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Der mit der Posaune singt

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Zärtlich zieht Peter Steiner den Zug seiner Posaune mit zwei Fingern. (Foto: Janka)

Posaunen lassen nicht nur, wie bei Jerichow, Mauern in sich zusammenstürzen, Posaunen können nicht nur kirchenfeierlich tönen, Posaunen können sich auch versonnen-weich verströmen – das wissen nicht zuletzt die Jazz-Posaunisten. Was eine Posaune sonst noch alles kann, demonstrierte in der Villa Sawallisch in Grassau aufs Verblüffendste der aus Südtirol stammende junge und sehr sympathische Posaunist Peter Steiner.


Weich hüpfte die Posaune von Ton zu Ton oder kletterte gleich um drei Tonleitern nach oben in der eigenwillig-verrückten Bearbeitung des bekannten »Rondo alla Turca« aus Mozarts A-Dur-Klaviersonate durch Andrew Markel. Lyrisch sang und locker trillerte die Posaune in der »Sinfonia« von Pergolesi (1710 bis 1736), nachdenklich und melancholisch sinnierte sie in dem Tango »Oblivion« von Astor Piazolla (1921 bis 1992), den sie mit dem weichsten Basston beendete, den der Rezensent jemals von einer Posaune gehört hat. Die dreiteilige orientalisierende Suite »Arrows of Time« von Richard Peaslee (1930 bis 2016) und die Suite aus der Oper »Pique Dame« von Peter Tschaikowski (1840 bis 1893) in einem Arrangement von Christian Lindberg zeigten, wie Peter Steiner jeden Ton sorgfältig formt und abtönt, sodass jeder Ton seine individuelle Färbung hat, und zeigten auch, wie leichtgängig die Tonrepetitionen gingen.

Die todesahnende traurig-schöne Melodie aus dem Film »Der Pate« von Nino Rota (1911 bis 1979) schließlich ließ Steiners Posaune fast schluchzen vor Traurigkeit, dafür wurde es in der Zugabe, »Fly or die« von Gilles Rochas (geboren 1988), wild und fetzig: Es war alles in allem die Vorstellung eines Welt-Posaunisten mit immenser Begabung.

Das stellte auch Wolfgang Diem fest, Posaunist der Grassauer Blechbläser und Direktor der Musikschule Grassau, deren Posaunenspieler die Gäste auf dem Weg zur Villa mit Posaunenspiel begrüßt hatten. Selbst Steiners Begleiterin am Klavier, die ebenso junge und hochsympathische und flinkfingrige Constanze Hochwartner aus Wien, applaudierte ihrem Posaunen-Partner am Schluss herzlich. Rainer W. Janka