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Das Tote Meer und sein Salz

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Fischernetze, Tischdecken und Hocker, die von Salzkristallen überzogen sind.

Eine der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen Israels, Sigalit Lan-dau, gibt durch die Werkschau ihrer Salzskulpturen »Salt Years« im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg in Salzburg und ihre Videoinstallationen im Museum Rupertinum noch bis zum 17. November Einblicke in eine andere Welt.


Seit Kindheit ist ihr das Tote Meer, das eigentlich ein See ist, vertraut. Der See ohne Zuflüsse trocknet langsam aus und wird immer salziger. Sein immenser Salzgehalt, die unglaubliche Tragfähigkeit des salzigen Wassers, das viele Salz auf der Haut, wenn sie als Kind dort gespielt oder gebadet hatte, wie auch das Salz auf den darin befindlichen Fundstücken waren letztlich der Anstoß, sich künstlerisch mit dieser Materie auseinanderzusetzen und dieses 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegende Salzwasser als Laboratorium für ihre »Rituale« zu nutzen, wie sie es nennt.

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Seit vielen Jahren schon taucht Landau zusammen mit ihrem Team Objekte in dieses besondere Wasser. Einige dieser Objekte haben, bedingt durch ihre Familiengeschichte, durchaus auch symbolischen Charakter: Objekte aus Fischernetzen oder Skulpturen aus Stacheldraht genauso wie Alltagsgegenstände wie Schuhe, Stecken, eine Leiter, ein Ballet-Tutu oder gar ein Cello. Die meisten dieser Dinge mussten von der Künstlerin wegen des starken Salzauftriebs mit Gewichten beschwert werden, um ganz – oder so weit wie von ihr gewünscht – vom Salzwasser bedeckt zu sein, um nach mehreren Wochen daraus geborgen zu werden. Dann »erntet« sie diese zerbrechlichen, von dicken Salzkristallen bedeckten, verwandelten und völlig veränderten Objekte, die sie »readymade« nennt und nun die Museumsbesucher in einer beeindruckenden Installation staunen lassen.

Über schwebenden Holzbalken drapiert, erblickt man im Halbdunkel, angestrahlt von verschiedenen Lichtquellen des ersten, in Grau gehaltenen Raums schon von Weitem diese weißen, auf die Entfernung flaumig wirkenden Objekte, die im Raum verteilt sind und durch ihren bizarren Schattenwurf fast etwas Mystisches an sich haben. Fast könnte man diese weißen, so natürlich fallenden Dinge für Pelze halten, wüsste man nicht, dass es zerbrechliche und empfindliche Salzkristalle sind, die sich um die von Landau drapierten Fischernetze gelegt haben und bei genauer Betrachtung glitzernd im Licht strahlen!

In einer Serie von Bildern des Fotografen Yotam From lässt sich die Verwandlung und Kristallisation eines dunklen Kleides auf dem Grund des Toten Meers beobachten, das sich von Bild zu Bild immer mehr in ein weißes, kristallenes Brautkleid verwandelt. Stacheldraht ist der Werkstoff, aus dem Sigalit Landau – in Erinnerung an ihre dunkle Familiengeschichte – Objekte geschaffen hat, die in ihren runden Formen und kristallinen Salzumhüllungen die tückischen Stacheln nur an wenigen Stellen erkennen lassen und einen kunstvollen Schattenteppich auf den Boden des folgenden Raums werfen. Das Kunstwerk steht symbolisch dafür, dass die Zeit Schrecknisse bedecken, aber nicht verschwinden lassen kann. Beeindruckend bei dieser Installation ist auch, wie das vom Salz bedeckte Cello im Hintergrund scheinbar die Musik des modernen französischen Komponisten Jean Filippe Feiss spielt, während der Besucher über die Schatten hinweg den Raum verlässt.

Videoinstallationen über das Tote Meer

Interessant sind ebenso die zeitgleich im Museum Rupertinum an großen Wänden vorgestellten Videoinstallationen, die viel über das Tote Meer und über die dort lebendenden Menschen verraten, zusätzlich verständlich beschrieben in dort ausliegenden blauen Heften. Der Auftrieb des Toten Meeres wird überaus deutlich in einem Video, das eine 250 m lange Melonen- Kette aus 500 Wassermelonen zeigt, die als geschlossene Spirale inselgleich auf der Oberfläche des Toten Meeres schwimmt, mitten darin die Künstlerin, welche durch die sich nach und nach auflösende Spirale dem scharfen Salzwasser ausgeliefert ist. Landaus frühere Ausbildung als Tänzerin mag der Grund sein, dass sie mit ihrem Körper immer wieder in ihren eigenen Installationen agiert.

Salz und Salzburg

Eine ungewöhnliche Ausstellung ganz anderer Art wird hier präsentiert, zudem im europäischen Raum das erste Mal in dieser Vielseitigkeit. Salzburg wurde von der Künstlerin gerne als Ort für ihre Ausstellung angenommen, da nicht nur der Name dieser Stadt durch die Geschichte und Nähe zum Salz geprägt wurde, sondern auch, weil sie die Tochter jüdischer Immigranten aus Österreich ist, die über Philadelphia und London nach Israel ausgewandert sind. 1969 wurde sie in Jerusalem geboren und studierte an der Bezalel Academy Design. Vom tiefsten Punkt der Erde, nämlich dem Toten Meer, ist sie mit einem Großteil ihrer beeindruckenden Kreationen aus 25 Jahren auf den Mönchsberg hinauf gekommen. Anlässlich der Ausstellung erscheint das Buchprojekt »Sigalit Landau: Salt Years« mit Texten internationaler Autoren über die Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Toten Meer.

Öffnungszeiten sind jeweils von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr (Mittwoch bis 20 Uhr). Ein geführter Rundgang ist am 9. Oktober um 19.30 Uhr.

Helga Mikosch

Italian Trulli