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Den Wildtieren auf der Spur

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Ein Projektmitarbeiter hängt eine modifizierte Wildkamera auf. (Foto: H. Edelhoff)

Wie viel Wild gibt es im Bergwald und wie ist die Verteilung der Wildarten? Um diese Fragen zu beantworten, verfolgen Weihenstephaner Forscher im Bereich der Gemeinden Grassau, Unterwössen, Schleching und Grassau verschiedene Untersuchungsansätze. Kotproben und Fotofallen sollen helfen.


Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft führt in Kooperation mit den Bayerischen Staatsforsten seit Herbst 2016 das Forschungsprojekt »Integrales Schalenwildmanagement im Bergwald« durch. Als Studiengebiet ausgewählt wurde unter anderem die weitgehend bewaldete Bergregion der Chiemgauer Alpen zwischen Kampenwand und Geigelstein. Untersucht wird die Vitalität der Population von Gämsen, Rothirschen und Rehen, der Umfang des Bestands und ihre Verteilung in der Fläche.

Während man den Zustand einer Population gut über eine wissenschaftliche Auswertung verschiedener Daten an erlegten Tieren feststellen kann, ist die Frage, wie viele Individuen einer Schalenwildpopulation in einer Region leben, nicht einfach zu beantworten. Zählen lassen sich die Tiere im Waldbereich jedenfalls kaum. Um die Bestandsdichte zu erfassen, bedienen sich die Weihenstephaner Forscher daher der Methode der Genotypisierung von Losungsproben (Kotproben), die Rückschlüsse auf das einzelne Wildtier zulässt. Dieses Verfahren wird weltweit für ähnliche Fragestellungen bei unterschiedlichen Wildtierpopulationen eingesetzt.

Bereits im Juni wurde im Bereich der Kampenwand die Kotsammlung erstmalig durchgeführt. Innerhalb von drei Wochen wurden von den Kartierteams auf den Wald- und Wiesenflächen Losungsproben von Reh, Gams und Rothirsch aufgesammelt. Das Probenmaterial wurde umgehend tiefgefroren und einem Partnerlabor zur genetischen Analyse übergeben. Über diese Daten lassen sich Informationen zur Populationsdichte und zum Geschlechterverhältnis der drei Wildarten ableiten. Eine zweite Beprobung wird im Herbst das gesamte Gebiet zwischen Kampenwand und Geigelstein umfassen.

Darüber hinaus arbeiten die Forscher auch mit Fotofallen. Auch mit unscharfen Bildern können sie etwas anfangen. Kameras an den wichtigsten Wanderwegen sollen das Besucheraufkommen erfassen. Denn die Forscher haben auch den Auftrag, Hinweise auf die Einflüsse der Freizeitaktivitäten auf unsere Wildtiere herauszufinden. Erfasst werden soll, wie viele Wanderer, Radfahrer und Skitourengeher die Landschaft im Untersuchungsgebiet nutzen und wie sich das Besucheraufkommen räumlich und zeitlich verteilt. Alle Kameras sind dabei so präpariert, dass keine der Personen auf den Fotos erkennbar ist.

Erfasst werden die Anzahl der Besucher und die Art der Freizeitnutzung, also ob sie zum Beispiel Radfahrer oder Fußgänger sind. Mit Informationsschildern werden Wanderer und Radfahrer an den Hauptzugangswegen in die Projektgebiete auf die Aktion aufmerksam gemacht. Die Fotos werden nach der Auswertung wieder gelöscht. Die Kameras werden bis Juli 2019 im Gelände verbleiben. Nach Abschluss des Projekts werden die Ergebnisse veröffentlicht. fb