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Das Licht der Musik szenisch sichtbar gemacht

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Die Bühne ist ein einziger heller Kubus, von weißen Linien aus Leuchtröhren umrandet. (Foto: Lucie Jansch) Foto: © Lucie Jansch

Großer Jubel am Ende der gut dreistündigen Premieren-Aufführung des Händel-Oratoriums »Der Messias« zum Einstand der Mozartwoche 2020 in Salzburg.


Für die Programmausrichtung »Mozart pur« konnte nicht das englische Original das Primat haben, sondern die Bearbeitung von Wolfgang Amadé Mozart in der deutschen Übersetzung von Friedrich Klopstock und Christoph Ebeling, die somit einen Baustein zur Interpretationsgeschichte beiträgt. Mozarts Eingriff in die Händelsche Partitur entstand einzig aus der Absicht, die barocke Klangsprache dem damaligen Zeitgeschmack anzupassen. Im 19. Jahrhundert und bis in die Hälfte des 20. Jahrhunderts war diese Version im deutschsprachigen Raum die meist aufgeführte. Dass nun Mark Minkowsky und seine Musiciens du Louvre, die sich als Spezialisten für originale Aufführungspraxis profilierten, das barocke Werk in Mozarts Klangewand zu Gehör brachten, hat beinahe paradoxe Brisanz.

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Robert Wilson, bedeutender Repräsentant theatralischer Ereignisse der Gegenwart, gestaltete die szenische Adaption im Haus für Mozart. »Für mich ist 'der Messias' nicht so sehr ein religiöses Werk als vielmehr eine Art spirituelle Reise. Mozarts Musik spricht zu mir mit einer ganz besonderen Farbe des Lichts, wie ich sie bei keinem anderen Komponisten finde«, sagt Robert Wilson. So ist seine Szene auch von einer fantastischen Lichtregie geprägt. Die Bühne ist ein einziger heller Kubus, von weißen Linien aus Leuchtröhren umrandet. Das Licht ist in vielen Schattierungen omnipräsent, edel und faszinierend, zusätzlich mit einer Art symbolischem »Auge Gottes«, das über allem wacht.

Wilson erzählt keine Geschichte, auch keine Textinterpretation, sondern setzt ein Pendent zum Klang in ästhetisch schimmernden Bildern. Eindrucksvoll sind etwa die heranrollenden Wasserfluten und die in sich zusammenstürzenden Eisberge oder die Bootsfahrt der Sopranistin zur Arie »Ich weiß, dass mein Erlöser lebet«. Zur Deutung szenischer Details kann jeder seine eigene Fantasie spielen lassen. Die Personen sind in ihren statuarischen oder tänzelnden Bewegungen Kunstfiguren, die auch komisch sein dürfen.

Minkowsky und seine Musiker verleugnen nicht ihre Barockerfahrung, geben aber auch Mozarts Klangwelt beeindruckende Gestalt. Der Mozartische Händel klingt runder, fülliger, elegant-geschmeidiger. Mozart hat das Licht einkomponiert. Hervorragend sind die Solisten. Mit Engelsstimme singt die Sopranistin Elena Tsallagova, Wiebke Lehmkuhl bringt ihren Mezzo differenziert eindringlich zum Einsatz, Richard Crofts Tenor brilliert mit wendiger Koloraturgeläufigkeit und aufhorchen lässt der junge Bass José Coca Loza, ebenfalls koloraturgewandt, mit ebenmäßig ausgeglichenem Stimmeinsatz punktend. Am Ende Begeisterung beim Publikum für alle Mitwirkenden. Weitere Aufführungen bei der Mozartwoche am 26. und 31. Januar. Die Produktion wird außerdem im Sommer in die Salzburger Festspiele übernommen. Elisabeth Aumiller