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»Der Fluch des Pharao« im Marstallsaal

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Mikrofon-Akrobatik betrieb Stephan Zimmer bei seinem Kabarettabend auf Schloss Pertenstein. (Foto: Kewitsch)

Der Mann hat´s drauf. Er kommt mit seinem Sakko schon fast an der Eleganzgrenze gekleidet daher, leider fehlt ihm noch die Sakko-Hose und auch das Haupthaar trägt er unter der Kopfhaut. Und dennoch: Eloquenz, Wortwitz und Wortakrobatik, Dialektisches, Musikalisches, Sinniges, all das hat Stephan Zinner aus Trostberg drauf bei seinem Kabarettabend bei der Theaterfabrik Traunreut auf Schloss Pertenstein.


Das Programm »Der Fluch des Pharao« springt ein wenig von einem Thema zum anderen, von Karneval im Dezember, von einer Erbschaft, von Großonkel Karl – Gott hab ihn selig – und seiner letzten Asche in der Kaffeedose hin zu Tannenbaum-Schlagen und Lehrerkindern. Aber das kümmert nicht, das Publikum im ausverkauften Haus hängt an seinen trainierten Lippen, freut sich darüber, dass Frühschoppen seine große Stärke ist und applaudiert auch konsequent, als er sich als gehorchender Ehemann outet.

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Die Pointen sind trocken, aber nicht staubig – staubig ist bestenfalls die Asche von Onkel Karl, die sich gegen Ende des Bühnenstückes dann durch den Saal auf und davon macht. Zwischendrin greift Zinner dann immer wieder zur Gitarre, um die Saiten herauszufordern und seine wertigen Kalauer oder tiefsinnigeren Wortspiele zu transportieren. Der Sound ist bestens und als im zweiten Set ein Scheinwerfer ein Eigenleben entwickelt und die Technik das Kommando gibt, »den Strom wegzunehmen«, scheint Stephan Zinner das Mikro gar nicht schnell genug aus der Hand zu fliegen. Da liegt es nun auf dem Tisch und Zinner spricht hinein, ohne es zu berühren – der Saal liegt ihm zu Füßen.

Die Erbschaft von Onkel Karl im niederbayrischen Deggendorf entpuppt sich als unsäglich, die Karnevalsparty mit Kostümzwang ist gar der Ursprung des Pharaonen-Fluchs, hat sich doch so ein Pimpf als Mumie verkleidet, den Stephan wohl nicht mehr los wird und manchmal fühlt er sich wie im Männerknast in dem Moment, wo einem in der Gemeinschaftsdusche die Seife auf den Boden fällt.

Der knappe Hinweis auf den Namen Uli Hoeneß reicht, der Lacher sitzt wie fünf Treffer von Andrea Henkel beim Biathlon. Immerhin hat Stephan Zinner als einer der ganz wenigen die dreijährige FOS (das hat nicht jeder) und daher sei ihm erlaubt, dass er immer wieder einmal im Programm abschweifte und seine Kenntnisse über den Pangasius-Fisch sehr tiefreichend sind – ist dieser Müllkloake-Fisch doch seine Berühmtheit nicht wert und eher als Shithaus-Züchtung zu verstehen, weil die Chinesen ihn in Kläranlagen halten.

Als schließlich die Frau von Frederick Zinner den unerwünschten Smalltalk (beim Grillen wird nicht gesprochen!!) beim Grillen eröffnen will und sich interessiert nach der Holzkohle erkundigt, antwortet Zinner trocken und knapp, dass das heute eine Ausnahme sei, weil der Kameldung im Baumarkt leider aus war. Kurzum, ein Zinner-Abend ist kurzweilig, launig, sinnvoll und weder flachwitzig noch spaßfrei. Im Gegenteil, der Zinner, der hat´s drauf. Prädikat: sehr empfehlenswert. Udo Kewitsch

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