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»Das Leben selbst ist das Motiv«

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»Wir sind auch Natur. Es kommt darauf an, welche Spuren wir hinterlassen«, sagt Alfred Darda über den Titel seiner Ausstellung »Spuren der Natur« im Alten Feuerhaus in Bad Reichenhall, die bis zum 8. November dauert. Ein Novum innerhalb einer Ausstellung ist laut Akademie-Direktor Stefan Wimmer bei Darda, dass die Bevölkerung jeweils freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr mit dem Maler an einem Arbeitstisch in der Mitte schöpferisch tätig werden kann.


Der 81-jährige gebürtige Westfale lebt und arbeitet seit 2009 im Allgäu und unterrichtet seit 2000 an der Kunstakademie Bad Reichenhall und weiteren Institutionen. Seit Anfang der 70er Jahre ist er in der Kunstszene präsent; Werke von ihm hängen unter anderem in der Deutschen Botschaft Madrid und im Deutschen Bundestag.

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Als Dozent gibt er mit Leidenschaft seine Erkenntnisse über die tieferen Zusammenhänge weiter und ermutigt die Menschen ihren eigenen Weg zu gehen. »Jeder Mensch ist begabt«, ist seine These. »Jeder von uns hat den Ursprung in sich.« Elementar in unserer Zeit, in der die Fremdbestimmung zugenommen hat, ist für ihn die »Rückbesinnung auf die Schöpfung«, auf den Schöpfer in uns selbst.

Der Prozess des Lebens steht für Darda im Mittelpunkt, nicht die Nachahmung. Er findet es schlimm, Kindern Ausmalbilder vorzusetzen. Stattdessen lädt er Menschen jeden Alters mit einfachen Techniken wie dem Kombinieren von Papierfragmenten oder dem Durchpausen durch verschiedene Untergründe ein, sich auf das künstlerische »Spiel« einzulassen, das Zufälle aufgreift und Eigenes hinzu gibt. Hier spielt sich für ihn Leben ab. »Das Leben selbst ist das Motiv.«

Ebenso geht Darda in seinen eigenen Werken vor. Er integriert Teile der Natur, um einen Maßstab in seinen Bildern zu haben. Als sein »Schlüsselbild« bezeichnete er ein Werk, das an einen Frauenakt erinnert und in dem viele schon vergeblich einen künstlerischen Eingriff gesucht haben. Es handelt sich um ein Blech, auf dem durch die Einwirkung von Regenwasser eine faszinierende Zeichnung entstanden ist. Darda hat es in Italien gefunden und gegen ein anderes Bild getauscht. Daneben zeigt ein Foto von einer Höhlenmalerei Bezüge zu Zeichnungen unserer Vorfahren auf.

Gern verwendet er Fundstücke, »die ihrem eigentlichen Zweck entronnen sind, die sich durch Verwitterung, Erosion und andere Naturprozesse in Poesie verwandelt, ich könnte auch sagen, in den Zustand der Unschuld zurückverwandelt haben«. Das sind zum Beispiel Holzstücke, Pappe-Reste oder Rückseiten der Plakate einer Plakatwand mit ihren Klebestellen und Rissen. Mit den Mitteln Malerei und Zeichnung und bewusst aufgetragenen Materialien wie Beton entsteht ein Wechselspiel zwischen Bewusstem, Unbewusstem und dem »Numinosen«. Die Bilder zeichnen sich aufgrund der Arbeitsweise in Schichten und der aufgebrochene Strukturen durch hohe Plastizität aus.

Im Erdgeschoss dominieren farbkräftige Gemälde, im Galerie-Gang grafische Arbeiten. Ein Tänzer, ein Fabelwesen an einer teils aufgebrochenen Mauer, in der sich weitere Wesen verbergen, ein Gesicht, eine menschliche Gestalt, ein Kreuz und vieles mehr sind zu entdecken. Der Mensch als Macher müsse es wieder schaffen, der Natur als Ort mysteriöser Kräfte und Gesetzmäßigkeiten im Dialog zu begegnen, dass eine Partnerschaft entsteht, die lebenserhaltend ist, befindet der Künstler.

Die Ausstellung ist von Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 12 bis 15 Uhr geöffnet. Veronika Mergenthal

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