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Deckel drauf und Schluss

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Da freut sich das Entwicklerherz: Vor zehn Jahren kam Klaus Thielen die Idee für einen wiederverschließbaren Getränkedosendeckel. Jetzt ist die Erfindung serienreif. (Fotos: Kastner)
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Der wiederverschließbare Deckel, den Klaus Thielen entwickelt hat, besteht aus einem Plastikverschluss, aus einer Aluminiumplatte, die letztendlich auf die Dose gepresst wird, und einer nicht sichtbaren Plastikfolie im Innern.

Schönau am Königssee – Zehn Jahre Entwicklungsarbeit liegen hinter Klaus Thielen. Doch jetzt hat es der Faselsberger geschafft. Die von ihm erfundenen wiederverschließbaren Deckel auf Getränkedosen aus Aluminium sind endlich serienreif.


Darüber freut sich nicht nur der mittlerweile 70-jährige frühere Chef der Firma Thielen Feinmechanik, sondern vor allem auch Gregor Piëch, der jüngste Sohn von Ferdinand Piëch, langjähriger Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratschef des VW-Konzerns. Piëch junior hatte die insgesamt acht Patente auf den Deckel vor knapp drei Jahren von Klaus Thielen erworben. Nun soll der »Click Cap« weltweiter Standarddeckel für Getränkedosen werden.

Getüftelt hat Klaus Thielen schon immer gerne. Eine ganze Reihe von Patenten hat der umtriebige Unternehmer schon zu seiner Zeit als Chef der Firma Thielen Feinmechanik (heute psm protech) in Marktschellenberg angemeldet. Sein bislang größter Erfolg waren die in die Schuhsohle integrierten Schuhspikes. Die werden mittlerweile von einem amerikanisch-taiwanesischen Konzern in China produziert.

Geschäft mit Red Bull kam nicht zustande

Auch mit dem wiederverschließbaren Dosendeckel hatte Thielen schon früh große Pläne. Ein Jahr nach der zündenden Idee im Jahr 2008 stellte Thielen das Projekt im Sommer 2009 auf Vermittlung des damaligen Red-Bull-Managers Kurt Wiebach beim österreichischen Getränkehersteller vor. »Die Geschäftsleitung war begeistert. Sie wollte den Deckel sofort haben«, erinnert sich Thielen. Der Unternehmer hätte an seine Firma in Marktschellenberg riesige Produktionshallen angebaut, denn Red Bull hatte Interesse an jährlich 500 Millionen Dosendeckeln. Doch dann kam für den Unternehmer überraschend die Insolvenz der Marktschellenberger Firma, das Projekt mit Red Bull war erst einmal gestorben.

Im Jahr 2011 griff Thielen seine Deckel-Idee wieder auf, gründete zur Weiterentwicklung die kleine Firma Tecvision mit Sitz in Hallein. Als der Deckel dann im Jahr 2015 nach Meinung Thielens produktionsreif war, erinnerte sich der Königsseer an einen jungen Mann, der einige Jahre zuvor in seiner Halleiner Firma ein Praktikum absolviert hatte. Es war kein Geringerer als Gregor Piëch, der Sohn des langjährigen VW-Chefs. Piëch junior hatte die Christophorusschule am Dürreck besucht. Der heute 23-Jährige kannte den Deckel bereits, weil er beim Praktikum an der Entwicklungsarbeit mitgeholfen hatte. »Gregor Piëch war sofort begeistert und kaufte zwei Wochen später insgesamt acht Patente«, erzählt Klaus Thielen. Denn in die Produktion wollte der heute 70-Jährige nicht mehr selbst einsteigen.

Allerdings verbesserte Klaus Thielen auch nach Vertragsabschluss das Produkt noch freiberuflich, schaffte es beispielsweise, die Haltbarkeit des noch verschlossenen Deckels auf acht Bar zu erhöhen. Denn an der fehlenden Druckfestigkeit waren bereits mehrere andere Deckelentwickler gescheitert. Wenn der Deckel bereits geöffnet war, leistet er immerhin noch über drei Bar Widerstand.

Die TopCap Holding in Kufstein

Klaus Thielen kann sich mittlerweile entspannt zurücklehnen, denn das gesamte Projekt liegt jetzt in der Verantwortung von Gregor Piëch, der in Kufstein die TopCap Holding, sein erstes Unternehmen, gründete. Dort beschäftigt der 23-Jährige mittlerweile rund 30 Mitarbeiter. In einer Testanlage konnten schon bislang bis zu 36 000 Deckel stündlich produziert werden.

Piëch will den weltweiten Markt für Getränkedosen aus Aluminium revolutionieren. Und der ist gigantisch: 280 Milliarden Getränkedosen werden jährlich weltweit produziert. Doch seit rund 20 Jahren hat sich der Verschluss nicht wirklich weiterentwickelt. Nun soll endlich Schluss sein mit Wespen, die sich in bereits geöffnete Dosen verkriechen können, Schluss mit verschütteten Getränken im Auto oder fahlem Geschmack, weil die Kohlensäure entwichen ist. Unzählige Testreihen auf den Anlagen in Kufstein haben gezeigt, dass das Produkt funktioniert und seine Marktreife erreicht hat. Jetzt sollen die ersten Kunden gewonnen werden.

Überzeugen will Piëch nach eigenen Worten nicht die Dosenproduzenten, sondern vor allem die Getränkehersteller. Die wiederum sollen, wenn sie das Produkt gutheißen, Druck auf die Dosenhersteller ausüben. Sie könnten in Lizenz dann sowohl das Patent als auch die Fertigungsmaschinen erwerben, deren Prototypen in der eigenen Kufsteiner Produktionshalle hergestellt werden. An eine Eigenproduktion in hoher Stückzahl denkt man in Kufstein jedenfalls nicht. »Wir wollen nicht in Konkurrenz zu den Dosenherstellern gehen. Wir sehen uns vielmehr als Ingenieurs- und Entwicklungsfirma«, so Gregor Piëch.

Zu 100 Prozent recycelbar

Natürlich ist Klaus Thielen stolz auf seine Erfindung, die vielleicht bald den Weltmarkt erobern könnte. Denn die Click Cap kann einen wertvollen Beitrag zur Reduzierung des Plastikmülls leisten, weil sie künftig Plastikflaschen ersetzen kann. »Und die Aluminiumdose mit meinem wiederverschließbaren Deckel ist zu hundert Prozent recycelbar«, sagt Thielen. Schließlich kann Aluminium ohne Qualitätsverlust recycelt werden und der Deckel aus Polypropylen schmilzt beim Recyclingprozess.

Nach zehnjähriger Entwicklungsarbeit und Verhandlungen darf sich Klaus Thielen jetzt erst einmal entspannen und von seiner Terrasse aus den Ausblick zum direkt gegenüber liegenden Watzmann genießen. Aber wird sich der 70-Jährige damit begnügen oder hat er bereits neue Pläne? Auf diese Frage antwortet Thielen nur mit einem verschmitzten Grinsen und einem Zitat von Franz Beckenbauer: »Schau mer mal.« Ulli Kastner