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Der Meister des Kabaretts

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Gerhard Polt sorgte für einen unvergesslichen Abend beim Burgfestival in Stein. (Foto: Rasch)

Bei seinem Auftritt mit den Well-Brüdern auf der Felsenburg im Rahmen des Steiner Burgfestivals hat Gerhard Polt das Publikum restlos mit seinen einmaligen Parodien begeistert und einmal mehr bewiesen, dass er im gesellschaftskritischen Kabarett der unangefochtene Meister ist.


Bevor der große Meister des Kabaretts seinen Zeitgenossen aufs Maul schaute, lästerten die »Well-Brüder aus'm Biermoos« über die Örtlichkeiten: Sie waren sich nicht ganz sicher, ob Traunreut zu Stein oder Stein zu Traunreut gehört. Sicher dürfte jedoch sein, dass die Umgehung von Altenmarkt noch vor dem Berliner Flughafen fertig wird. Zu Ohren gekommen ist ihnen auch, dass sich die hohe Trostberger Geistlichkeit zur Zweisamkeit entschieden hat.

Ob als Engländer, Inder, Chinese oder Italiener – der mittlerweile 77-jährige Gerhard Polt beherrscht es, innerhalb von Sekunden in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen und weiß auf den Punkt, Dialekte und Stimmen einzusetzen. Nichts wirkt aufgesetzt und der Zuschauer hängt an seinen Lippen, bevor er überhaupt loslegt. In seiner urigen Art mimt er im brachialen Bairisch den motzenden Kleinbürger oder die wispelnde Radio-Fifty-Fitfy-Moderatorin, die im Small-Talk mit dem Alkohol-Sportler im feinsten Hochdeutsch die heutzutage unverzichtbare Abkürzung »OK« in das Mikrofon haucht.

Unübertrefflich ist seine Paraderolle, in der er als indischer Dorfpfarrer die katholische Kirche kritisiert: »Ich shepard, but no sheeps. Churches empty, empty! But Biergarten is paradise.«

Die Hände in den Hosentaschen vergraben, nimmt er die »Gesinnungs-Gratler« aufs Korn, die in Antalya am Buffet herumhängen: »Es ist zum Speim!« Dann nimmt er sich seinen Nachbarn, den Herrn Ranftl vor, der mehr Würstl grillt als es die Ortssatzung erlaubt und deshalb mittels Drohne überwacht werden muss: »Die Umweltverschmutzung verdanken wir den Ranftls dieser Welt.«

Dazwischen streuen die Well-Brüder anlässlich des 125-jährigen Feuerwehrjubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Hausen die große Feuerwehrsuite von Friedhelm Bach ein.

Als Mitglied im Fischereiverband Wels führt Gerhard Polt einen Krieg gegen den Kormoran – oder meint er mit den ungebetenen Gästen auch etwa die menschlichen Neuankömmlinge? »Wir, vom Fischereiverein haben klipp und klar gesagt, wenn er bereit ist, sich auf seiner Durchreise als Single, als Einzelvogel, am 17. August an den Chiemsee zu setzen und am 18. August wieder wegzufliegen, dann sind wir bereit, ihm die Überflugrechte einzuräumen. Wenn er sich nicht an die Verträge hält, dann wird zurückgeschossen.« Darauf erklingt der Integrations-Jodler, in dem mit den Gebirgsschützen aufmarschiert wird, »wenn des mit der Krampf-Schmarrenbauer und ihren politischen Zeitgenossen ned funktioniert«.

Hart ins Gericht geht Gerhard Polt auch mit der heutigen Champagner-Gesellschaft. Die gezopften Helikopterschnecken (die Mütter) im Geländewagen feiern den Übertritt ihrer behüteten Helmkinder mit Champagner-Orgien. Neben weiteren bissigen, sarkastischen und ironischen Sketchen, stellt er sich auch die Frage nach dem tieferen Sinn der Psychologie: »Muss ich Psychologie studieren, damit ich weiß, wer a Depp is oder ned?«

Mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen bedanken sich die Besucher nach einer Zugabe für einen unvergesslichen Abend. Gabi Rasch