal adaptiert, 1956 mit dem jungen Roger Moore in einer Nebenrolle sowie 1985 und 2005 im Zuge zweier »Miss Marple«-Serien.

Doch so überzeugend auch die Leistungen der Schauspieler waren, allen voran Erol Sander als smarter Ermittler (und Frauenheld) und Elisabeth Rass als leicht skurrile, aber messerscharf kombinierende Amateurdetektivin, so war nicht zu übersehen, dass Regisseur Jörg Herwegh manchmal etwas unentschieden zwischen Krimi und Lustspiel, zwischen »Rate mal, wer der Mörder ist« und Klamauk pendelte. So geriet der Fall, ein kompliziertes Erbschaftskomplott, mitunter in den Hintergrund, brachten stattdessen Slapstick-Einlagen oder die Tiraden der ungarisch-stämmigen Köchin Mitzi das Publikum zum Lachen. Der Spannung tat dies dennoch keinen Abbruch, entsprechend verdient war der kräftige Applaus für das zehnköpfige Ensemble. Wolfgang Schweiger