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Das Vermächtnis des großen Freikletterers weitergetragen

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Der Obmann der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft, Lutz Maurer (links), überreichte dem Vorarlberger Extrembergsteiger Beat Kammerlander (Mitte) in Brixen den Paul-Preuss-Preis. Die Laudatio hielt Hanspeter Eisendle, der den Preis selbst 2014 überreicht bekam. (Foto: Brenninger)

Es war ein rauschendes Fest zum Abschluss: Der International Mountain Summit (IMS) in Brixen ist Geschichte. Nach seiner zehnten Auflage stellte das internationale Bergfestival in Südtirol den Betrieb ein. Gegründet wurde das Festival 2009 von Markus Gaiser und Alex Ploner. Gleich in den Anfangsjahren des IMS wurde dort 2013 auch erstmals der Paul-Preuss-Preis vergeben, zwei weitere Ehrungen sollten in den Jahren darauf in Brixen noch folgen. Alex Ploner betonte bei der jüngsten Preisverleihung im Forum der Alpenstadt 2018 deshalb auch: »Wir haben das Baby auf die Welt kommen sehen und dann gesehen, wie es groß geworden ist.«


»Alpinistische Kunstwerke«

In diesem Jahr fiel die Wahl der Paul-Preuss-Gesellschaft auf den Vorarlberger Extremkletterer Beat Kammerlander. Hanspeter Eisendle, der den Preis selbst 2014 überreicht bekam, hielt die Laudatio auf Kammerlander. »Beat schafft alpinistische Kunstwerke, die Anerkennung und Respekt in der Welt bekommen.« Kammerlander sei ein Meister der Reduktion, fügte Eisendle hinzu. »Seine Routen sind Ausdruck höchster Kletterkunst und er hat die Kletterszene geprägt.« Seine Erstbegehungen seien Zeugnis dafür, dass Bohrhaken nicht Schuld am »Mord am Unmöglichen« seien, fügte Hanspeter Eisendle hinzu.

Überreicht wurde der Preis – übrigens eine Skulptur, die vom Siegsdorfer Künstler Walter Angerer d. J. geschaffen wurde – vom Obmann der Paul-Preuss-Gesellschaft, Lutz Maurer. Der ehemalige Fernsehjournalist des ORF und einer der Begründer der Sendereihe »Land der Berge«, machte deutlich, dass die Jury dieses Jahr eine sehr schwere Entscheidung zu treffen hatte. »Drei Kandidaten lagen gleichauf«, hob er hervor. »Die Wahl fiel dann hauchdünn auf Beat, was mich sehr freut.« Denn Kammerlander sei einer, der kein lautes Leben führe, würdigte Lutz Maurer. »Er hat immer im Stillen gearbeitet und war doch einer der Vorreiter.«

Maurer hob Kammerlanders alpinistische Leistungen und vor allem seine Philosophie des Bergsteigens nach dem Prinzip von Paul Preuss »Das Können ist des Dürfens Maß« hervor. Maurer betonte: »Er hat in den achtziger und neunziger Jahren das getan, was Paul Preuss vorgemacht hat.« Er habe also das Vermächtnis des großen Freikletterers weitergetragen.

Beat Kammerlander selbst freute sich sehr über die Auszeichnung. »Das ist eine große Ehre für mich. Ich hätte niemals gedacht, dass ich den Preis bekomme.« Kammerlander ist damit der sechste Preisträger. Zuvor hatten die Auszeichnung schon Reinhold Messner (2013), der nach Jahren des Vergessens Paul Preuss wiederentdeckt hat, Hanspeter Eisendle (2014), der bereits verstorbene Albert Precht (2015), Hansjörg Auer (2016) und im vergangenen Jahr Alexander Huber erhalten.

Der Preis wird an Bergsteiger oder Kletterer verliehen, die sich im Laufe ihrer bergsportlichen Entwicklung nicht nur durch herausragende Leistungen im Gebirge, sondern auch im Sinne der Philosophie Paul Preuss’ mit dem Verzicht auf technische Aufstiegshilfen dem freien Klettern verschrieben und besonders ausgezeichnet haben. In der Jury der Paul-Preuss-Gesellschaft sitzen unter anderem mit Fritz Petermüller, Hans Helmberger, Willi Schwenkmeier, Malte Roeper, Walter Angerer d. J. und Marco Maier auch einige Bergsteiger, Alpinjournalisten und Kletterer aus dem Landkreis Traunstein. Zudem war diesmal auch der letztjährige Preisträger Alexander Huber im Gremium dabei.

Im Anschluss an die Preisverleihung hielt Beat Kammerlander seinen Vortrag »Visionäre der Vertikalen«. Dabei gab er Einblicke in die Geschichte des Kletterns. Zu Wort kamen in seinem Vortrag auch Klettergrößen wie Max Niedermann und Martin Scheel, die von ihren Kletterer-Leben erzählten.

Beat Kammerlander berichtete aber auch ausführlich von seinen Anfängen als Kletterer. 1977 ging er das erste Mal mit seinen Freunden mit. Klettern wollte er damals eigentlich nicht. »Ich habe gesagt, dass ich Höhenangst habe.« Aber gleich beim ersten Mal sei er Feuer und Flamme für diesen Sport gewesen, erinnerte er sich. »Ab diesem Zeitpunkt bin ich jeden Tag klettern gegangen.«

Zahlreiche Erstbegehungen

Beat Kammerlander berichtete auch von seinen Erstbegehungen: etwa dem »Silbergeier« im Rätikon, einer Gebirgsgruppe der Ostalpen. Aber er ging auch auf seinen neuesten Coup, der »Kampfzone«, ein. Es sei seine letzte große Herausforderung gewesen, betonte der 59-Jährige. Diese Kletterroute befindet sich ebenfalls im Rätikon beim kleinen Turm. 2017 gelang Kammerlander eine komplette Rotpunktbegehung.

»Die Kletterei ist extrem diffizil und die Felsqualität ist etwas vom Besten, das ich kenne.« Und auch Beat Kammerlander selbst gehört zur absoluten Weltspitze. Er hat mit seinem einzigartigen Gespür für steile, kompakte Felspartien immer wieder legendäre Kletterrouten auf höchstem Niveau eröffnet – und das eben nach dem Prinzip von Paul Preuss. SB