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Das Traumpaar: Zimmer 211 und 107

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Jean (Olaf Salzer) ist ein Menschenkenner und unterstützt Eve (Yael Hahn) bei der Suche nach dem passenden Liebhaber. (Foto: Hofstätter)

»Man darf nur zwei Stoffe gleicher Qualität miteinander verbinden«, sagt Jean, der Weltmann an der Rezeption. Stoffe allerhöchster Qualität meint er natürlich. Für das Wert-Gefühl spricht schon der Umstand, dass für ihn 15 Prozent herausschauen bei der Stoff-Verbindung.


Jean hat einen sicheren Blick für Menschen, und so hat er auf den ersten Blick ausgemacht, dass Eve »kein gewöhnlicher Gast« ist. Die hübsche junge Dame steht erst am Beginn des freien Unternehmertums, das darauf hinzielt, die bald anstehende Hotelrechnung begleichen zu können und ein Einkommen deutlich darüber hinaus zu erzielen. Sprich: Die in solchen Dingen noch unerfahrene, aber durchaus lernfähige Dame ist auf finanzielle Sanierung durch gut situierte Herren aus.

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Ein potenzieller Liebhaber ist schnell gefunden

Der so geschwätzige wie besserwisserische Jean mag aufdringlich wirken, aber er erweist sich als der rechte Kompagnon zur rechten Stunde. Eine Provision von 15 Prozent ist für einen so erfahrenen Ehrenmann bestimmt nicht zu hoch. Flugs ist man handelseins. Der erste potenzielle Liebhaber auf Nummer 107 ist eben so rasch ausgemacht.

Das Jahreswechsel/Faschings-Stück im Schauspielhaus Salzburg ist diesmal keine der turbulenten Screwball-Komödien, bei denen immer der Falsche zum falschen Zeitpunkt hereinplatzt. In der ruhigen Komödie »Grand Hotel Palace« von Marc Camoletti scheinen alle immer ganz richtig platziert zu sein, sieht man einmal vom Freund der jungen Frau ab, der sich mit der neuen Profession seiner Partnerin nur bedingt anfreundet. Aber auch für ihn findet sich Ablenkung ...

»Grand Hotel Palace« ist ein nettes, unaufdringliches Unterhaltungsstück, das vor allem von der Sympathie der Hauptdarsteller lebt. Olaf Salzer ist der so souveräne wie galante Strippenzieher an der Rezeption, der Chef-Choreograph für die ersten Tanzschritte einsamer Herzen.

Dass er sich einen Jux macht bei dieser speziellen Paarbildung zwischen Nummer 107 und 211 – man ahnt, ja weiß es bald. Übrigens ist es dann so, dass dieser Charming Boy mit dem witzigen Toupet gar nicht sich selbst bereichert, sondern diese Story quasi aus menschenkennerischer »L’art pour l’art« betreibt, den Zuschauern zur Freude. Das macht die Figur sympathisch, aber man könnte genau das auch als Schwachpunkt der Komödie ansehen: Es ist wort-fertiges Geplänkel, mehr nicht.

Yael Hahn spielt keine Erzgaunerin

Yael Hahn hat einen unsicheren Blick darauf, wenn sie mit ihren schäbigen Kartonkoffern ins noble Hotelzimmer (Retro-Ausstattung: Isabel Graf) kommt. Aber die junge Dame findet sich schnell ein in die Welt der Halbseide. Und, das Wichtigste: Bei ihren so zaghaft eingefädelten wie doch beharrlich zielgerichteten amourösen Schritten schwingt immer eine gewisse Unschuld mit. Erzgaunerinnen fühlen sich anders an.

Die Nummer 107 hört auf den Namen Robert, ist Händler mit falschen Steinen und lässt aufschreiben. Antony Connor ist dieses vermeintlich einsame und verdächtig weite Spenderherz. Nette Figuren drumherum, vor allem Ute Hamm als tanzbegabter Barkeeper. Robert hat eine junge Dame im Schlepptau, die er als seine Tochter ausgibt (Kristina Kahlert als Annabell), die ihrerseits einen rechten Tollpatsch als Anbeter hat (Magnus Pflüger als Arthur), aber in Leidenschaft zu Alain (Martin Brunnemann) entbrennt. Der ist eigentlich Eves Freund, nimmt es aber im amourösen Entflammungsfall nicht so genau.

Christoph Batscheider hat Regie geführt. Er hat nicht an Temposchrauben gedreht, was bei dieser Komödie auch nicht viel bringen würde. Er setzt ganz aufs Liebenswürdige, und er kennt sein Ensemble so gut, dass er bei jedem Einzelnen die gewinnenden Seiten so recht heraus kehrt. Aufführungen gibt es noch bis zum 5. Februar. Reinhard Kriechbaum