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Der 24. Dezember ist bis zu den Abendstunden ein Fasttag

Berchtesgadener Land - Früh aufstehen hieß es für viele am Heiligen Abend, denn es gab noch allerhand vorzubereiten. Vor allem Bäckereien und Metzgereien waren gefragte Geschäfte und mancherorts standen die Leute bis vor die Ladentür. »Guade Feierdog« wurde jeder Begegnung hinzugefügt.

Die Engedeyer Weihnachtsschützen beim Christkindlanschießen am Sonntag auf ihrem Standplatz bei der Bachmannkapelle. Fotos: Anzeiger/B. Stanggassinger
Das Ausräuchern und Besprengen des Stalls ist bei den Bauern am Heiligen Abend der Brauch.
In der Stube wird am Heiligen Abend der freudenreiche Rosenkranz gebetet.
In der Rauhnacht darf keine Wäsche hängen. Hier ist aber nichts passiert, denn die Aufnahme entstand bereits am Sonntag.
Der Gerer Nikolaus und seine Kramperl beim Auslaufen am Heiligen Abend um 12.00 Uhr beim Frauenloblehen.
Zur Bumbermette schossen die Stanggaßer Schützen am Pozenzenbichl.
Lichtermeer am Neuen Friedhof.
Richard Lenz schießt auf dem Bodnerfeld die Schönauer Schützenkanone. Geladen wird sie von Bernhard Lochner.

Ganz wichtig: Die Wäsche musste noch abgenommen werden, denn in einer Rauhnacht darf keine Wäsche hängen. Das bringt Unglück, heißt es im Volksmund. Wer sich um die Mittagszeit noch eine Rast auf dem Kanapee gönnen konnte, der hatte Glück, denn die Nacht sollte noch lang werden.

In Maria Gern machten sich der Nikolaus und die Kramperl auf den Weg und gegen 15.00 Uhr traten die Weihnachtsschützen zum letzten Christkindlanschießen an. In der Schönau am Bodnerfeld waren es rekordverdächtige 165 Schützen und rund 400 Zuschauer. Jetzt war es an der Zeit, sich schöner anzuziehen und bei Einbruch der Dunkelheit gingen viele Berchtesgadener auf die Friedhöfe. Kleine Fichtenbäumchen wurden aufgestellt, Kerzen daran entzündet und für die verstorbenen Verwandten gebetet. Der Neue Friedhof war ein Lichtermeer.

Die Weihnachtsfeier daheim konnte beginnen. Ein Glutbrocken aus dem Kachelofen oder eine Explosivkohle kam in die Weihrauchpfanne. In eine Tasse wurde Weihwasser geschüttet und ein Tannenzweigerl zum besprengen hineingesteckt. Am Tisch in der Stube wurde die Mettenkerze entzündet. Unter dem mit Tannenzweigen und Strohsternen geschmückten Herrgottswinkel steht in vielen Stuben ein Kripperl. Es wurde beleuchtet und das Christkindl heineingelegt.

Mit den Worten »Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist« gingen der Hausherr oder der Bauer in Begleitung eines Familienangehörigen durch die Wohnräume und bei den Bauern auch durch die Stallungen. Sie räucherten und sprengten. Immer mit dem Gedanken, dass im kommenden Jahr wieder alles gesund bleiben möge und kein Unheil erleidet werden müsse.

Nach dem Räuchern kniete man sich in der Stube nieder und betete den Freudenreichen Rosenkranz und ein paar Vaterunser. Mit einem »Rauhschuss« wurde die Familienandacht beendet. Das anschließende Nachtmahl war bei den Bauern kein pompöses Essen. Einfache Kost - Würstl, eine Suppe, eine Rohrnudel oder eine Honignudel in der Oberau.

In einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Marktschellenberg ging das Christkindl »vom Stoa« mit zwei Kramperln von Haus zu Haus und brachte die Geschenke. In vielen Familien hat es nach dem Essen geläutet und das Christkindl brachte einen beleuchteten Christbaum mit Berchtesgadener Schmuck, wie er ja auf dem Adventsmarkt in Berchtesgaden in Übergröße dargestellt war. »Stille Nacht, Heilige Nacht« erklang es aus vielen Häusern und die Mutter stellte den ersten »Guatlteller« und das Kletzenbrot auf den Tisch. Denn erst heute waren es die Köstlichkeiten wert, auf den Tisch zu kommen.

Man feierte, bis sich die erste Müdigkeit bemerkbar machte. Allerdings durfte das bei den Weihnachtsschützen nicht sein. Es war Zeit zum »Zuaberschiaßn«. Dort und da war ein Schuss zu vernehmen, der eine oder andere hatte seinen Schützenkameraden abgeholt und sie sind dann gemeinsam auf den Schießstand gegangen.

Vom Kalvarienberg war von den Weisenbläsern das »Stille Nacht«-Lied zu hören. Um 23.30 Uhr begann die Bumbermette. Salven, Schnellfeuer und Einzelfeuer wurden abgefeuert. Pulverschwaden zogen durch den Talkessel. Es war die wärmste Heiligabend-Nacht seit 60 Jahren. Am Pozenzenbichl standen 65 Stanggaßer Schützen auf dem fast schneelosen Feld. Die Kirchenglocken schlugen die Mitternachtsstunde, die Schützenmeister kommandierten die letzten Salven zu Ehren der verstorbenen Schützenkameraden und die Schützen wünschten sich untereinander »Guade Feiderdog«. In den Kirchen begann die Christmette, das Hochfest der Geburt Christi. Nach der Christmette gab es eine »Mettensuppn«. Der Heilige Abend war wieder einmal etwas Besonderes. B.St.