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Den Schritt von der Klinik nach Hause begleiten

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Foto: dpa/Andre Kolm

Traunstein – Wenn Katharina Stephl sagt, sie sei »froh und dankbar, dass es den Bunten Kreis gibt«, dann spricht die Mutter eines schwer herzkrank zur Welt gekommenen Buben für viele Eltern kranker Neugeborener oder Frühgeborener. Diese unterstützt die Nachsorgeeinrichtung »Bunter Kreis« am Klinikum Traunstein nach der Krankenhausentlassung mit Rat und Tat – und Zuspruch.


»Wenn ein Frühgeborenes oder ein krankes Neugeborenes nach einer meist längeren Zeit intensiver Behandlung und Pflege in der Kinderklinik nach Hause entlassen wird, ist das für die Eltern ein sehr großer Schritt in eine neue, unbekannte und meist Unsicherheiten erzeugende Situation«, so Anita Wimmer, Pflegerische Leiterin des »Bunten Kreises« Traunstein.

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Er wurde vor neun Jahren auf Initiative von Dr. Tobias Trips, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Gesamtleiter des »Bunten Kreises«, an der Kinderklinik ins Leben gerufen. Der Bunte Kreis Traunstein basiert auf dem 1991 in Augsburg entwickelten Konzept der Sozialmedizinischen Nachsorge. Unterdessen arbeiten interdisziplinäre Teams in über 80 im Bundesverband Bunter Kreis zusammengeschlossenen Einrichtungen nach den gleichen Prinzipien und Qualitätsstandards.

Anita Wimmer ist in Traunstein von der ersten Stunde an dabei und hat dafür gleich zu Beginn mit einer Kollegin eine Ausbildung zur Fall-Managerin absolviert. Die Regelleistung einer Nachsorge bei der Krankenkasse zu beantragen, gehört ebenso zu den Aufgaben des »Bunten Kreises« wie eine Fülle praktischer Begleitungen und Tipps. Denn auch, wenn die Eltern schon während des Klinikaufenthalts ihres Kindes und vor dessen Entlassung umfassend betreut und geschult werden, stürzt daheim unendlich viel an neuen organisatorischen Notwendigkeiten und Unsicherheit bei der Versorgung ihres Kindes auf sie ein. Nachsorge- und Kontrolltermine vereinbaren, die Eltern dorthin begleiten, bei der Pflege beraten und so Schritt für Schritt den Weg zurück in einen selbstständigen Alltag bereiten, all das gehört zur Arbeit der Nachsorgeschwestern.

Sie werden den Eltern Wegbegleiterinnen und Vertraute zugleich. So war das auch bei Katharina Stephl. Als ihr mit vier Herzfehlern geborener Sohn Marinus nach dem ersten Eingriff kurz nach der Geburt im Erlanger Herzzentrum nicht genug trank, um genügend Gewicht für eine weitere Operation zu entwickeln, bat die Siegsdorferin den »Bunten Kreis« Traunstein um Hilfe. »Die Nachsorgeschwester Tina ist gleich am nächsten Tag vorbeigekommen und hat sich alle Zeit genommen«, erinnert sich Stephl.

Seit ihr jüngster Sohn auf der Welt war, habe sie Angst um das kranke Kind gehabt, so die vierfache Mutter. Dass ihr in dieser schlimmen Krise die Nachsorgeschwester zur Seite stand, sei eine große Unterstützung gewesen, sagt die 38-Jährige. »Sie hat mir gesagt, dass ich es gut mache.« Bei dieser Hilfe zur Selbsthilfe sei ihr Tina »wie ein kleiner Engel« erschienen, »der zu einer Zeit da war, als ich ganz unten war.« Heute, sagt Katharina Stephl, »sind wir eine ganz normale Familie.« Nicht nur sie, sondern auch fremde Menschen auf der Straße verzaubert deren Jüngster mit seinem offenen, glücklichen Lächeln.

Als Geschenk betrachten es auch Anita Wimmer und ihre Kolleginnen, dass sie dank ihres Engagements im »Bunten Kreis« bei den begleiteten kleinen Patienten »wissen, wie es nach der Zeit auf der Intensivstation weitergeht.« Für sie sei es bereichernd zu sehen, mit welchen Problemen die Eltern dann konfrontiert würden, was sie bräuchten, um ihr Leben mit einem schwerkranken Kind zu meistern.

Und auch zu hören, was die Eltern an der intensiven Zeit in der Klinik geschätzt hätten und wo sie Verbesserungswünsche hätten. Das interdisziplinäre Team des Bunten Kreises aus Pflege, Medizin, Sozialdienst, Psychologen und Seelsorge ist in Traunstein breit vernetzt. Davon profitieren die Eltern ebenso wie davon, dass immer dieselbe, von morgens bis abends auf dem Diensthandy erreichbare Nachsorgeschwester für sie zuständig ist. Doch die Hilfe des Bunten Kreises endet nicht bei den über die Krankenkassen abrechenbaren Leistungen.

»Oft sehen wir bei den Familien, dass die Mittel zur Bewältigung dieser ganz besonderen Situation nicht ausreichen, dann helfen wir nach einer Besprechung im Team aus unserem Sozialfonds«, erklärt Anita Wimmer. Dieser speist sich aus Zuwendungen der Kliniken Südostbayern AG und aus Spenden. Wer die Arbeit des Bunten Kreises unterstützen möchte, findet weitere Informationen auf der Internetseiten der Kliniken Südostbayern AG. fb

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