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Otto Baur führt künftig den Turnverein – 1059 Mitglieder mit sinkender Tendenz – Fokus liegt klar auf dem Hallenneubau

Das 154. Vereinsjahr des TVT stand im Zeichen des Umbruchs

Auf ein bewegtes Jahr blickt der Turnverein Traunstein zurück. Entsprechend bedeutende Tagesordnungspunkte waren bei der 154. Jahreshauptversammlung des Traditionsvereins abzuhandeln, der vor dem Hintergrund der inzwischen eingetretenen »Hallenlosigkeit« nach dem Abbruch der Franz-Eyrich-Halle und der Kurt-Binder-Halle am über viele Jahrzehnte bestehenden Vereinssitz an der Salinenstraße die Versammlung im Aubräu bei durchschnittlicher Mitgliederbeteiligung durchführen musste.

Mit Otto Baur (2. von links) hat der TV Traunstein einen neuen Vorsitzenden. Er wird von seinen Stellvertretern Helmut Otillinger (Dritter von rechts) und Franz Feldner (links) unterstützt. Neu dabei ist auch Geschäftsführerin Nicole Anderl. Schatzmeister ist Dr. Georg Thurmayr. (Foto: Wittenzellner)

1059 Mitglieder hat der TVT zum Stichtag, wobei 972 als aktive Mitglieder geführt werden. Die größten Abteilungen sind Turnen (327 Mitglieder, 13 Abgänge), Basketball (226, Minus 17), RSG (175, Minus 7), Ringen (108, unverändert) und die Förder-/Ehrenmitglieder (98, Minus 11).

Helmut Otillinger, 2. Vorsitzender des TVT, der nach dem krankheitsbedingten faktischen Ausscheiden von 1. Vorsitzendem Rudolf Belser dessen Aufgaben übernommen hatte, dankte den Vertretern der Abteilungen, die den Umzug aus dem bisherigen Hallenkomplex zum Jahresende umgesetzt haben. »Eine riesen Aktion« war sein Fazit dazu. Er dankte auch der Stadt für die gute Zusammenarbeit.

Nicole Anderl wird neue Geschäftsführerin

Geschäftsführer Christian Ausfelder teilte mit, dass er zum 1. Mai seine Tätigkeit niederlegt, die er in den vergangenen acht Jahren ausgeführt hat. 3. Vorsitzender Franz Feldner lobte die Tätigkeit Ausfelders, der »eine gute Arbeit geleistet habe«. Als Nachfolgerin wurde Nicole Anderl vorgestellt.

Dr. Georg Thurmayr, Schatzmeister des Vereins, ging auf das wirtschaftliche Zahlenwerk ein, das unter dem Motto »Ein Jahr des Umbruchs« stand. Wirtschaftlich habe man das erste Mal seit zehn Jahren ein positives Ergebnis erzielen können, was aber im Wesentlichen auf Sonderfaktoren (Auszug im November mit Wegfall der Energiekosten sowie einem Zuschuss der Stadt) zurückzuführen ist. Das Ergebnis lag mit 2200 Euro knapp über der schwarzen Null.

Der ideelle Bereich lag gerundet bei einem Ergebnis von 159 000 Euro, die Vermögensverwaltung zeigte mit 3100 Euro ein negatives Bild. Der Zweckbetrieb Sport lag gegenüber dem Vorjahr mit 162 000 Euro auf leicht reduzierter Ausgabenhöhe. Nach dem stetigen Rückgang der Bilanzsumme und des Eigenkapitals des Vereins ist seit dem Jahr 2015, dem Zeitpunkt des Verkaufs des Areals an die Stadt Traunstein, eine Stabilisierung der beiden Zahlen erfolgt. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Verein mit einem Verlust von 14 000 Euro. Für den Sportbetrieb will der Verein rund 30 Prozent weniger ausgeben.

