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Der magische Zauber getanzter Romantik

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Pas des Deux' des Prinzen mit Odette und dem Ensemble im Hintergrund. (Foto: Aumiller)

Das Märchen von der verzauberten Schwanenprinzessin, die nur durch die Liebe eines Prinzen vom Fluch des bösen Zauberers erlöst werden kann, findet im Ballett »Schwanensee« zur Musik von Peter I. Tschaikowsky seinen bekanntesten Ausdruck.


Auf seiner diesjährigen Wintertour durch zahlreiche deutsche Städte hat das Moscow State Ballet auch im Theater Bad Reichenhall Station gemacht. Hier vor Ort erstklassige russische Tanztradition erleben zu können, durfte sich kein Liebhaber klassischen Tanzes entgehen lassen. Die etwas auf Tournee- und Stadttheater-Dimension angepasste Version zeigte alle wichtigen Pas des deux‘, Solo- und Ensembleszenen in hervorragender Qualität, basierend auf der berühmten überlieferten Choreografie von Marius Petipa und Lew Iwanov.

Der Zauber dieses Ballettmärchens, das zu den beliebtesten klassischen Balletten gehört, nimmt stets aufs Neue gefangen. Besonders dann, wenn die Tänzer mit so präziser Beinarbeit, Körperdisziplin und gleichzeitig graziler Leichtfüßigkeit punkten und in glänzenden Kostümen mit glitzernden Swarovski-Steinen eine Augenweide sind. Allen voran die Primaballerina, die in der anspruchsvollen Doppelrolle Odette/Odile voller Anmut und Ausdruck hohe Tanzkunst vorführte und »auf die Spitze« trieb. In den Pas de Deux’ mit dem Prinzen entfaltete Odette hingebungsvolle Grazie und bestach als Odile mit wirbelnder Energie.

Ihre Glanznummer der berühmten Fouettés im 3. Akt wurden vom Publikum applausfreudig belohnt. Bei der rasanten Beweglichkeit war das Mitzählen unmöglich, ob es wirklich die obligaten 32 Drehungen waren. Der Prinz machte gute Figur, war hier hauptsächlich Unterstützer der Primaballerina bei den zahlreichen Hebefiguren, steigerte sich aber am Ende zum engagierten Kämpfer um Odettes Liebe. Die Liebenden fanden sich in der hier gewählten Version glücklich vereint zum Happy End. Lustig, wendig und voller Sprungkraft zeigte sich der Clown, auch der böse Zauberer wartete mit ein paar kraftvollen Sprüngen auf und verbreitete düsteren Bühnenspuk.

In ihrer Mischung aus Exaktheit in einem Guss, gepaart mit zierlicher Grazie, erfreuten die »vier kleinen Schwäne«. Das ganze junge Ensemble – die übrigen Schwäne, die Folklore, die Spanier und die prinzliche Gefolgschaft – gefiel auf fundiertem tänzerischem Niveau. Das Moscow State Ballett setzt sich zusammen aus Absolventen namhafter russischer Ballettschulen, die für die großen russischen Theater arbeiten wie etwa das Moskauer Bolschoi- oder das St. Petersburger Mariinsky-Theater.

1877 wurde »Schwanensee« in Moskau uraufgeführt, aber der nachhaltige Erfolg stellte sich erst mit der überarbeiteten Fassung 1895 ein, in der Marius Petipa und Lew Iwanov ihre berühmte Choreografie schufen. Seither gehört es zum Standard-Repertoire aller großen Ballettkompanien und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Namhafte Choreografen unserer Tage haben inzwischen auch eigene Versionen kreiert, aber in den meisten Fällen lag immer das Hauptgewicht auf der von Petipa gelegten Basis. Elisabeth Aumiller