weather-image

Das Teisendorfer Brauhaus wird zur großen Bühne

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Einer der Höhepunkte der »Nacht im Brauhaus« war die Acoustic-Session von Stefan Dettl, dem Frontmann und Sänger der Band LaBrassBanda, begleitet von dem Bassisten Fabian Jungreithmayr. (Foto: Konnert)

Ein in seiner Art einmaliges Kulturevent erlebte die Marktgemeinde Teisendorf: »Nachts im Brauhaus« war nicht nur die Überschrift dazu, sondern auch Programm.


Die alten Gebäude der Brauerei Wieninger wurden zur Off-Location für Kabarett, Kunst sowie Rock- und Popmusik vom Feinsten. Bei einem Rundgang durch die Brauerei konnte man zwischen Sudkesseln und Malzböden über moderne Malerei, Fotografie und Installationen verschiedener Art staunen. In der zur Konzert-Location umfunktionierten Lagerhalle wurde Pop- und Rockmusik unterschiedlicher Stilrichtungen un- plugged angeboten. Ab Mitternacht gings richtig ab bei der bis in die Morgenstunden andauernden After-Show-Party. Und das alles auch noch für einen guten Zweck. Denn die Erlöse der Veranstaltung gehen als Spende an die Organisation »Viva Con Agua de Sankt Pauli«, die sich seit Jahren für einen menschenwürdigen Zugang zu Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung in Afrika einsetzt.

Der erste Höhepunkt des abwechslungsreichen Programms war der Auftritt des bekannten Laufener Kabarettisten Ernst Jani. In dem bis auf den letzten Platz besetzten Empfangsraum der Brauerei sorgte er mit seinem literarisch-kabarettistischen Soloprogramm »AU WÄ – Der Föhn – Der Grant – Das Bier« für ungezählte Lacher und sehr gute Stimmung. In gekonnt ironischer Manier nahm Jani den Bayern und die bayerische Lebensart facettenreich ins Visier und erinnerte dabei wiederholt an den Meister des subtilen Humors, den Schriftsteller Herbert Rosendorfer, der die »bayerischen Sportarten wie »Grantln, Fingerhackln oder Fensterln« passend beschrieben hat. Der ganz normale Alltagswahnsinnn mit Liebe, Eifersucht, Urlaub und Reisen kam auch nicht zu kurz. Es ist fast unmöglich, aus dem gefüllten Programm ein Highlight auszuwählen. Deshalb hier nur ein zufällig ausgewählter Satz: »Die Bayern denken beim Reden, deshalb sind sie so wortkarg!«.

Mit Bildern und Installationen der Künstler Kris Kind und Jari Genser, die in Wien und Salzburg leben und arbeiten, den Backstage Polaroids des Fotografen Andreas Pfohl und den Klangexpeditionen der Gruppe »Schallmodul« beziehungsweise »Audio Testing Area« aus München wurde das Sudhaus für eine Nacht zur Kunstgalerie. Es war erstaunlich, wie gut sich die moderne Kunst in die alten Gemäuer und die technischen Anlagen zur Biererzeugung integrierte und Besucher zu einem gänzlich neuen Blick auf Beides führte.

Der Urbane Konzeptkünstler Kris Kind will nach eigener Aussage mit seinen gesellschaftskritischen, sehr provokativen Bildern aufrütteln und einen Diskurs auslösen. Um seine Bilder Schicht für Schicht aufzubauen, verwendet er Polyesterharz. Dass er so eigentlich abwaschbare »Plastikbilder« produziert, findet er nur zeitgemäß. Er mischt Malerei mit Collagentechnik und Digitalisierung; seine Bildentwürfe entstehen oft am Computer. Kind arbeitet gern mit Müll, denn »wir sind eine komplett zugemüllte Gesellschaft« so der Künstler.

Passend zu seinem Projekt »Good titles for Artworks« hatte Jari Genser auf eine Wand des Sudhauses einen Arbeitstitel für ein potentielles zukünftiges Werk aufgemalt, den man erst bei genauem Hinschauen entdecken konnte. »Wer Wasser predigt und Wein trinkt, bei dem sind Hopfen und Malz verloren« verhießen die schwarzen Buchstaben.

Mit seinen Polaroid-Aufnahmen von hinter den Kulissen (»Backstage«) gibt Andreas Pfohl Einblicke in den Alltag der Künstler. Er verkauft seine Bilder schon seit mehreren Jahren zugunsten von »Viva con Agua«, weil ihm die Ziele des Vereins »Wasser für alle« wichtig sind.

Eingebettet in das Schaltpult der Sudkessel standen die modularen analogen Synthesizer von Mathias Kettner und Oliver Rauscher, auf der Empore Andreas Polkhart mit elektronischer Gitarre. Für das Münchner Team ist die Improvisation integraler Bestandteil ihrer Arbeit, jedes Stück ist einmalig und bekommt auf der Bühne erst seine endgültige Form. Untermalt mit an die Decke geworfenen grünen und roten Laserstrahlen bot dies den Besuchern ein einmaliges Spektakel.

Auch das musikalische Programm, dargeboten auf einer aus Paletten und Bierkästen passend zur Brauerei aufgebauten Bühne, konnte sich hören lassen. Zur Einstimmung spielte die Salzburger Rockband »SPYCATS«. Stefan, Kevin und Johannes sind in der Salzburger Musikszene keine Unbekannten mehr. Ihre Musik, mit tollem Sound, geprägt von der Liebe zur Gitarre fand auch unter den Teisendorfer Zuhörern viel Anklang.

In eine ganz andere Richtung ging die Musik des jungen Münchner Sängers KALED, die von Elementen des Pop, Soul, Rock und nicht zuletzt der deutschen Liedermacher wie Konstantin Wecker geprägt ist. Der Funke zum Publikum sprang schnell über, Mitmachen und Mitsingen war angesagt.

Dann aber kam Stefan Dettl, der Frontmann und Sänger der Band LaBrassBanda. Begleitet von dem Bassisten Fabian Jungreithmayr brachte er die Halle mit seiner energiegeladenen Acoustic-Session vom Feinsten zum Kochen. Bereits sein etwas ungewöhnlicher Einzug mit einer Musikeinlage mitten im Publikum elektrisierte. Dann warb der Ausnahmemusiker erst mal mit einem kurzen Plädoyer für die Unterstützung des »Viva con Agua«-Vereins, dessen Arbeit alle Künstler des Abends durch ihren unentgeltlichen Auftritt unterstützen. Dann legte Dettl, mit seinem typischen Sound aus Techno, Reggae, Ska und Punkmusik los.

Die Feierwütigen konnten den Abend noch lange bei der After-Show-Party genießen. Die österreichische Band Allen Alexis samt DJ-Set sorgte mit einem Gemisch von Elektropop über Punk und Techno für die richtige Party-Stimmung.

Initiiert worden war das Projekt von Brauereichef Christian Wieninger, dem Fotografen Andreas Pfohl und Christian Rogl, Produzent von Musikvideos. Das Projekt sei »aus einer Bierlaune heraus« entstanden, so der Bräu, denn so etwas habe es in der Region noch nicht gegeben. »Was man in Berlin oder München kann«, fügt er schmunzelnd hinzu, »können wir in Teisendorf auch«. Und wenn man damit auch noch eine so wichtige Arbeit, wie die von »Viva Con Agua de Sankt Pauli« unterstützen kann und alle Künstler dabei freiwillig mitmachen, dann sei das eine prima Sache. Das große Interesse der Besucher gab den Initiatoren recht. Hoffentlich folgen noch viele ähnliche Nächte im Teisendorfer Brauhaus. Monika Konnert