Öffentliches Zerrbild: Der Verein als Sündenbock

Das Bild des TVT in der Öffentlichkeit sei davon geprägt, dass der Verein der Stadt viel Geld koste, wie der Schatzmeister anhand einiger Schaubilder ausführte. Dabei bringe der Verein über 590 000 Euro in den Bau der Turnhalle ein.

Der Abbruch der TVT-Hallen, verbunden mit dem Umzug des Vereins in die Gruberhalle vor der Fertigstellung der neuen AKG-Halle, der nicht zuletzt deshalb mit erforderlich wurde, weil unter anderem die Sanierungsmaßnahmen des kontaminierten Bodens für zeitliche Verzögerungen der Fertigstellung sorgten, sei erfolgt, damit der Salinenpark termingerecht fertig werden könne. Das Projekt sei städtebaulich beziehungsweise politisch gewollt. In der Öffentlichkeit entstehe aber der Eindruck, dass der TVT der Stadt viel Geld koste.

Der Stadtrat wurde kritisiert, dass das anfänglich als »XXL Abrissparty« beworbene Abschiedsfest in öffentlicher Sitzung diskutiert wurde. Beim irreführenden Titel (die Stadt Traunstein war zu dem Zeitpunkt schon Eigentümer) hätte vorab ein Anruf beim Verein genügt. Ergänzt wurde die Thematik mit der Bitte, den Verein vor wichtigen Sitzungen anzuhören, um dessen Sicht kennenzulernen – denn: »Der TVT will sich für und in der Stadt einbringen. Dazu darf er aber nicht immer als Sündenbock dastehen.«

Aufgrund persönlicher Gründe war während des regulären Turnus die Neuwahl des 1. Vorsitzenden nötig. Auf Rudolf Belser, den gesundheitliche Gründe zum Rückzug zwangen, folgt nun Otto Baur. Er ist dem Verein seit Jahrzehnten eng verbunden. »Es ist ein toller und erfolgreicher Verein, für den es sich rentiert, Verantwortung zu übernehmen«, sagt er. In den 1970er Jahren war er bei den Ringern aktiv auf der Matte, als Funktionär bestimmte der 61-Jährige in den vergangenen Jahren im Vereinsrat die Geschicke des Vereins mit. Baur wurde ohne Gegenkandidat einstimmig gewählt. Er dankte seinem Vorgänger für seine Arbeit.

Zuvor war Belser mit einer Reihe von Danksagungen für seine 13-jährige Tätigkeit als 1. Vorsitzender bedacht worden. Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner dankte ihm im Namen der Stadt Traunstein für sein hohes ehrenamtliches Engagement. »Sie waren ein Glücksfall«, sagte die dritte Bürgermeisterin. Der TVT sei der Stadt Traunstein immer lieb und wert, und, fügte sie schmunzelnd hinzu: »auch ein bisschen teuer.«

Neue Halle kann wohl im Juni 2019 bezogen werden

Interessiert zeigten sich die Mitglieder auch zum Sachstand des Hallenneubaus am AKG. 3. Vorsitzender Franz Feldner betonte, er rechne mit einem Bezug im Juni 2019. Der Sportbetrieb könne dann wohl im August/ September 2019 richtig losgehen.

Vor dem Hintergrund der umfangreichen Tagesordnung traten die Abteilungsberichte der zehn Abteilungen etwas in den Hintergrund. Einen tollen Erfolg feierten jüngst die Basketballer mit dem Aufstieg in die Bayernliga. Der im Mai stattfindende Traunsteiner Halbmarathon, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert, erfreut sich großer überregionaler Beliebtheit und wird von der Leichtathletik-Abteilung des TVT mitveranstaltet.

Im Rahmen der Versammlung gab's auch Ehrungen. Für 60 Jahre wurde Werner Sigl ausgezeichnet. Rosemarie Mengert ist seit 70 Jahren Vereinsmitglied und Gregor Drexl brachte es zum Ehrungsstichtag auf 71 Jahre. awi