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Das Kontrafagott beißt nicht

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Gefährlich wirkt das Kontrafagott der Ausstellung des Salzburg Museums – das Museum zeigt historische Musikinstrumente. (Foto: Salzburg Museum)

Ein paar Lauten hat man sogar in den Scanner gesteckt, hat sie Neuroradiologen scheibchenweise per CT durchleuchten lassen. So ist auch die Paracelsus Medizinische Privatuniversität mit an Bord in der Dauerausstellung, in der das Salzburg Museum wieder seine historischen Musikinstrumente zeigt.


Andere Aspekte der interinstitutionellen Zusammenarbeit kommen den Besucherinnen und Besuchern der neuen Ausstellung unmittelbar zugute. Per Touchscreen können sie Videobeispiele aufrufen, hören, wie all die Absonderlichkeiten klingen und sehen, wie man ihnen die Töne entlockt. Eine »Tromba Marina«, auch Nonnengeige oder Trumscheit genannt, werden selbst Musikfreunde kaum einmal hautnah erlebt haben. Auch der »Orphica« lauscht man mit Neugier nach. Das ist ein Hammerklavier, das man im Biedermeier auf Spaziergänge mitgenommen hat.

Die Orphica teilt sich den Glaskasten mit ein paar Spazierstockflöten. Geografisch ist dieser kleine Raum in Salzburg mit dem Schlosspark Aigen verknüpft: Da darf man sich Leute wie Michael Haydn vorstellen, wie sie spazieren, musizieren und Männerquartette singen.

Die neue Musikinstrumentenschau ist im zweiten Stockwerk des Salzburg Museums, wo man dem »Mythos Salzburg« nachspürt, inhaltlich plausibel untergebracht. Sogar ein Filmchen mit »Sound-of-Music-Marionetten« gibt es da. Das Forschungs-Langzeitprojekt – bis 2018 – drum herum kann sich sehen lassen. Von einer »modellhaften Zusammenarbeit für Wissenstransfer und Forschung« spricht Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museums. Lehrende und Studierende der Universität Mozarteum beschäftigen sich auf Jahre mit den alten Instrumenten und ihren Spielweisen, auch mit solchen aus dem Tiroler Landesmuseum (Innsbruck). Musikwissenschafter und Kunsthistoriker der Universität Salzburg sind eingebunden, der Bund spendiert aus dem Fundus für solche Kooperationen an die 400 000 Euro. Es wird eine Konzertreihe »Mozarteum im Museum« geben, Workshops und Symposien.

Michael Haydns Flügel ist natürlich ausgestellt und ein Clavichord aus dem Besitz der Maria Anna Freifrau von Sonnenburg, besser bekannt als Nannerl Mozart. Im Alter war sie eine gefragte Klavierlehrerin am Ort. Das von einem spitzzahnigen Tiermaul bekrönte Kontrafagott macht optisch viel her, vor allem im Video. Da sieht man nämlich, dass die Zunge des Viehs nicht starr ist, sondern beim Spielen vibriert. Musizierpartner und Publikum müssen sich ordentlich gefürchtet haben, wahrscheinlich sind dergleichen Musik-Ungeheuer aus Gründen der Menschenfreundlichkeit bald außer Gebrauch gekommen.

60 von gut 150 historischen Musikinstrumenten sind multimedial attraktiv präsentiert. Schön, wie diese Musikwerkzeuge in den Glaskästen und Vitrinen quasi im Raum schweben. Die Ausstellungsarchitektur ist gewöhnungsbedürftig. Wuchtige schwarze Regalwände, übers Eck geführt und kleine Kojen bildend. Die gähnend leeren Regale sind keineswegs dazu da, im nächsten Jahrhundert Bücher aufzunehmen (die Kapazität wäre ausreichend). Die fünf Ebenen stehen für die fünf Notenlinien, erklären die Ausstellungsmacher.

Kinder werden entzückt sein, wenn sie an einem Bühnenbildmodell – Stichwort: Benediktinertheater – kurbeln und ein Schifflein auf den Wellen schaukeln lassen dürfen. Erwachsene werden neugierig das Stahlklavier, eine Frühform der Celesta, begutachten. Reinhard Kriechbaum