weather-image
26°

Der Ameisenhaufen auf 1800 Metern Höhe

2.2
2.2
Rundgang durch Jennerbahn-Bergstation zeigt aktuellen Stand – 8. und 9. Juni Eröffnung
Bildtext einblenden
In den Außenbereichen der Jennerbahn-Bergstation gibt es noch viel zu tun. Die Terrasse des Panoramarestaurants »Jenneralm« (rechts unten im Bild) wird den Besuchern aber bei der Eröffnung zur Verfügung stehen. Das Gebäude östlich der »Piazza« beherbergt außerdem eine Lounge und ein Trauungszimmer. (Fotos: Kastner)

Schönau am Königssee – In der neuen Jennerbahn-Bergstation geht es aktuell zu wie im Ameisenhaufen. Bis zu 50 Personen arbeiten mit Hochdruck am Innenausbau, der bis zum Pfingstwochenende weitgehend abgeschlossen sein muss. Schließlich soll die obere Sektion mit einem bunten Besucherprogramm am Samstag und Sonntag endlich in Betrieb gehen. Da hoffen die Verantwortlichen freilich auf strahlenden Sonnenschein. Den gab es am Dienstag, als sich der »Berchtesgadener Anzeiger« durch die Bergstation führen ließ, noch nicht.


Schon seit 17. Januar ist auch die obere Sektion der Jennerbahn in Betrieb. Das erleichtert den täglichen Transport von Personal und Material enorm. Doch dieser Dienstag, als der »Berchtesgadener Anzeiger« mit Bürgermeister und Noch-Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG Hannes Rasp, Betriebsleiter Wilfried Däuber und Marketingchefin Jennifer Rasp nach oben schwebt, ist für den Bahnbetrieb noch einmal ein besonderer Tag. »Heute fahren wir erstmals mit allen 60 Gondeln«, sagt Betriebsleiter Wilfried Däuber. Es ist eine Art Testlauf für das Pfingstwochenende. Und der Test läuft gut. Bis auf eine klemmende Tür bei einer Gondel funktioniert alles einwandfrei.

Baustopp im Außenbereich seit 23. März

Schon wenige Minuten später taucht das riesige Gebäude der Bergstation im dichten Nebel auf. Im gesamten Außenbereich herrscht gespenstische Ruhe. Bereits seit 23. März ruhen die Außenarbeiten komplett. »Wegen des Birkhuhns«, erklärt Bürgermeister Hannes Rasp. Maximal bis 15. Juni wird die von der Regierung verordnete Baupause noch dauern. »Es gibt aber regelmäßige Monitorings. Wenn die Balz früher abgeschlossen ist, dürfen wir auch eher weitermachen«, erklärt Rasp.

Bildtext einblenden
Tonnenweise Baumaterial wird im Außenbereich gelagert. Auch an der Bergstation der Mitterkaserbahn wird noch gebaut.

Tatsächlich ist im Außengelände noch sehr viel zu tun. Auf der »Piazza« – das ist der Arbeitstitel für den Platz zwischen den beiden Gebäuden – stapeln sich noch Material und Werkzeug. Daneben steht noch ein Kran und in Richtung Skiabfahrt klaffen tiefe Löcher. »Das wird alles noch aufgefüllt«, erläutert Betriebsleiter Wilfried Däuber. Freilich ist auch die Bergstation für die neue Sechsersesselbahn am Mitterkaser noch lange nicht fertig. Die Außenarbeiten werden noch den ganzen Sommer über andauern.

Und so wird man auch am Eröffnungswochenende nur Teile des Außenbereichs betreten können: einen kleinen Teil der »Piazza« und die Terrasse vor dem Restaurant. Und Fahrgäste, die von der Bergstation aus eine Wanderung starten wollen, haben vorerst nur eine Möglichkeit: Sie können nur bergab in Richtung Sulzbergkaser gehen. Erst ab Mitte Juli werden sich nach und nach weitere Möglichkeiten eröffnen. Bald wird man dann wieder bis zur Aussichtsplattform unterhalb des Jennergipfels gehen können. Zudem beginnen in diesen Tagen unter der Verantwortlichkeit des Nationalparks die Planungen für einen barrierefreien Weg zum »Königsblick«.

Bildtext einblenden
Hier richtet der Nationalpark sein neues Informationszentrum ein.

Sägen, schleifen, bohren

Während sich der »Anzeiger« mit seiner Expertenbegleitung auf der »Piazza« umsieht, dringen laute Hammergeräusche aus einem der vielen Treppenhäuser. Fachkräfte füllen hier gerade die letzten Lücken mit einer Natursteinverkleidung. Hochbetrieb herrscht vor allem im künftigen Informationszentrum des Nationalparks. Hier wird noch gesägt, geschliffen und gebohrt. Ein Stockwerk höher steht dem Nationalpark ein weiterer Raum zur Verfügung. Hier wird es ab dem Jahr 2021 die Ausstellung »Fels und Stein« geben.

