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Das Spiel von Liebe, luxuriöser Lust und Tod

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Manon (Shelley Jackson, Mitte) ist den luxuriösen Pariser Versuchungen erlegen. (Foto: Landestheater)

Mit der neuen Produktion von Jules Massenets Oper »Manon« hat sich das Salzburger Landestheater einem ehrgeizigen Projekt verschrieben, das in den akustischen Gegebenheiten des Theaters nicht problemlos verlaufen ist.


Zum Jahresmotto »Die Sehnsucht nach dem Amoralischen« fügt sich hingegen passend die Geschichte der jungen Manon, die zuerst die Liebe zu Des Grieux dem zugedachten Klosterleben vorzieht, dann aber die Liebe für ein Leben im Luxus eintauscht. Für Manon ist das Leben ein Spiel mit immer neuen Versuchungen, die schließlich todbringend enden.

Schon während des Vorspiels wird Manon am Spielautomaten sichtbar hinter einem Schleiervorhang, auf dem projizierte Automatensymbole vorüberflimmern. Das Glücksspiel wird ihr auch am Ende zum Verhängnis: des Falschspiels angeklagt wird sie zur Deportation verurteilt. Die Regisseurin Christiane Lutz verlegt das Sujet aus dem 18. Jahrhundert in die Gegenwart. Der Bühnenraum aus hohen grauen Wandpaneelen mit schwarzen Längs- und Querverstrebungen zeigt die Abfertigungshalle eines Flughafens (Bühne Julia Müer), in der Manon mit anderen Flugreisenden ankommt.

Während Manon auf ihren Koffer wartet, trifft sie auf Des Grieux, der seinen Abflug verpasst hat. Schnell verliebt machen sich beide aus dem Staub und auf nach Paris. Auf der Drehbühne kreist eine Modellfolge von Pariser Symbolen wie Eiffelturm, Arc de Triomphe etc. Die spärliche Behausung des Paares in Paris symbolisiert ein großer offen aufgestellter Koffer mit grauer Fütterung. Durch das Entfernen der Kofferinnenwand und der dahinter aufscheinenden Tapete mit Louis Vuitton Symolen wird der Verlockung des Reichtums optisch genüge getan. Außerdem versteckt Manon vor Des Grieux einen protzigen Ring, den ihr der reiche Brétigny angesteckt hat. Ein großer Beichtstuhl inmitten der umgewidmeten Wandpaneele ergibt im 3. Akt die Abtei St. Sulpice, in die sich Des Grieux, in der Absicht Priester zu werden, zurückgezogen hat.

Die Regisseurin erzählt die Geschichte schlicht, folgerichtig, verständlich und bühnenpraktisch. Die deutschen Übertitel helfen dem französisch gesungenen Original etwas auf die Sprünge. Die Kostüme (Dorothee Joisten) sind für den Chor lustig und individuell variiert gehalten, aber für die Protagonistin sind sie überwiegend besonders unvorteilhaft ausgefallen.

Gesanglich kann sich die Manon von Shelley Jackson Lorbeeren holen. Mit ihrem tragfähigen klaren Sopran lässt sie die Kernstruktur der Musik aufleben. Ihre stärksten Momente hat sie beim Abschied von ihrer Liebe und ihrem kleinen Tisch im zart gesungenen »Je ne suis que faiblesse…..Adieu, notre petite table«. Auch in der Verführungsszene im Kloster »N’est – ce plus ma main«, als ihr Des Grieux von Neuem erliegt, entlockt sie ihrer Stimme eindrückliche Facetten und Farben. Weniger überzeugend gelingt der emotionale Ausdruck in ihrer etwas unvermittelt dargestellten Sterbeszene.

Mit Abdellah Lasri als Des Grieux hat sich das Landestheater einen Tenor mit stimmlicher Power bestellt, der seine Rolle wohl mit einem Wettstreit um die kräftigste Lautstärke verwechselt. Im eintönigen Forte sind für diesen Des Grieux Differenzierung, Emotion und musikalische Phrasierung offenbar Fremdworte.

Sehr schön hingegen fächerte der Chor die mannigfaltigen Reize der Musik auf und Ohr und Auge erfreuen Tamara Ivani, Hazel McBain und Kate Coventry als Pousette, Javotte und Rosette. George Humphreys als Lescaut und Yevheniy Kapitula als De Brétigny sind rollengerecht eingesetzt und Raimundas Juzuitis gibt einen respektablen Comte Des Grieux. Das Mozarteumorchester unter Adrian Kelly klingt diesmal stellenweise sehr robust und meistens zu laut. Nur bei Manons innigen Momenten zeigt plötzlich auch das Orchester Zartheit und schillernde Farbe. Aber insgesamt fehlt es dieser musikalischen Wiedergabe an Esprit, Charme, Differenzierung und den reichen Schattierungen von Massenets reizvoller Klangsprache.

Weitere Vorstellungen im Landestheater finden bis einschließlich Januar 2019 statt. Elisabeth Aumiller