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Der Bergbach soll sicherer werden

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So sah es am 2. Juni am Mieslötzweg aus. Der Bergbach trat über die Ufer und die Anwohner kämpften gegen die vom Obersalzberg herabströmenden Wassermassen.
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Der Emer-Wastl (Sebastian Hölzl vom ehemaligen Emerer-Lehen/Haus Oberwurf) blickt auf diesem historischen Foto von seiner Hausbank auf dem Eckerbichl mit Sorge in die Zukunft. Vielleicht ahnte er damals bereits, dass dunkle Wolken über dem Obersalzberg aufziehen. Fotos: privat

Berchtesgaden – Seit dem 2. Juni ist den Anliegern rund um den Mieslötzweg wieder bewusst, mit welcher Gefahr sie leben müssen. Damals war der Bergbach nach einer Verklausung über die Ufer getreten, hatte tiefe Gräben in die Straße gerissen und die Anwohner in Angst versetzt. Es war vor allem Dieter Schweiger, der sich mit den Behörden in Verbindung setzte, um die Gefahr einzudämmen. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen, Marktgemeinde und Wasserwirtschaftsamt erarbeiten ein Konzept für den Bergbach. Am Dienstag, 6. August, um 19 Uhr sollen die Anlieger im Salzbergwerk-Bistro »Reichenbach« über das weitere Vorgehen informiert werden.


Dieter Schweiger spricht von einem »Bedrohungspotenzial, das von oben ausgeht«. Er meint damit die sogenannte Gutshof-Deponie, die er vor einigen Wochen bei einem Rundgang ausfindig gemacht hat. Schweigers These: Bei starken Regenfällen kommt es oberhalb der Schuttdeponie zu einer Verklausung, das Wasser sucht sich seinen Weg dann durch die Schuttablagerungen und reißt große Teile davon mit talwärts. Die verursachen weiter unten erneut Verklausungen und wälzen sich dann weiter auf der Straße direkt ins Siedlungsgebiet.

Schweiger erinnert daran, dass vor dem Bau des »Intercontinental Resorts« am Obersalzberg jeder Quadratmeter umgegraben, das Gelände um die Dokumentation drainiert und tragfähig gemacht worden sei. »Die Gutshof-Deponie und der Bergbach spielten dabei aber als eine Art Entwicklungs-Niemandsland eine untergeordnete Rolle. Das rächt sich nun«, sagt Schweiger. Neben den beiden Konzeptsäulen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und Tourismus hält Schweiger für ein einwandfreies Konstrukt eine dritte Säule für notwendig: die Akzeptanz der Anwohner am Fuße des Obersalzbergs, die zum Teil Nachkommen der in der NS-Zeit vom Obersalzberg vertriebenen Siedler sind.

Schweiger betont, dass die Bürger, für die er hier kämpft, nicht gegen die Millioneninvestitionen für eine Neugestaltung des Obersalzbergs seien. Die sollten aber nicht auf ihre Kosten geschehen. Vielmehr müsse der Freistaat Bayern seiner Verantwortung gerecht werden und die bestehende Lücke in der Aufarbeitung der NS-Hinterlassenschaft in Form einer einwandfreien Entwässerung schließen.

Vor dem Hintergrund großer Nervosität bei den Anliegern am Mieslötzweg ist Dieter Schweiger froh, in Marktbürgermeister Franz Rasp in dieser Sache einen Unterstützer gefunden zu haben. Rasp spricht davon, dass der Bergbach neben dem Straßenabbruch in Maria Gern auf der Prioritätenliste der Gemeinde ganz oben stehe. In Kooperation mit dem Wasserwirtschaftsamt laufen bereits die Planungsarbeiten. Vorgesehen ist eine vom Querschnitt her deutlich größere Verrohrung. Das gestaltet sich aber kompliziert, weil im Mieslötzweg zahlreiche Leitungen verlaufen. Die Marktgemeinde prüft derzeit die technische Machbarkeit. Doch alles scheint auf einem guten Weg zu sein. »Bis zum 6. August sollten wir so weit sein, den Anliegern klar zu sagen, wie es weitergeht«, betont Bürgermeister Rasp.

Ungeklärt ist derzeit allerdings noch die Zuständigkeit in puncto Gutshof-Deponie. Rasp: »Auch das wird in nächster Zeit noch ein Thema sein.« Ulli Kastner