weather-image

Den Wald zum Klassenzimmer gemacht

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Kinder waren mit Freude bei der offiziellen Eröffnung der Waldklasse dabei: Die verantwortliche Lehrkraft, Sonja Kirchmaier (links), sang mit den »Schlauen Füchsen« zusammen ein Lied vor. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Zu Schuljahresbeginn hat die Ludwig-Thoma-Grundschule Traunstein ein neues Projekt begonnen: Einmal wöchentlich wird eine erste Klasse ihren gesamten Unterricht im Bürgerwald halten – bei jedem Wetter.


Im Vordergrund steht nicht die Waldpädagogik, sondern es werden die regulären Fächer unterrichtet. Der Traunsteiner Stadtrat machte vor kurzem den Weg dafür frei, gestern war nach einer Baumpflanzung die offizielle Vorstellung der Klasse im Bürgerwald. »Das ist etwas Einmaliges, so etwas gibt es bisher noch nirgends«, sagte Verena Rausch, Konrektorin der Grundschule. Sie freute sich über die Möglichkeit, dass die 24 Erstklässler im Wald unterrichtet werden. »Etwas Schöneres gibt es doch gar nicht.«

Anzeige

Oberbürgermeister Christian Kegel freute sich über die Idee, für deren Entwicklung und Umsetzung Lehrerin Sonja Kirchmaier hauptverantwortlich zeichnet. Diese sei in Traunstein gar nicht so neu; es gibt bereits den Waldkindergarten, der einen ähnlichen pädagogischen Ansatz verfolge. Nun habe man einen Schulunterricht mit Schwerpunktaufenthalt im Wald. Kegel freute sich, dass die Kinder rausgehen können, und hoffte, dass die Schüler später einmal große Naturschützer werden würden.

Tanja Schorer-Dremel von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sagte: »Ihr habt den Wald zum Klassenzimmer gemacht.« Die Idee sei etwas ganz Besonderes und werde auf Schulebene in Bayern erstmalig umgesetzt. Die Kinder amüsierten sich köstlich auf ihre Frage, was man denn tue, »wenn es Hunde und Katzen regnet«?

Gerhard Enders vom Förderverein »Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan« sagte, der Wald stehe für »vorausdenken und nachdenken«. Der Wald erziehe diejenigen, die mit ihm leben und arbeiten würden. Das Klassenzimmer sei ein Lernort, um nachhaltiges Denken zu generieren. Was man kenne, könne man auch besser schützen.

Sonja Kirchmaier stellte kurz vor, wie das Schulleben bei den »Schlauen Füchsen« funktioniert. Auf den nachgemachten Käutzchenruf würden alle »Füchse« kommen – »oder zumindest meistens«, so Kirchmaier mit leichter Ironie. Da wurde die zur Umgebung passende Toilette vorgestellt, die Kanister gezeigt, mit denen sich die Kinder waschen würden, und die Seife präsentiert: Lava-Erde. Auch beim Schreiben müsse man nicht auf die üblichen Gegenstände zurückgreifen. Es werde einfach mit Moos und Erde geschrieben. Eine kleine Säge sowie ein Glasbehälter zum Beobachten von Insekten gehört genauso zur Ausstattung der Bürgerwald-Klasse wie ein Taschenmesser zum Schnitzen, dessen vorsichtigen Umgang die Schulkinder erlernen können. Sie bedankte sich bei Oberbürgermeister Kegel und für die Unterstützung des Stadtrats und schloss in ihren Dank auch die Stadtverwaltung und Stadtförster Gerhard Fischer mit ein.

Pfarrvikar Christoph Zirkelbach nahm nach einer selbstgemachten Brotzeit mit vegetarischer Pizza, für die die Schul-AG Kochen verantwortlich zeichnete, die kirchliche Segnung des »Klassenzimmers« vor.

Für verschiedene noch benötigte Utensilien freut sich die Schule über Spenden. Auskünfte erteilt die Schule unter der Telefonnummer 0861/708 690. awi

 

- Anzeige -