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Der Absturz von Glauben und Vertrauen

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Lohengrin (Benjamin Bruns) und Elsa (Jacquelyn Wagner) überzeugen stimmlich in der Inszenierung des Salzburger Landestheaters. (Foto: SLT/Löffelberger)

Die Landestheater-Produktion von Richard Wagners romantischer Oper »Lohengrin« kann mit der vortrefflichen musikalischen Wiedergabe ordentlich Punkte sammeln, während die szenische Realisierung dem Regieteam am Premierenabend gehörige Buhrufe eingebracht hat.


Richard Wagners Vorliebe für Mystisches, Mythen und Legenden verbindet in seinem Fantasiereichtum im »Lohengrin« einen historischen Rahmen mit den Legenden vom Heiligen Gral, vom Schwanenritter und Lohengrin von Brabant: Der unschuldig des Brudermords angeklagten Reichs-erbin Elsa von Brabant eilt der »strahlende Schwanenritter«, den sie zuvor im Traum erblickt hat, zu Hilfe und besiegt den Ankläger Telramund im »Gottesurteil«. Namen und Herkunft muss der Unbekannte geheim halten und Elsa schwört, ihn nie danach zu fragen. Von Telramunds Frau Ortrud angestiftet, erschüttern schließlich Zweifel ihr Vertrauen und sie bricht den Schwur.

Regisseur Roland Schwab sieht »Lohengrin« als gesellschaftlichen Scherbenhaufen, als »Panorama kollektiven Scheiterns« und Glauben an die »gemeinsame Apokalypse«, mit »jähen Abstürzen aus höchsten Glücksgefühlen«.

Der Absturz ist Programm. Bühnenbildner Piero Vinciguerra baut, an den Krieg gemahnend, ein riesiges Flugzeugwrack in der ganzen Bühnenbreite der Felsenreitschule, das mit Müllsäcken und geborstenen Metallteilen durchgängig Schauplatz des Geschehens bleibt – ob Kirche, Brautgemach oder Ankunft Lohengrins mit dem imaginären Schwan. Darüber prangt die Leuchtschrift »Glauben« in großen Lettern.

Wenn am Ende statt Elsa der entzauberte Bruder und Herzog von Brabant zusammenbricht, war alles eben doch nur Zauberspuk. Dem aus dem Absturz traumatisierten Chor bleibt kaum Platz an der Rampe vor dem aufwendigen, bühnenfüllenden Monster. Als Hochzeitsgesellschaft in den erleuchteten Felsenarkaden wandelnd, feiert der Chor dann in Partylaune. Akustisch sind die Choristen aus Chor und Extrachor des Landestheaters verstärkt durch den Philharmonia Chor Wien eine wesentliche Komponente dieser Aufführung.

Die Solisten geben großen Einsatz. Benjamin Bruns stattet Lohengrin mit geschmeidigem stimmlichem Einsatz aus, besticht mit wohlklingend lyrischer Klanggestaltung, die dennoch tragfähig ist, kann aber auch, wo nötig, tenorale Kraft mit metallischem Glanz entfalten. Die Gralserzählung wird somit zum persönlichen Höhepunkt, auch wenn er insgesamt als strahlender Heilsbringer nicht überzeugt.

Jacquelyn Wagner gibt zuerst eine empfindsame Elsa von Brabant mit ihrer feinsinnigen Schilderung »Einsam in trüben Tagen«. Stimmlich gewinnt sie zunehmend an Profil und entwickelt in ihrem Zweifel dramatische Furiosität. Ihr Sopran besticht nicht durch Volumen, aber durch schimmernde Klarheit und schön gerundete Höhen.

Pavel Kudinov als beim Absturz erblindeter König Heinrich ist darstellerisch trotz mancher sonorer Bass-Akzente blass. Alexander Krasov verleiht seinem Telramund markige Baritonqualitäten. Darstellerisch ist er ein etwas überzogen übler und selbstgerechter Tunichtgut. Ebenso die Ortrud von Miina-Liisa Värelä, die aber ihren Mezzo mit dramatischem Applomb zum Klingen bringt. Den Heerrufer von Raimund Juzuitis macht die Regie streckenweise zum torkelnden Hanswurst.

Als neuer Musikdirektor des Landestheaters gibt Leslie Suganandarajah mit der musikalischen Leitung seinen Einstand und sein Dirigat fällt überzeugend aus. Er besinnt sich mit dem Mozarteumorchester auf die Qualitäten der Partitur, holt feine Details an die Oberfläche, bringt auch den breiten Atem der musikalischen Charakteristik großflächig zum Tragen.

Wagners Anfänge zur Leitmotivik finden im wiederholt anklingenden »Nie sollst Du mich befragen« mahnende Ausformung. Eine musikalisch beeindruckende Aufführung auf gutem Landestheaterniveau ist gelungen, aber bei aller Bemühung fehlt der szenischen Entsprechung jegliche Überzeugungskraft.

Weitere Aufführungen gibt es bis einschließlich 7. Dezember. Karten gibt es im Internet unter www.salzburger-landestheater.at. Elisabeth Aumiller