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David Hasselhoff überrascht mit Cover-Album

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David Hasselhoff
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David Hasselhoff vor der East Side Gallery in Berlin. Foto: Jens Kalaene Foto: dpa

Mit der Coverversion »Looking For Freedom« feierte David Hasselhoff seinen größten Hit. Auf seinem neuen Album wagt sich der Schauspieler und Sänger mit vielen musikalischen Gästen an Songs von David Bowie, Echo And The Bunnymen und Frank Sinatra. Kann das gutgehen?


London (dpa) - Eigentlich kommt das neue Album von David Hasselhoff etwas zu spät. Denn auf »Open Your Eyes« versucht sich der Sänger und Schauspieler, der im Juli 67 Jahre alt geworden ist, auch an Udo Jürgens' Klassiker »Mit 66 Jahren«.

Das Motto passt natürlich trotzdem. »Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an«, singt »The Hoff« in gebrochenem Deutsch, »mit 66 Jahren, da hat man Spass daran.« Wer ihm in den sozialen Medien folgt oder ihn in jüngster Zeit bei einem seiner TV-Auftritte und PR-Termine erlebt hat, hat daran keine Zweifel.

Nun veröffentlicht David Hasselhoff dieses in mehrfacher Hinsicht überraschende Album. »Open Your Eyes« ist eine bunte Zusammenstellung von Coverversionen bekannter und weniger bekannter Songs aus völlig unterschiedlichen Genres. Dafür hat sich »The Hoff« die Unterstützung vieler prominenter Musiker geholt, die man nicht unbedingt in einem Tonstudio mit dem »Baywatch«-Star erwartet hätte.

Den politischen Titelsong veröffentlichte die Post-Punk-Supergroup Lords Of The New Church ursprünglich 1982. Hasselhoff bleibt nah am Original, nur die Produktion ist wuchtiger. James Williamson, früher Mitglied der Kult-Punkband The Stooges um Iggy Pop, spielt die Gitarre. Fast vergessene Rock- und New-Wave-Klassiker wie »I Melt With You« (Modern English) oder »Head On« (The Jesus And Mary Chain) macht sich Hasselhoff mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit zu eigen, während legendäre Gitarristen wie Elliot Easton (The Cars) und Steve Stevens (Billy Idol) für einen starken Sound sorgen.

Nicht so gut funktioniert seine Version von »Sugar Kisses« (Echo And The Bunnymen), auch weil Hasselhoff mit 67 nicht die Höhen des jungen Ian McCulloch erreicht. Dafür punktet die Nummer instrumental dank der kürzlich in Originalbesetzung reformierten New-Wave-Musiker von A Flock Of Seagulls, die für »The Hoff« im Studio standen. Als die Band aus Liverpool 1982 mit »I Ran (So Far Away)« ihren größten Hit hatte, startete Hasselhoff gerade mit K.I.T.T. in »Knight Rider« den Motor.

David Bowies Klassiker »Heroes« hatte Hasselhoff schon bei seinen Konzerten in Deutschland zum Besten gegeben. Für Puristen mag das einem Akt von Blasphemie gleichkommen. Doch diese Kooperation mit Produzent und Filmkomponist Tyler Bates (»Watchmen«) geht in Ordnung.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist hingegen »Sweet Caroline«. Der alte Gassenhauer von Neil Diamond ist bei »Hoff«-Konzerten auch schon Standard. Für die elektrolastige Neuauflage zeichnet Frontmann Al Jourgensen von der Industrial-Metal-Band Ministry verantwortlich - vielleicht die größte Überraschung auf dem Album. Als der im Gesicht tätowierte und gepiercte Jourgensen vor einem Jahr auf Instagram ein Foto mit Hasselhoff postete, dachten Ministry-Fans an einen Scherz.

Ziemlich kitschig geraten sind die Neuauflagen von Glenn Campbells »Rhinestone Cowboy«, auf dem die 82 Jahre alte Country-Rock-Legende Charlie Daniels gastiert, und Gordon Lightfoots Ballade »If You Could Read My Mind«. Witzig: Mit Tracii Guns von der US-Hardrockband L.A. Guns nahm »The Hoff« den Whitesnake-Hit »Here I Go Again« auf. Zum Abschluss singt er lässig Frank Sinatras »That's Life«.

Die Liste renommierter Musiker auf »Open Your Eyes« ist genauso erstaunlich wie die Auswahl der Songs. Noch erstaunlicher ist aber, dass David Hasselhoff auf seine alten Tage ein richtig unterhaltsames Album gemacht hat, das mit seinem kräftigen im Stil der 80er Jahre arrangierten Sound richtig Spaß macht.

»Ich bin schockiert. Gute Arbeit, Hoff!«, schrieb passend ein Nutzer bei YouTube unter dem Musikvideoclip von »Open Your Eyes«. Auch andere kommentierten erstaunt. Die Hemmschwelle, ein ganzes Album von »The Hoff« zu kaufen, ist vielleicht trotzdem groß. Aber in Zeiten des Streamings kann man das ja auch so heimlich zuhause hören.

Website David Hasselhoff

"Open Your Eyes" bei YouTube

Instagram-Post von Al Jourgensen