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»Der Schnee macht uns keine Angst«

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Bei Sonnenschein schaut der K-Fall gleich viel besser aus. Wie das Foto vom Gasthaus »Graflhöhe«, beweist. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Die heimischen Wirte und Hotelbetreiber starten nach dem Schneechaos wieder durch. Gerade Betriebe in hohen Lagen hatten in den vergangenen anderthalb Wochen stark zu kämpfen beziehungsweise sind noch dabei. Aber der Optimismus überwiegt. »Der Schnee macht uns keine Angst«, sagt zum Beispiel die Chefin des Gasthauses »Wachterl« an der Alpenstraße, Helga Graßl.


Über Umsatzeinbußen kann die »Wachterl«-Inhaberin nicht klagen. »Wir haben im Januar immer geschlossen«, sagt Helga Graßl. »Es wäre also eh keiner gekommen.« Denn erstens ist das Wirtshaus »Wachterl« schon seit dreißig Jahren den ganzen Januar über geschlossen. Und zweitens war die Alpenstraße sowieso für den Verkehr gesperrt. Trotzdem wurde die Bundesstraße regelmäßig geräumt, sodass Familie Graßl ihre Besorgungen erledigen konnte. »Das ist doch ein toller Service«, freut sich Graßl. Wie sie weiter erklärt, gebe es keine Schäden am Gebäude. Telefon und Strom gab es, dank Erdkabel, auch immer. Am Montag hätten sie mit externer Hilfe das Dach abgeräumt. Mitte Februar soll das Wirtshaus »Wachterl« wieder öffnen.

Mit Humor nimmt es auch Familie Hogger, die den Hotel-Gasthof »Nutzkaser« in der Ramsau betreibt. Der Betrieb liegt auf 1 100 Metern Höhe. »Wir haben jetzt drei Tage lang praktisch ununterbrochen geschaufelt«, sagt die Seniorchefin. Mit im Einsatz waren Bundespolizisten und eine hiesige Firma. Ein weiterer Betrieb hat den Schnee weggefahren. »Auf unserem Parkplatz ist jetzt ein riesiger Haufen. Aber wir haben sonst keinen Platz.« Nicht begeistert ist die Seniorchefin von der überregionalen Berichterstattung. »Die bringen tagelang die gleichen Bilder von der Buchenhöhe«, ärgert sie sich. »So ein Schmarrn.« Natürlich habe es Stornierungen gegeben. Auch in die Wirtschaft hätten sich nur sehr wenige Gäste verirrt. »Gestern haben wir immerhin zwei Latte Macchiato verkauft«, scherzt Hogger. »Das war schon eine grausige Zeit. Ich hoffe, dass es jetzt normal weitergeht.«

Auch der Wirt das Gasthauses »Graflhöhe«, Hansi Ebner, nimmt das Ganze mit Humor. In launigen »Facebook«-Videos hat er das Schneechaos dokumentiert. Seine Beiträge wurden zu Click-Hits. Besorgte Fans hätten sich sogar telefonisch oder per E-Mail nach dem Wohlergehen der Belegschaft erkundigt. Einige wollten auch spenden. »Die habe ich aber an die Feuerwehr verwiesen«, lacht Ebner. Bis gestern war die BGL 19 gesperrt, die »Graflhöhe« geschlossen. »Aber, selbst wenn wir geöffnet hätten, hätten wir uns nicht um die Gäste kümmern können,« betont Ebner. Viereinhalb Tage und 150 Personalstunden waren nötig, um die etwa 2,2 Meter hohen Schneemassen von den Gebäudedächern zu entfernen. Rund 1 500 Euro musste Ebner zusätzlich, zum Beispiel für Sprit, ausgeben. »Tja, Schnee ist teuer«, lacht der Wirt. Ebner ist davon überzeugt, dass die Gäste, von ein paar Verängstigten abgesehen, ab sofort wieder zahlreich kommen werden.

Stefan Zapletal vom Hotel »Alpenhof« in Schönau am Königssee ist sauer auf die überregionalen Medien, vor allem das Privatfernsehen. Die Berichterstattung sei maßlos übertrieben und teilweise sogar falsch gewesen. »Natürlich war die Situation über 1 000 Metern katastrophal«, stellt er klar. Doch sein »Alpenhof«, der auf rund 700 Metern liegt, war erreichbar. »Die Straßen waren frei, der Parkplatz auch«, betont der Chef. Und fügt lachend hinzu: »Wir leben noch. Uns geht es gut.« Dennoch hätte es täglich bis zu 50 Anrufe besorgter Gäste gegeben. Darunter auch viele Stornierungen. »Einige wollten die Stornogebühren nicht bezahlen. Da gab es viele böse Worte«, so Zapletal. Doch Stefan Zapletal gibt sich optimistisch, will das Gute am K-Fall sehen. »Jetzt weiß jeder in Deutschland, dass bei uns viel Schnee liegt.«

Der Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, Peter Nagel, hat sich beim gestrigen Gastgeberstammtisch in Freilassing mit heimischen Gastronomen und Hoteliers über die Auswirkungen des K-Falls unterhalten. Demnach habe es deshalb zahlreiche Stornierungen gegeben. Allerdings nicht »in bedrohlichem Umfang«. Auch Nagel kritisiert den Umgang der Medien mit dem Katastrophenfall, der in seinen Augen gerechtfertigt war. »Es wurde nicht erklärt, was der Katastrophenfall eigentlich bedeutet. Stattdessen war die Sensation wieder einmal wichtiger als die Realität.« Letztere sei nicht so dramatisch gewesen, wie berichtet. »Kein Chaos, fast alles erreichbar, viele Alternativen für Winterurlauber«, so Nagel. Christian Fischer