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Der Kreuzmacher von der Metzenleiten

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Wie aus dem Gesicht geschnitten: Als Kind stand Robert Krüger Modell für Heinrich Bieler.
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Kam extra zur Vernissage: Bielers Tochter Angelika Forster.
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Geschnitzte Holzkreuze waren das Markenzeichen von Heinrich. Fotos: Anzeiger/Voss

Berchtesgaden – Er war ein Original. Genial und radikal. Bei den Berchtesgadenern sehr beliebt. Jetzt zeigt das Heimatmuseum Schloss Adelsheim mit der Ausstellung »eigenwillig und vielseitig« einen Querschnitt aus dem künstlerischen Schaffen von Heinrich Bieler, die am Samstag eröffnet wurde.


Bieler war für seine religiösen Motive und besonders für seine Kreuze bekannt. Die Ausstellung war bereits für letztes Jahr anlässlich seines 20. Todestags geplant gewesen. Die Idee dafür stammt übrigens von einer Bekannten des Künstlers, Rita Heinz. Sie sagt über Heinrich Bieler: »Es ist schade, dass es solche Originale nicht mehr gibt.«.

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Zur Eröffnung kamen auch einige Familienmitglieder, wie eine seiner Töchter, Angelika Forster, und seine beiden Urenkel aus München. Aber auch viele Berchtesgadener haben ihren Heinrich Bieler nicht vergessen und kamen, um das vielseitige Werk des Künstlers zu bewundern.

Friederike Reinbold, die Leiterin des Heimatmuseums, begrüßte die Anwesenden Kunstinteressierten zunächst mit einer kleinen Rede. Sie bedankte sich bei dem Künstler Gerhard Passens, der ihr bei der Ausrichtung der Kunst Bielers geholfen hatte. Einen weiteren Dank sprach sie für die finanzielle Unterstützung des Vereins der Freunde des Heimatmuseums aus. Reinbold selbst lernte Heinrich Bieler in den 80er-Jahren bei einem gemeinsam gespielten Theaterstück kennen: »Ich kann mich noch gut an unsere flüsternd geführten Backstage-Gespräche erinnern. Manchmal hatte man das Gefühl, er war ein Besessener, besessen von einer Idee und diese in Kunst umsetzen zu wollen.«

Im Anschluss erzählte seine Tochter Angelika Forster aus dem Leben ihres Vaters. Er lebte in Berchtesgaden, im Bayerischen Wald und in Plattling in Niederbayern. Im Krieg kam Heinrich Bieler in russische Kriegsgefangenschaft. Zu seiner Persönlichkeit sagte Tochter Angelika: »Er war immer sehr religiös, naturverbunden und liebte Tiere. Er hat sich mit allen Hunden in der Umgebung angefreundet.« Er hatte auch die verschiedensten Ideen: »Im Bayerischen Wald wollte er einmal aus Harz eine Art Kaugummi machen.«

»Man sah ihn immer mit dem Radl durch den Markt fahren, er hatte seinen eigenen Kopf und setzte seinen Willen immer durch« oder »Sein Garten war eine Wildnis«. Solche Sätze gab es am Samstag bei den heimischen Museumsbesuchern immer wieder zu hören. Sie hatten ihn nicht vergessen, den Bildhauer und Kreuzmacher Bieler von der Metzenleiten. War er auch ein eigensinniger und vielleicht unordentlicher Mensch, so lag und liegt er doch den Einheimischen am Herzen. Am Samstag gab es auch eine Art Familienzusammenkunft. Es erschienen Neffen und Nichten Bielers, Urenkel und Cousinen zweiten Grades im Heimatmuseum, die sich teilweise noch nie gesehen hatten.

Eine besondere Begegnung machte der Rentner Robert Krüger im Ausstellungsraum. Einer der aus Ton gefertigten Köpfe zeigt ihn: »Das bin ich mit sieben oder acht Jahren. Da hat er meinen Kopf aus Ton gemacht.« Neben Bildnissen aus Ton war Heinrich Bieler vor allem für besondere Kreuze und Marienfiguren aus einem einzigen Stück Holz bekannt. Er wollte nichts »anstückeln«, so nahm er dafür schön geformte Astgabeln. Etwas, was die meisten Kunstinteressierten noch nicht wussten: Er hat auch gemalt. Landschaftsansichten, seine eigene Mutter und auch ein Selbstporträt sind im Heimatmuseum ausgestellt.

Die Ausstellung »Heinrich Bieler - eigensinnig und vielseitig« ist noch bis Sonntag, 16. Juni, im Heimatmuseum zu sehen. Annabelle Voss

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