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Der Kronprinz und der Riesenkürbis

Berchtesgaden - Der Obst- und Gartenbauverein Au feierte kürzlich sein hundertjähriges Bestehen. Die Wurzeln des Vereins für Gartenbau und Landschaftspflege Au, so der offizielle Name, reichen sogar um weitere 25 Jahre zurück. Denn bereits 1887 wurde die Obstbausektion Berchtesgaden gegründet. Die ehemaligen eigenständigen Gemeinden Maria Gern, Salzberg und Au waren damals eingeschlossen.

Eine besondere »Obsttorte« gab es zum Jubiläum des Auer Gartenbauvereins. Fotos: privat

Um Zuschüsse vom Staat zu bekommen, wurden eigene Obstbauvereine in den Gemeinden eingerichtet. Bereits im Oktober 1905 verfügten Berchtesgaden mit Maria Gern, Salzberg und Au, Ramsau, Bischofswiesen, Schönau mit Königssee, Marktschellenberg mit Landschellenberg, Ettenberg und Scheffau Obstbauvereine.

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Aus diesem Anlass wurde die erste Obstausstellung in Berchtesgaden organisiert. 50 Aussteller präsentierten 168 Produkte. Darunter waren ein Riesenkürbis mit 15 Kilogramm und mehrere Zierkürbisse. Sogar seine Königliche Hoheit Prinzregent Luitpold von Bayern machte den Obstbauern seine Aufwartung.

Bereits im Jahr 1907 wurde hinter der Auer Kirche ein mustergültiger Schulobstgarten erstellt. Ein Jahr später pflanzte man am Gut Koppenleiten auf fünf Tagwerk 500 Obstbäume. Am 8. April 1912 wurde laut Bezirksobstbauverband Berchtesgaden dem neu gegründeten Obstbauverein Au mit 25 Gründungsmitgliedern die Genehmigung erteilt. Als erster Vorstand führte der Sägewerkbesitzer Andreas Stangassinger vom Saghäusl die Geschicke des noch jungen Vereins.

Nach Stillstand während des 1. Weltkrieges war der Verein auf 35 Mitglieder angewachsen. Im Jahr 1935 übernahm Michl Pfnür die Geschicke des Vereins. Ein Obstbaum kostete in diesen Zeiten 5,60 Reichsmark. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Josef »Woferl« Koller 1957 den Verein. Doch bereits zehn Jahre später beschloss man, den Verein ruhen zu lassen, weil das Interesse immer geringer geworden war.

Erst 1984 keimte der Verein wieder auf. Sebastian Stanggassinger übernahm die Führung und führte ihn bis ins Jahr 2010, als Hubert Springl die Geschicke übernahm. Waren es im Jahr 1985 noch 30 Mitglieder, so zählt der Verein für Gartenbau und Landschaftspflege Au heute 220 Mitglieder.

Auch für Kinder werden viele Aktivitäten angeboten, die dem Nachwuchs die Nähe zur Natur lehren und sie erhalten lassen sollen. Die Kinder ziehen Tomaten, züchten Kartoffeln und pflanzen Sonnenblumen. Alles Gezogene wurde später in lustiger und spielerischer Art begutachtet und prämiert. Ameisenexkursionen gab es ebenso wie das Pflanzen von Obstbäumen für jedes Kind im Kommunionalter. Öfter wurden auch Führungen mit Erklärungen im Schulgarten durchgeführt.

In den letzten Jahren wurden in der Au 500 neue Obstbäume gepflanzt. cw