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Der Berg ruft und Willy Michl kommt

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Der unvergleichliche Willy Michl in Aktion. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Er ist die bayerische Blues-Legende und Kultfigur. Willy Michls Bühnenauftritte sind geprägt von balladigen Kompositionen. Seine Textinhalte beziehen sich auf einen respektvollen Umgang mit der Umwelt und das Überdenken zur persönlichen Freiheitsentfaltung. Oft zieht er mit humoresk bissigerer Gesellschaftskritik das Publikum zwischen den Liedern in seinen Bann. Dazu prägt Willy Michls »Isarindian-Outfit« die individuelle Aussage. Am 17. Oktober konzertiert die lebende Ikone im Gasthaus »Unterstein« in Schönau am Königssee. Es wird auch ein Abschiedskonzert für das Pächter-Ehepaar Judith und Thomas Lichtmannegger. Der »Berchtesgadener Anzeiger« traf ihn vorher zu einem Exklusiv-Gespräch.


So einen wie ihn gibt es kein zweites Mal. Seit 47 Jahren steht das Münchner Original auf der Bühne. Er wurde sogar in der Isar getauft. Rund 7 000 Auftritte hat Willy Michl seither absolviert. Willy Michl lebt, wie er sagt, jetzt im 70. Winter. Im nächsten Jahr feiert er seinen 71. Sommer. Sein Künstlername ist »Sound of Thunder« (Donnerschall). Der Name bezieht sich auf seine »Voice« und seine Aussagen. Seit seiner Kindheit existiert eine Affinität zur indianischen Bevölkerung.

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Willy Michl zeigt sich am Abend gut gelaunt und will erst einmal etwas naschen. Ein Cappuccino mit einem zusätzlichen Espresso drin muss es sein. Dazu ein schönes Stück Apfelkuchen. Seine Frau Cora ist auch dabei und macht es dem Kellner einfacher: Eine Cola Light genügt. Es wird ein harmonisch-informatives Gespräch.

Willy Michl verweigert seine Zusammenarbeit mit dem Musik-Establishment. Seit 40 Jahren produziert er unabhängig von der großen Industrie. Sein aktuelles Werk »Steinzeitmann« wurde zu einem Fünftel per Crowdfunding (Gruppenfinanzierung) unterstützt. Willy Michl erklärt: »Ich befinde mich derzeit noch mittendrin im Produktionsprozess. Mit der Akustik der Aufnahme-Aussage bin ich aber noch nicht ganz zufrieden und werde daran noch Verbesserungen vornehmen. Daher zieht sich die Veröffentlichung noch etwas hinaus.« Gut 200 Songs stammen bisher aus seiner »Adlerfeder«. Der Mann weiß, was er tut. Seinen Fans will er ein richtig gutes Werk hinlegen.

Willy Michl: »Wer meine bisher besten Songs aus allen Jahrzehnten hören möchte, dem seien die beiden CDs ›Bluesinfusion‹ Vol. 1 und Vol. 2 empfohlen. Da ist alles drauf. Ein selbst zusammengestelltes ›Best of'‹, das mein musikalisches Schaffen widerspiegelt.«

Als Willy Michl 1971 das erste Mal die Ramsau erkundete, entstand eine Freundschaft zur Familie Lichtmannegger. Seither pflegen beide ein herzliches Verhältnis. Willy Michl: »Schon damals war ich im ›Rehlegg‹. Das hatte zwar noch andere gastronomische Strukturen, aber die Atmosphäre und die entstehende Freundschaft zur Familie fand damals ihre Wurzeln. Mit meinem Freund, Musikerkollege und Zitherspieler Friedl Lichtmannegger, erschuf ich in jenen Tagen des Sommers 1974 das Musik-Genre ›Bayerischer Blues‹. Und der ist bis heute existent. Daher sage ich oft: ›Ich bin ein Ramsauer.‹ Ich bin für die Familiennachfolge eine Art rotes Band, mit dem man zurück in die Vergangenheit blicken kann.«

Seit 2009 führen Judith und Thomas Lichtmannegger die Traditionsgaststätte »Unterstoa« in Schönau am Königssee. Aber das Pächter-Ehepaar will sich zukünftig anders orientieren. Es wird also so etwas wie ein Abschiedskonzert. Willy Michl: »Mein dort bevorstehender Auftritt ist für mich auch eine Herzensangelegenheit. Ich spiele Thomas und Judith am 17. Oktober aussi.«

Besucher und Fans werden im Abendprogramm seine kultig-legendären Hits, wie »Blues Goes to Mountain«, das »Bobfahrerlied« und natürlich die Hymne »Isarflimmern« hören können. Und auch zwischen den Songs wird Willy Michl wieder mit kritisch aktuellen Kommentaren, positiven Aufmunterungen sowie Lied-bezogenen Hintergründen seinem Publikum beste Unterhaltung bieten. Er wird wieder Augen, Ohren und Herzen öffnen. Denn seine wichtigste Botschaft ist es, weiterhin den Menschen Liebe, Respekt und Ehre zu vermitteln.

Einlass im Gasthaus »Unterstoa« am Donnerstagabend, 17. Oktober, ist 19 Uhr. Beginn des Konzerts 20 Uhr. Jörg Tessnow

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