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Das große Ziel heißt Olympia

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Biathlet Niklas Homberg möchte auch bei Großereignissen einmal ganz oben auf dem Siegerpodest stehen. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Der 20-jährige Student Niklas Homberg vom SK Berchtesgaden hat sich voll und ganz dem Biathlonsport verschrieben. Homberg begann im nordischen Skisport zunächst mit Nordischer Kombination und später mit Langlauf, ehe er mit elf Jahren sein Faible für den Laufsport mit Schießeinlagen entdeckt hat. Bei den Juniorenweltmeisterschaften im Biathlon verpasste er dreimal als Vierter eine Medaille. Doch Homberg weiß: Auch Niederlagen pflastern den Weg eines erfolgreichen Sportlers.


Niklas, wie schaut dein Saisonfazit aus?

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Niklas Homberg: Mit meiner Weiterentwicklung bin ich zufrieden. Bei der Kondition habe ich einen großen Schritt gemacht. Gerade im Stehendschießen haben wir viel gearbeitet und den Anschlag bis ins Detail aufgearbeitet.

Haben dich die drei vierten Plätze bei der WM geärgert?

Homberg: Zunächst einmal war ich mit Platz vier beim Sprint zufrieden. Schließlich fand tags darauf meine Lieblingsdisziplin, die Verfolgung statt. Dabei hielt die gute Startposition viel offen. Doch nach Platz vier habe ich mich dann doch etwas geärgert.

Wie ging es dann weiter?

Homberg: Nach der Verfolgung hatte es mich gesundheitlich etwas erwischt und ich dachte: auch das noch. Ich war aber der festen Überzeugung, dass wir in der Mannschaft um die Medaillen kämpfen und ich war auch imstande, 100 Prozent zu geben. Nachdem ich als Schlussläufer auf Platz fünf auf die Strecke gegangen war, konnte ich unser Team noch an die vierte Stelle bringen. Im Ziel war ich froh, weil das Team sein Bestes gegeben hatte. Dennoch ließ mich der Ärger über die Verfolgung auch danach nicht los. Auch wenn hinter einem vierten Platz bei 94 Startern doch eine Leistung steckt. So gesehen will ich die schlechte Erfahrung nicht missen, sie ist für meine weitere Arbeit noch sehr wertvoll.

Welche Ziele hast du?

Homberg: Nachdem ich jetzt zu den Herren aufrücke wird sich in einer Woche zeigen zu welcher Kadereinteilung sich unsere Trainer entscheiden. Grundsätzlich möchte ich Titel gewinnen, das ist im Leistungssport ganz natürlich. Mein Ziel ist der IBU-Cup, unsere zweite Liga. Langfristig sind es die nächsten drei Olympischen Spiele.

Was macht den Reiz des Biathlon aus und warum hat eure Sportart die meisten Zuschauer?

Homberg: Es ist wohl der Nervenkitzel, wenn im Massenstart mal schnell gleich mehrere Athleten zum letzten Schießen kommen. Man kommt sich da oft vor wie bei einem Krimi oder Horrorfilm und würde dem Hauptdarsteller am liebsten zurufen, was er zu machen habe. Es ist oft so spannend, dass meine Mama teilweise gar nicht mehr zuschauen kann.

Welche Rolle spielt deine Familie?

Homberg: Sport ist nie eine One-Man-Show. Wenn ich daran denke, wie viel meine Familie dafür getan hat, um meinen Sport zu ermöglichen, dann ist das unsagbar und wirklich keine Selbstverständlichkeit. Das fängt beim Finanziellen an und setzt sich mit vier Fahrten pro Woche nach Ruhpolding fort. Und noch heute berät mich meine Familie. Die holen mich heraus, wenn ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. Daheim kann ich abschalten, wenn ich mit meiner Familie oder Freunden zusammen bin. Gerade jetzt in der Trainingspause oder an anstrengenden Tagen, wo ich einfach mal an was anderes denken will als an Biathlon, gibt es nichts Besseres als die Zeit mit ihnen zu verbringen.

Wie bringt man Studium und Spitzensport unter einen Hut?

Homberg: Man muss Prioritäten setzen. Das Studium an der Universität Seeburg ist wirklich gut darauf ausgelegt, um sich auf die Schwerpunkte zu konzentrieren. Das Konzept eines semi-virtuellen Studiums mit drei Präsenzphasen zu je fünf Tagen pro Semester ist gut realisierbar. Der gesamte Stoff und die Vorlesungen sind ohnehin online zu bearbeiten. Überdies ist die Uni recht überschaubar und der Kontakt zu allen sehr persönlich. Wenn man gut kommuniziert, sind Lösungen immer realisierbar. Man hat dort schon viel Erfahrung mit Leistungssportlern. Voraussetzung ist jedoch ein sehr straffes und funktionierendes Zeitmanagement. Sich nach einem anstrengenden Trainingstag noch hinzusetzen und zu büffeln, verlangt ein großes Maß an Selbstdisziplin.

Wie sieht dein Trainingsprogramm im Sommer aus? Und wann wird es wieder ernst?

Homberg: Wir werden in vielen langen Einheiten trainieren. Die Palette reicht vom Rennrad- und Bergradfahren über Joggen und Skirollern bis zum Paddeln und Bergsteigen. Ernst wird es dann im September mit den Deutschen Meisterschaften. Mir macht aber auch das Trainingsprogramm in seiner Vielfalt viel Spaß. Und schließlich weiß man dann immer, wo man gerade steht. Christian Wechslinger

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