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Das Sterben des reichen Mannes und ein Feuerwerk

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An Ketten wird der Schuldknecht (Daniel Kranawitter) vor Jedermann (Peter Christian Ebner, links) geführt. Auf der linken Seite der Treppe ist die Not seiner Ehefrau (Monika Seidenfuß-Bauernschmid) zu sehen, die um Gnade fleht. (Foto: Janoschka)

Zum fünften Mal präsentierte das »BühnenErlebnis Bamer-Ebner« unter der Leitung von Angelika Bamer-Ebner seine »Jedermann«-Produktion auf Gut Edermann in Holzhausen bei Teisendorf.


Mit Renaissancemusik von der CD, mit Gesang der Truppe und hübschen Tanzeinlagen der Buhlschaft (Angelika Bamer-Ebner) und einer Tischdame (Monika Seidenfuß-Bauernschmid), sowie mit Holzhause-ner Kindern wurde auf der Freitreppe zur Terrasse von Gut Edermann eine festliche Atmosphäre geschaffen. Harfenmusik von Marina Plereiter empfing vor Beginn die Gäste. Nach der Aufführung gab es für das begeisterte Publikum ein fulminantes Feuerwerk am Nachthimmel. Die beiden Vet-tern (durchweg mit Mimentalent und Gesangsqualitäten: Daniel Holzbauer und Florian Friedrich) kündigten den Zuschauern das »geistlich Spiel« vom Jedermann als ein Lehrstück mit tieferer Aussage an.

Jedermann, dessen Geschichte allseits bekannt ist, kümmert sich nicht um die Nöte seiner Mitmenschen. Eindrucksvoll konnte Peter Christian Ebner in den Szenen im ersten Teil überzeugen, wo er dadurch charakterisiert wurde, wie er mit der Not der Menschen umging, die ihn um Hilfe baten: Das waren der Schuldknecht (Daniel Kranawitter) und eine arme Nachbarin (Irmgard Böttcher). Auch seine Mutter – Barbara Hagen-Walther, die auch die Allegoriefigur »Glaube« darstellte und als moralisierende Seelenheilfürsprecherin etwas blass auftrat –, schickte er weg.

Bei einem Festgelage hörte er – nur er und nicht seine Gäste – plötzlich Stimmen in unterschiedlichen Tonhöhen, die seinen Namen riefen. Plötzlich trat der Tod (Christine Walther) in sein Leben – mit schwarzer Kutte und einer Maske vor dem verhüllten Gesicht. Jedermann handelte bettelnd aus, dass dieser ihm für seine letzte Reise Geleit zugestand. Aber da war niemand – etwas hysterisch lief sogar seine Geliebte (Angelika Bamer-Ebner, die auch für Regie, Inszenierung und Ausstattung verantwortlich war) kreischend davon.

Der Reichtum – hervorragend gespielt von Daniel Kranawitter – klärte ihn über die Vergänglichkeit auf und verschwand wieder in seiner Kiste. Erst die »Werke« (wandelbar: Monika Seidenfuß-Bauernschmid, die auch als kokette Tischdame und Schuldknechts Weib überzeugte) als dahinsiechende Frau vermochte Jedermann gemeinsam mit »Glaube« zu läutern.

Die Augenblicke des Zweifelns über seine Situation waren bei Peter Christian Ebner als Jedermann im zweiten Teil wenig tiefgründig, wenn sie nicht überhaupt fehlten. Wo blieben die wenigstens kurzen Übergänge mit Nachdenken oder einem inneren Monolog eines vordem dionysischen Egoisten? Kann sich ein Mensch wirklich so schnell ändern? Freilich, Reue und Angst vor ewiger Verdammnis können viel bewirken.

In der Gestalt des Teufels mit Frauenkleidern und Fellfrisur sorgte Christine Walther exzellent für das Komödiantische in dieser Aufführung: Diese Figur war hier nichts Bedrohliches, sondern hatte eher clowneske Züge. In gieriger Erwartung auf ihre Beute, die ihr jedoch von den Allegoriefiguren »Glaube« und »Werke« entzogen wurde, musste sie sich schließlich ihre Niederlage eingestehen. Auch wenn es sich hier per se um eine »Instant-Bekehrung« handelt, geschah sie in dieser Inszenierung dennoch ein wenig auf der Oberfläche. Kitschig-fromm leierte Jedermann im Büßerhemd sein »Vater unser« herunter. Die beiden Vettern erbten schließlich sein Vermögen – die unendliche Geschichte begann von Neuem.

Die etwas abgespeckte Inszenierung des Jedermann gestaltete sich mehr als eine Inhaltsangabe denn als eine Nacherzählung und erging sich in assoziativen Andeutungen, was freilich in der Fantasie der Zuschauer durchaus zur Vollendung kommen konnte.

Weitere Aufführungstermine sind am heutigen Freitag und am Sonntag sowie am Freitag, 12. und Sonntag, 14. August. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 08666/92730 oder per E-Mail unter info@gut-edermann.de. Brigitte Janoschka