Im künftigen Shop sind die Regale noch leer. »Die Ware ist aber schon da«, sagt BBAG-Marketingchefin Jennifer Rasp. Solange in der Bergstation noch gearbeitet wird, macht ein Einräumen aber keinen Sinn. »Wir haben hier schon dreimal alles geputzt, aber es ist bereits wieder staubig«, erklärt sie.

Bildtext einblenden
Im Panorama-Restaurant wird derzeit noch viel geschliffen und geschraubt.

Panorama-Restaurant mit Platz für 250 Gäste

Das auf der Ostseite gelegene Gebäude wird man nach Fertigstellung der Außenanlagen auch über die »Piazza« erreichen können. Aktuell bleibt nur der Gang durch das Untergeschoss, der den Besucher in das von Thomas Hettegger betriebene Panoramarestaurant »Jenneralm« führt. Hier wird noch intensiv an den Holzverkleidungen gearbeitet, auch bei der Technik gibt es noch allerhand zu tun.

Und nebenan in der Küche wird ebenfalls noch gewerkelt. 150 Personen finden im Hauptstüberl Platz, dazu gibt es noch zwei kleinere Stuben mit Platz für jeweils 50 Personen. Und auf der Aussichtsterrasse können noch einmal bis zu 350 Gäste sitzen. Statt der normalerweise überwältigenden Aussicht in Richtung Hagengebirge gibt es an diesem Tag allerdings nur eine weiße Nebelwand fürs Auge.

Bildtext einblenden
Jennifer Rasp, Wilfried Däuber und Hannes Rasp (v.l.) im neuen Trauungszimmer.

Ebenfalls zur Jennergastronomie gehört die ein Stockwerk höher gelegene Lounge, die für besondere Anlässe genutzt werden kann. Und ganz oben, wohl im schönsten Raum der gesamten Bergstation, hat man das Trauungszimmer angesiedelt. Bürgermeister Hannes Rasp und 3. Bürgermeisterin Elisabeth Rasp werden hier künftig ihre Aufgaben als Standesbeamte wahrnehmen. Erstmals am 22. Juni.

Eine ganze Anzahl weiterer Räume gibt es in der Bergstation mit ihren 26.000 Kubikmetern umbautem Raum. Über unterirdische Gänge werden Technikräume, Lagerräume, Aufenthaltsräume und acht Personalzimmer erschlossen. Auch einen Umziehraum für Skitourengeher inklusive Dusche gibt es.

Bildtext einblenden
Nicht nur in den Treppenhäusern müssen noch Verkleidungen angebracht werden.

Kosten: 57 Millionen Euro

Rund 57 Millionen Euro werden am Ende in das Projekt Jennerbahn-Neubau geflossen sein. Bürgermeister Hannes Rasp ist überzeugt, dass das Geld auf lange Sicht wieder hereinkommen wird. Immerhin sollen durch die Investition auch die Fahrgastzahlen gesteigert werden. Im Winter sollten es künftig 90.000 statt bislang 60.000 werden. Und im Sommer erhofft man sich einen Anstieg der Fahrgastzahlen von 150.000 auf 200.000. Die maximale Kapazität wird sich von bislang 500 auf künftig 1.600 pro Stunde erhöhen.

Für Bürgermeister Hannes Rasp sind die kommenden Tage nicht nur wegen der Jennerbahneröffnung, auf die er seit Jahren hingearbeitet hat, sehr emotional. Auch für ihn persönlich wird sich zum 1. Juni einiges ändern. »Am Freitag werde ich meinen letzten Tag als BBAG-Vorstand haben. Das ist irgendwie schon ein schönes Gefühl.« Sein Nachfolger wird, wie bereits berichtet, der Bischofswieser Franz Moderegger werden.

Fotos von unserem Rundgang:

Das Eröffnungsprogramm

Am Eröffnungswochenende, 8. und 9. Juni, erwartet die Besucher von 9 bis 18 Uhr ein buntes Programm. Es gibt einen Segway-Parcours, Fahrten mit dem Pistenbully, Betriebsführungen, einen Verkaufsmarkt mit regionalen Produkten und Kunsthandwerk. Am Berg kommen die Kinder unter anderem mit Brandmalen und Kinderschminken auf ihre Kosten. Die Nationalpark-Infostelle ist bereits geöffnet.

Am Samstag spielen in der Bergstation »Die 3 Heillousn«, am Sonntag tritt die Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Königssee auf. Außerdem bietet der GTEV »D'Funtenseer« Plattlereinlagen. Kinder und Jugendliche fahren an beiden Tagen gratis, Erwachsene zum ermäßigten Preis.

Ulli Kastner