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Der Kampf der Wayuu für einen Schulbus

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Blockade auf der Straße
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Diese Straße in Kolumbien haben die Wayuu blockiert. Foto: Georg Ismar/dpa Foto: dpa

An der Karibik-Küste Kolumbiens leben die Ureinwohner der Wayuu. Sie kämpfen dafür, dass ihre Kinder nicht jeden Tag viele Kilometer zu Fuß zur Schule gehen müssen. Und greifen zu ungewöhnlichen Mitteln.


Es ist heiß, über 35 Grad. Kein Schatten. Es gibt nur eine Straße zur nächsten Stadt. Plötzlich ein langer Stau, über zehn Busse, Lastwagen, Autos. Weiter vorne ist die Straße mit Baumstämmen blockiert. Eltern sitzen dort mit ihren Kindern. «Wir blockieren die Straße seit sechs Uhr», sagt Estefania.

Sie ist 14 Jahre alt und gehört zum Stamm der Wayuu. Das ist ein Volk von Ureinwohnern, die sich hier vor Jahrhunderten angesiedelt haben. Sie leben an der Karibik-Küste in Kolumbien in kleinen Hütten. Das Land Kolumbien liegt in Südamerika. Viele Wayuu leben auch auf der anderen Seite der Grenze in dem Nachbarland Venezuela.

Sie fühlen sich oft von den Politikern schlecht behandelt. Daher haben sie nun die Straße lahmgelegt. Nur ein Leichenwagen darf durchfahren. Ganz kurz werden die Baumstämme zur Seite gelegt.

«Wir kämpfen für einen Transport zur Schule und Schulessen», sagt Estefania, die als Älteste die Wortführerin ist. «Wir gehen zu Fuß zur Schule, fünf Kilometer hin, fünf Kilometer zurück», sagt sie.

Die Wayuu wohnen nicht in der Stadt, sondern sehr verstreut in der heißen Steppe, wo kaum etwas wächst. Einige Schulkinder haben ihre prächtigen Uniformen an, die Mädchen tragen pinke Kleider.

Sie schützen sich an der Blockade mit einer schwarzen Plane gegen die Sonne. Einige Erwachsene stehen am Rande der Straße unter einem selbstgezimmerten Holzverschlag. Sie verlangen, dass ein Politiker aus der nahen Stadt Riohacha kommt. Er soll ihnen versprechen, dass die Kinder mit Bussen zu ihren Schulen gebracht werden. Und sie fordern, dass es für alle Wayuu-Schüler dort genug zu essen gibt.

Die Wayuu sind sehr stolz auf ihre Kultur: Sie haben eine eigene Sprache und fertigen Rucksäcke in bunten Farben. Vor Kurzem war Papst Franziskus in Kolumbien zu Besuch. Dabei trug er auch ein Gewand mit bunten Wayuu-Mustern.

Was sie am liebsten essen? «Kaninchen und Ziegen», berichtet Estefania. Bei der Blockade macht auch Mariella Puschaina mit, die fünf Kinder hat. «Oft gibt es auch nicht genug Klassenräume, der Unterricht findet draußen unter Bäumen statt», klagt die Mutter.

Dann kommt die Polizei zur Blockade. Der Chef telefoniert und verspricht, die Situation soll besser werden. Doch die Wayuu sagen: Wenn das nicht stimmt, werden sie die Straße wieder komplett blockieren.