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Das neue Gesicht von Ludwig und Richard

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Franz-Josef Fuchs (links) als König Ludwig II. und Mario Eick als Richard Wagner beim Stück »Richard und Ludwig« im Studio 16 in Traunstein. (Foto: Ortner)

Obwohl niemand so recht wusste, was ihn erwartete und der Abend nur lapidar unter dem Label »Märchen und Sagen für Erwachsene« angekündigt war, war das Studio 16 in der Traunsteiner Bahnhofstraße bis auf den letzten Stuhl besetzt.


Bei den Besuchern stieg die Spannung darüber, was es nun mit »Richard & Ludwig« so auf sich hatte, von Minute zu Minute. Immerhin sind der bayerische Märchenkönig Ludwig II. und sein Protegé Richard Wagner Ikonen der bayerischen Geschichte. Auch wenn Wagner eigentlich Sachse war, so bescherte er den Bayern ein gigantisches Opernhaus inklusive Festspiele und der »Märchenkönig« hinterließ als Kulturerbe nicht nur seine wunderbaren Schlösser. Um der üblicherweise recht ernsthaften und dramatischen Verehrung etwas entgegenzusetzen, hatte sich Autor, Regisseur und Wagner-Darsteller Mario Eick, Intendant der Burghauser Märchenalm für eine eher komödiantische und zeitgenössische Variante entschieden und sich gemeinsam mit Schauspieler, Regisseur und NUTS-Chef Franz-Josef Fuchs in der Rolle des Ludwig auf eine abenteuerliche Mission gemacht.

Live aus dem Sendestudio der BFW 97.2: Radiosprecher Christopher Mayer, übrigens auch im realen Leben sein Brotberuf, moderiert eine Musiksendung mit Live-Preisausschreiben. Übrigens mit großem Erfolg, den man durch eine sporadisch auftauchende Los-Fee (Simone Sommer) geschickt zu kanalisieren versucht. Doch im entscheidenden Moment ist Chris M. auf sich alleine gestellt und wird während eines Stromausfalls überwältigt. Gefesselt und geknebelt muss er mit angstgeweiteten Augen erleben, wie ein etwas zwielichtiges Duo, das sich mit Richard und Ludwig anspricht, kurzerhand das Studio kapert, zunächst jedoch gar nicht recht weiß, wie ihm geschieht und wie es damit umgehen soll. Hilfe naht unverzüglich in Form einer sehr temperamentvollen Stimme aus dem Off, oder vielmehr dem Studiotelefon (gesprochen vom stimmgewaltigen Bayernwelle-Südost-Geschäftsführer Dietmar Nagelmüller), die von nun an regelmäßig mehr oder weniger freundliche aber konkrete Anweisungen erteilt.

Die zunächst verlesene Meldung einer Schiffskollision auf dem Starnberger See, bei der mindestens zwei Personen einer Ausflugsgruppe einer psychiatrischen Klinik sowie die Besatzung eines Raddampfers spurlos verschwunden sind, treibt Richard und Ludwig in eine skurrile Diskussion, oft mit überraschenden Kehrtwendungen oder diversen Nebensträngen. Fast wie ein altes Ehepaar streiten und lamentieren sie mit großer Hingabe und reden oft aneinander vorbei.

Ludwig, der Technikfreak, träumt von neuen Schlössern mit modernster Ausstattung und einem weiteren Elektrizitätswerk. Richard übermannen regelmäßig neue Ideen für seine Oper. Zudem ist er beständig auf der Suche nach den angeblich im Studio verborgenen Musikzwergen, die seine opernhaften Anwandlungen unterstützen sollen. Die dabei zufällig entstehende Radiosendung wird unabsichtlich zum Publikumsrenner mit Rekordeinschaltquoten.

Obwohl sie dabei eigentlich nur Bayern zu einem besseren Land machen wollen, verwischen sich in den skurrilen, ebenso unterhaltsamen wie lustigen Dialogen und Streitgesprächen immer wieder die Grenzen zwischen Fiktion und Tagträumen sowie der Realität der Nachrichtenmeldungen, für die die »Radiopiraten« nun zuständig sind. Wohldurchdacht und geschickt platziert handeln die Beiden aktuelle politische Themen ab und bringen sie dabei immer wieder in einen, auf eigenwillige Weise passenden, prächtig-komischen Kontext mit ihren eigenen künstlerischen Visionen.

Der Sultan Erdmann plant eine Wahlkampfveranstaltung in der Allianzarena, was Ludwig zum Anlass nimmt, über die Einführung des Kopftuchzwangs und die Umwandlung der Brauhäuser in Teestuben zu sinnieren. Derweil hat Richard einen glänzenden Einfall für den »Fliegenden Holländer«. Und so dreht sich das eigenwillige Paar immer wieder auf höchst unterhaltsame und amüsante Weise von neuem im Kreis. Es ist gefangen in einer wirren Welt aus (ir)realen politischen Spielchen, den herrschsüchtigen Vorgaben des Senderchefs und mehr oder weniger verkappten Anspielungen auf historische Begebenheiten und Lebensumstände der beiden Protagonisten. Diese halten sich für keine wirklichen Bösewichte und Unmenschen und verspüren daher gelegentlich auch einen Hauch von Mitleid für ihre junge Moderatorengeisel. Ob sie diese wieder freilassen und sich ihre Odyssee am Ende zum Guten wendet, bleibt vorerst noch ein Geheimnis.

Die nächste Gelegenheit, das Spektakel mit eigenen Augen zu erleben, ist am Donnerstag, 29. Juni um 20.30 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 0861/8431, online unter www.nuts-diekulturfabrik.de, beim Zeitungskiosk Hörterer am Maxplatz in Traunstein und bei Schreibwaren Rother in Chieming. Maria Ortner